Viele Bewerber – aber nur wenige passen wirklich

Schweizer Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices verwalten enorme Vermögen. Gleichzeitig ist ihre Anlagewelt in den vergangenen Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Private Markets, komplexere Portfolios, Risikomanagement, neue Zinsregime und geopolitische Unsicherheit stellen Investmentteams vor andere Herausforderungen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

«Ein guter Lebenslauf macht noch keinen guten institutionellen Investor.»

Die Professionalisierung auf Investorenseite ist entsprechend weit fortgeschritten. Doch mit der wachsenden Komplexität steigt auch die Bedeutung einer Frage, die häufig unterschätzt wird: Welches sind die richtigen Talente, um diese Vermögen durch die kommenden Marktphasen zu steuern?

Viele Bewerber – wenige wirklich passende Profile

Auf den ersten Blick scheint die Ausgangslage für institutionelle Investoren komfortabel. Gerade im aktuellen Marktumfeld erhalten Pensionskassen, Versicherungen oder Family Offices teilweise eine grosse Zahl von Bewerbungen von Kandidaten aus Banken und Asset Managern.

Doch ein guter Lebenslauf macht noch keinen guten institutionellen Investor.

Die Anforderungen unterscheiden sich erheblich. Es geht nicht nur darum, einzelne Assetklassen zu verstehen. Gute Anlageverantwortliche müssen ein Gesamtportfolio beurteilen können, unterschiedliche Marktphasen erlebt haben und wissen, wie Risiken, Liquidität und langfristige Verpflichtungen zusammenspielen. Mit dem wachsenden Anteil von Private Equity, Private Credit, Infrastruktur und anderen alternativen Anlagen kommt zusätzliches Spezialwissen hinzu.

Und sie müssen Entscheidungen treffen können, wenn Märkte eben nicht nur in eine Richtung laufen.

Nach vielen Jahren vergleichsweise günstiger Kapitalmarktbedingungen hat sich das Umfeld verändert. Zinsen, Inflation, geopolitische Konflikte und höhere Volatilität stellen Investoren vor neue Herausforderungen. Erfahrung aus unterschiedlichen Marktzyklen gewinnt deshalb wieder an Wert.

Fachwissen allein reicht nicht

Mindestens ebenso entscheidend ist aus unserer Erfahrung die persönliche Seite.

Wie trifft jemand Entscheidungen unter Unsicherheit und Druck? Wie geht die Person mit Verantwortung um? Kann sie komplexe Sachverhalte gegenüber einem Stiftungsrat, einer Eigentümerfamilie oder einem Investment Committee verständlich vertreten? Kann sie ein Team führen – und gleichzeitig externe Asset Manager kritisch hinterfragen?

«Kandidaten aus Banken und Asset Managern kommen teilweise aus einem völlig anderen Umfeld – auch hinsichtlich Vergütung.»

Und vor allem: Passt die Haltung zur Organisation?

Kandidaten aus Banken und Asset Managern kommen teilweise aus einem völlig anderen Umfeld – auch hinsichtlich Vergütung, Geschwindigkeit und Unternehmenskultur. Der Wechsel zu einer Pensionskasse oder einem Family Office kann hochattraktiv sein. Er funktioniert aber nur dann langfristig, wenn nicht nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern auch Motivation, Erwartungen und Persönlichkeit zusammenpassen.

Dabei haben zum Beispiel gerade Pensionskassen einen strukturellen Nachteil: Mit den Vergütungspaketen grosser Banken oder internationaler Asset Manager können sie häufig nicht mithalten.

Dafür können sie mit anderen Argumenten punkten: Langfristige Verantwortung, breitere Aufgabenbereiche und nicht zuletzt eine gewisse gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeit hinsichtlich der beruflichen Vorsorge.

Das kann für erfahrene Investmentspezialisten attraktiv sein, die sich bewusst aus einem stark bonusgetriebenen Umfeld verabschieden wollen und eine Sinnhaftigkeit in Ihrem Beruf suchen.

«Die richtige Besetzung kann weit über eine einzelne Personalentscheidung hinausgehen.»

Deshalb ist die Auswahl häufig anspruchsvoller, als es die Zahl der eingehenden Lebensläufe vermuten lässt. Gerade mit Hinblick auf die obengenannten Kriterien lassen sich diese nur schwer objektiv beurteilen und hinterfragen.

Selektion wird zum Investmentthema

Wir haben über viele Jahre Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und andere institutionelle Investoren beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung ihrer Investmentteams begleitet.

Dabei zeigt sich immer wieder: Die richtige Besetzung kann weit über eine einzelne Personalentscheidung hinausgehen. Sie beeinflusst Investmentprozesse, Governance, Managerselektion, Teamkultur und letztlich die Fähigkeit einer Organisation, ihre Anlagestrategie konsequent umzusetzen.

Ein externer Blick kann deshalb gerade dann hilfreich sein, wenn viele vermeintlich geeignete Kandidaten zur Verfügung stehen. Nicht nur die Frage «Kann diese Person die Aufgabe erfüllen?», sondern auch «Ist sie für genau diese Organisation und ihre nächsten zehn Jahre die richtige?» sollte im Mittelpunkt stehen.

Muss jede Kompetenz intern vorhanden sein?

Parallel dazu stellt sich für institutionelle Investoren eine zweite strategische Frage: Welche Fähigkeiten müssen tatsächlich im eigenen Haus aufgebaut werden?

Gerade kleinere und mittelgrosse Family Offices können kaum für jede Assetklasse und jede Spezialdisziplin eigene Experten beschäftigen. Private Markets, Managerselektion, Währungsabsicherung, Risikomanagement oder Portfolioanalyse verlangen zunehmend spezialisiertes Know-how.

Hier dürfte das Thema OCIO (Outsourced CIO) auch in Kontinentaleuropa an Bedeutung gewinnen. Statt sämtliche Kompetenzen intern aufzubauen, können Investoren ausgewählte Investmentfunktionen oder Teile der Portfolioverantwortung mit spezialisierten externen Partnern abdecken.

«Gefragt sind Anlagepezialisten, aber ebenso Personen mit einer klaren Meinung.»

Das ist kein Ersatz für ein starkes internes Investmentteam und soll auch nicht als Konkurrenz gesehen werden. Im Gegenteil: Entscheidend wird sein, welche Kompetenzen intern vorhanden sein müssen und welche als Ergänzung zum Erfolg beitragen können.

Die nächste Generation von Anlageverantwortlichen

Damit verändert sich auch das Profil erfolgreicher Investmentteams. Gefragt sind Anlagepezialisten, aber ebenso Personen mit einer klaren Meinung, die das Gesamtbild verstehen. Kapitalmarkterfahrung, Private-Markets-Kompetenz und ein Verständnis für Risiko und Governance sind zentrale Faktoren. Führungserfahrung und Kommunikationsfähigkeit werden wichtig sein. Auch Sustainability- und KI-Kompetenz gehören inzwischen zum Instrumentarium, sind aber nur Teile eines deutlich breiteren Anforderungsprofils.

Vor allem braucht es Persönlichkeiten, die unterschiedliche Marktphasen erlebt haben, in schwierigen Situationen Urteilsvermögen beweisen und den Unterschied ausmachen können.

Denn die kommenden Jahre dürften institutionelle Investoren vor andere Herausforderungen stellen als die vergangenen. Die entscheidende Frage wird deshalb nicht sein, ob genügend Lebensläufe auf dem Tisch liegen.

Entscheidend ist, ob die richtigen Personen am Tisch sitzen.


Simon Steiner ist Partner beim Zürcher Headhunter BiermannNeff.


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