Graubündner Kantonalbank: Der Steinbock verdient so viel Geld wie nie

Der Bündner Steinbock legt zu: Mit 137.2 Millionen Franken schreibt die Graubündner Kantonalbank das beste Halbjahresergebnis ihrer Geschichte, wie sie am Freitag bekanntgab. Getragen wird der Gewinnsprung von einem breit abgestützten Wachstum. Der Geschäftsertrag legt um 11.2 Prozent auf 286.3 Millionen Franken zu.

Sämtliche Ertragskomponenten tragen bei. Der Zinserfolg wächst trotz Margendruck um 9.3 Prozent, das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 13.5 Prozent. Der Anteil des zinsunabhängigen Geschäfts steigt damit auf 40.1 Prozent. Die Cost/Income-Ratio bleibt mit 46.8 Prozent auf tiefem Niveau.

Vertrauen – e confidanza

Für CEO Daniel Fust bestätigen die Zahlen die Positionierung als Kredit-, Anlage- und Vorsorgebank. «Der operative Erfolg verdeutlicht die hohe Leistungsfähigkeit einer resilienten und robusten GKB», wird er zitiert. «Das positive Volumenwachstum mit Privat- und Geschäftskunden drückt das grosse Vertrauen unserer Kundschaft in die GKB aus und unterstreicht unsere ausgeprägte regionale Verwurzelung.»

Ihre Verwurzelung im Bündnerland betont die Bank auch sprachlich: Sie publiziert ihre Medienmitteilung neben Deutsch auch auf Rätoromanisch. Dort liest sich das CEO-Zitat wie folgt: «Il success operativ demussa l’auta capacitad productiva d’ina BCG resilienta e robusta. L’augment positiv dal volumen dals emprests a clientella privata e clientella da fatschenta exprima la gronda confidanza da quella en la BCG ed accentuescha nossa ferma enragischaziun regiunala.»

Dick gepolstert

Die Kapitaldecke bleibt komfortabel. Das Eigenkapital erreicht 3.0 Milliarden Franken, die Kernkapitalquote (CET1) steigt um 0.2 Prozentpunkte auf 20.2 Prozent. Auf Basis des starken Semesters hebt die GKB den Ausblick an und erwartet für 2026 einen Gewinn über Vorjahr.

Beim Geschäftsvolumen von 78.9 Milliarden Franken tritt die Bank hingegen weitgehend an Ort. Während das Stammhaus 0.7 Milliarden Franken Nettoneugeld anzieht, fliessen bei institutionellen Kunden der Töchter 1.0 Milliarden Franken ab – grösstenteils durch die Marktentwicklung kompensiert.

Die Klage im Kleingedruckten

Bemerkenswert ist, was die GKB nicht in die Erfolgsmeldung schreibt, sondern in den Anhang des Halbjahresberichts. Ende April ging eine Zivilklage gegen die Tochter BZ Bank, gegen deren frühere und aktuelle Organe sowie gegen die GKB selbst ein. Sie betrifft eine Kundenbeziehung und ein von der BZ Bank verwaltetes Anlageprodukt; der Kläger wirft den Beklagten Pflichtverletzungen vor. Der Forderungsbetrag bewegt sich laut Bank im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Neu ist die Bestätigung, dass die GKB eine Rückstellung gebildet hat – allerdings nur für die erwarteten Prozess- und Verfahrenskosten, nicht für die Forderung selbst. Die Vorwürfe hält sie für unbegründet. Hinter der Klage steht, wie finews berichtete, der Bündner Investor Remo Stoffel; ein Schlichtungsversuch war Ende Juni gescheitert.

Neuer Risikochef für die Tochter

Zur eigentlichen Geschäftsentwicklung der BZ Bank schweigt sich die Mitteilung aus. Separate Zahlen zur Tochter nennt die GKB nicht. Dafür will sie deren Profil schärfen: Die vollständig übernommene Spezialistin soll sich stärker auf aktienbasierte Lösungen konzentrieren, während die GKB Aufgaben in Finanzen, Controlling und Risk Management übernimmt.

Zugleich kommt es zu einem Revirement an der Spitze der Tochter. Stefan Sigron tritt per Ende September aus dem Verwaltungsrat zurück, Michèle Hess aus dem GKB-Bankrat rückt nach. CEO Marc Schurter und Fondschef Peter Rebsamen bilden den neuen Kern der Geschäftsleitung. Und mit Thomas Kostkiewicz erhält die BZ Bank per 1. September einen neuen Chief Risk Officer. CFO Dieter Göldi verlässt das Institut wie geplant Ende August. Beide Gremienwechsel stehen unter dem Vorbehalt der Gewährsprüfung durch die Finma.