Vom «Golddukatenesel» zur KI: UBS zeigt 80 Jahre Banking-Technologie

Ein goldener Schlüssel wird nach rechts gedreht. Auf dem Bildschirm erscheint das Jahr 1967. Schwarz-Weiss-Aufnahmen zeigen die Zürcher Bahnhofstrasse, eine junge Bankangestellte und ein Gerät, das aus heutiger Sicht kaum unspektakulärer sein könnte: einen Geldautomaten.

Doch wer an diesem Novembertag 1967 vor dem damaligen Hauptsitz der Schweizerischen Bankgesellschaft stand, hatte so etwas mit grosser Wahrscheinlichkeit noch nie gesehen. UBS-Unternehmenshistoriker Christian Leitz führt durch die zweite Ausgabe der Ausstellung «Schlüsselmomente» und lädt dazu ein, sich in eine Zeit zurückzuversetzen, in der heute alltägliche Technologien noch völlig fremd waren.

Das gelingt erstaunlich gut.

Als die Wand plötzlich Geld ausspuckte

Besonders beim Geldautomaten: Der erste der Schweiz wurde 1967 genau hier installiert – im selben Jahr wie das weltweit erste Gerät in Grossbritannien. Laut Leitz dürfte der Zürcher Automat damit zu den ersten zwei oder drei weltweit gehört haben.  Zum «Bancomaten», wie der Geldautomat in der Schweiz bis heute genannt wird, wurde er allerdings erst ein Jahr später: 1968 lancierten die Banken ein gemeinsames System unter diesem Namen.

Die damaligen Reaktionen wirken heute fast komisch. Eine Zeitung habe die Maschine sinngemäss als «Golddukatenesel» bezeichnet: Karte rein – und die Wand spuckt Geld aus. Anderswo sei darauf hingewiesen worden, dass der rund 70'000 Franken teure Automat für einen normalen Haushalt noch zu kostspielig sei.

Geldschublade des ersten Geldautomaten der Schweizerischen Bankgesellschaft an der Bahnhofstrasse 45 in Zürich, 1967. (Bild: UBS)

Dahinter stand die ernst gemeinte Vorstellung, eines Tages könnte jeder einen solchen Automaten zu Hause haben.

Die Bank fürs Schlafzimmer

Ganz falsch war die Idee nicht. Nur kam die Bank nicht als Geldautomat ins Schlafzimmer, sondern später als Computer ins Wohnzimmer und schliesslich als Smartphone in die Hosentasche.

Selbst die Bedienung des Automaten musste zunächst Schritt für Schritt erklärt werden. Revolutionär war aber vor allem etwas anderes: Erstmals konnten Kunden Bargeld unabhängig von den Schalterzeiten beziehen. Wer zuvor am Sonntag ohne Geld dastand, musste bis Montag warten. Passend dazu lautete der damalige Werbeslogan für den Geldautomaten: «Kein Geld und alle Banken zu.»

Drei Tonnen schwere Rechner

Die Ausstellung setzt aber noch früher an. 1947 hielten bei einer UBS-Vorgängerbank Lochkarten Einzug, in den 1950er-Jahren folgten Grossrechner. Manche Mainframes wogen bis zu 3,5 Tonnen und füllten ganze Räume. Die «Bull Gamma 60» etwa schaffte nach Angaben des Historikers bis zu 60'000 Buchungen pro Minute.

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Mitarbeiterin der Schweizerischen Kreditanstalt an Lochkartensortiermaschine um 1958. (Bild: UBS)

1984 folgte der erste Personal Computer auf dem Schreibtisch eines Mitarbeitenden. Gerade einmal vier Jahrzehnte ist das her.

Wenn das Modem wieder kreischt

Im Zentrum der Ausstellung stehen neun kurze Videos, die jeweils einen technologischen Wendepunkt aufgreifen. Ergänzt werden sie durch historische Geräte, Fotografien und interaktive Elemente. Besonders charmant ist eine Station mit Geräuschen aus vergangenen Technikwelten.

Neben dem Kreischen eines Modems steht dort das altbekannte Wählscheibentelefon. Zwei junge Besucherinnen hätten zunächst nicht gewusst, wie es zu bedienen sei, erzählt Leitz.

Die Bank in jeder Hosentasche

Ab den 1990er-Jahren verlagerte sich der technologische Fortschritt zunehmend zum Kunden. 1995 hiess es: «Die Filiale kommt nach Hause.» Bankgeschäfte liessen sich über den heimischen Computer erledigen. In den 2010er-Jahren passte die Bank schliesslich, wie es die Ausstellung formuliert, «in jede Hosentasche».

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Schweizerische Bankgesellschaft in Genf mit dem ersten Grossrechner UNIVAC 120, 1957. (Bild: UBS)

Heute führt diese Entwicklung zur künstlichen Intelligenz – ausgerechnet zu jener Technologie, die sich am schwierigsten ausstellen lässt. «Es gibt kein KI-Gerät», sagt Leitz. Anders als Lochkarte, Bancomat oder PC ist sie nicht greifbar, sondern steckt in den Anwendungen selbst.

Bei KI zählt vor allem das Tempo

Für Leitz setzt sie dennoch den roten Faden der vergangenen 80 Jahre fort: Prozesse werden schneller, die Bank rückt näher an ihre Kundschaft. Neu ist vor allem das Tempo.

Bei der UBS seien bereits mehr als 560 KI-Anwendungen in Produktion, weitere rund 900 in Entwicklung. Zunehmend fliesse die Technologie auch in die Beratung ein.

Was bleibt vom Banker?

Damit stellt sich eine weitere Frage: Was bedeutet der Wandel für die Menschen in der Bank?

Schon frühere Technologiesprünge brachten neue Berufsbilder hervor. Mit KI verschwimmen nun zusätzlich die Grenzen zur klassischen IT: Auch Mitarbeitende anderer Bereiche experimentierten bereits mit KI-Agenten und entwickelten selbst Anwendungen, beobachtet Leitz.

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Bildanimation zur künstlichen Intelligenz. (Bild: UBS)

An ein Banking ohne Banker glaubt der Historiker dennoch nicht. Gerade im Wealth Management werde die Kundschaft moderne Technologie, gleichzeitig aber weiterhin persönliche Beratung erwarten.

Die Revolution von heute ist das Museum von morgen

Was heute selbstverständlich ist, war einmal revolutionär. Vielleicht werden uns die Anfänge der künstlichen Intelligenz eines Tages ebenso fern erscheinen wie heute die Lochkartenmaschine hinter Glas.

Die Ausstellung «Schlüsselmomente» ist seit dem 26. August bis voraussichtlich Ende dieses Jahres am UBS-Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 45 in Zürich öffentlich zugänglich.