Gleich viel Neugeld, deutlich mehr Dynamik: EFG fordert Julius Bär

Die Zahl lässt aufhorchen: 5,7 Milliarden Franken Neugeld meldete Julius Bär für das erste Halbjahr. Und 5,7 Milliarden Franken weist auch EFG International aus.

Auf den ersten Blick Gleichstand. Doch die beiden Zahlen haben eine sehr unterschiedliche Bedeutung. Zum einen handelt es sich bei EFG um Net new assets und bei Julius Bär um Net new money. 

Zum anderen gelingt es EFG mit einer wesentlich kleineren Vermögensbasis, gleich viel Neugeld anzuziehen wie die grössere Konkurrentin Julius Bär. Gemessen an der jeweiligen Grösse entwickelt EFG damit deutlich mehr Wachstumsdynamik.

EFG wächst über dem eigenen Ziel

Bei EFG entsprechen die 5,7 Milliarden Franken Neugeld einer annualisierten Wachstumsrate von 6,2 Prozent. Damit liegt die Bank sogar über ihrem selbst gesteckten Zielkorridor von 4 bis 6 Prozent.

Julius Bär kommt mit demselben Neugeldbetrag aufgrund ihrer deutlich grösseren Vermögensbasis auf eine wesentlich niedrigere Wachstumsrate (2,2 Prozent). Die Privatbank hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2028 ein jährliches Neugeldwachstum von 4 bis 5 Prozent zu erreichen.

Genau hier wird der Unterschied zwischen den beiden Instituten sichtbar: EFG liegt bereits über dem strategischen Zielkorridor, Julius Bär steht noch ein Stück Arbeit bevor, um das Zielband von 4 bis 5 Prozent im Jahr 2028 zu erreichen.

Julius Bär spielt weiterhin in einer anderen Gewichtsklasse

Wohlverstanden: Julius Bär spielt in einer anderen Liga, ist viel grösser.

EFG verwaltete per Ende Juni 196,3 Milliarden Franken. Das waren 21 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 6,2 Prozent mehr als Ende 2025. Mit dem am 21. Juli vollzogenen Abschluss der Übernahme des Private-Banking-Geschäfts von Quilvest hat EFG inzwischen die Schwelle von 200 Milliarden Franken überschritten.

Damit erreicht die Bank eine neue Grössenordnung.

Julius Bär verwaltet dagegen mehr als doppelt so viele Kundenvermögen; die verwalteten Vermögen stiegen seit Jahresbeginn um 5 Prozent auf ein Allzeithoch von 547 Milliarden Franken. Gerade deshalb ist der direkte Vergleich beim Neugeld bemerkenswert: EFG generiert auf einer wesentlich kleineren Plattform derzeit denselben absoluten Zufluss an neuen Kundengeldern.

15 Halbjahre mit positivem Neugeld

Die Entwicklung bei EFG ist zudem kein Phänomen eines einzelnen Halbjahres. Die Bank weist mittlerweile seit 15 aufeinanderfolgenden Halbjahren positive Nettoneugeldzuflüsse aus.

CEO Giorgio Pradelli sieht darin eine Bestätigung des eingeschlagenen Wachstumskurses. «Mit einer Vermögensbasis, die ein Allzeithoch von mehr als 200 Milliarden Franken erreicht hat, sind wir für die Zukunft gut positioniert», sagte er anlässlich der Halbjahreszahlen.

EFG setzt dabei nicht nur auf Akquisitionen, sondern investiert massiv in organisches Wachstum.

Allein im ersten Halbjahr stellte die Bank 39 neue Client Relationship Officers (CRO) ein. Weitere 33 hatten per Ende Juni bereits unterschrieben oder ein Angebot erhalten.

Bei Julius Bär dagegen ist der Saldo Ende Juni negativ: Auf Nettobasis sank die Zahl der Kundenberater (RMs) um 14; 50 RMs wurden eingestellt, 64 RMs schieden aus. Ein erheblicher Teil dieser Abgänge resultierte aus kontinuierlichen Performance-Management-Massnahmen. 

EFG geht auf Banker-Jagd

Diese Zahlen zeigen, mit welcher Konsequenz EFG derzeit ihre Front ausbaut. 

Das ist für den Wettbewerb im Schweizer und internationalen Private Banking nicht unerheblich. Erfahrene Relationship Manager bringen im Idealfall nicht nur ihre Expertise, sondern im Laufe der Zeit auch einen Teil ihrer bestehenden Kundenbeziehungen und Vermögen mit.

EFG setzt seit Jahren stark auf dieses Wachstumsmodell. Die entscheidende Frage ist nun, wie schnell die neuen Kundenberater produktiv werden und wie viel zusätzliches Neugeld sie generieren können.

Gerade im Vergleich mit Julius Bär gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Beide Banken konkurrieren in wichtigen Märkten um vermögende und sehr vermögende Kunden – und damit zwangsläufig auch um die Banker, die diese Kunden betreuen.

Julius Bär befindet sich noch im Umbau

Die Ausgangslage bei Julius Bär ist eine andere.

CEO Stefan Bollinger treibt nach den Folgen des Signa-Debakels einen tiefgreifenden Umbau voran. Die Bank hat ihr Risiko- und Compliance-Rahmenwerk überarbeitet, die Kreditvergabe restriktiver ausgerichtet und ihre strategischen Prioritäten neu definiert.

Diese Arbeiten haben auch Auswirkungen auf das Neugeldwachstum. Julius Bär selbst hat deutlich gemacht, dass die laufende Umsetzung des neuen Risiko- und Compliance-Rahmens die Kundenakquisition und damit die Zuflüsse beeinflusst.

Die 5,7 Milliarden Franken Neugeld sind vor diesem Hintergrund zwar ein positives Signal. Sie zeigen aber zugleich, welchen Weg Julius Bär noch zurücklegen muss, um bis 2028 die angestrebte Wachstumsrate von 4 bis 5 Prozent zu erreichen.