Schweizer Banken wollen an Rekordjahr anknüpfen

Bisher erschienen sie getrennt, nun treten sie gemeinsam auf: Am Montag hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) im Atrium der Zürcher Kantonalbank ihr erstes «Swiss Banking Outlook Branchenforum» durchgeführt. Vor gegen hundert Branchenvertretern und Journalisten wurden das Bankenbarometer und der Swiss Banking Outlook erstmals zusammen präsentiert. Der Anlass soll künftig jährlich stattfinden.

Das Bankenbarometer liefert dabei den datenbasierten Rückblick auf das vergangene Bankenjahr. Der Outlook ergänzt ihn um eine Konsensprognose von Chefökonominnen und Chief Investment Officers jener Mitgliedinstitute, die eine eigene Research-Abteilung unterhalten – von Konjunktur und Finanzmärkten bis zum Bankgeschäft.

Autor beider Studien ist Martin Hess, Chefökonom und Leiter Wirtschaftspolitik der SBVg.

Besser als 2006

Der Rückblick fällt aussergewöhnlich aus. Der aggregierte Geschäftserfolg der Banken in der Schweiz stieg 2025 um 5,8 Prozent auf 73,8 Milliarden Franken. Das ist der höchste je gemessene Wert – er übertrifft sogar das Jahr 2006, wie Hess anmerkte: die Zeit der «Irrational Exuberance». Getragen wurde der Anstieg vom Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (plus 6,5 Prozent) und vom übrigen ordentlichen Erfolg (plus 26,6 Prozent), während der Zinserfolg trotz höherem Kreditvolumen um 0,8 Prozent nachgab.

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Der aggregierte Geschäftserfolg nach Geschäftsbereichen, in Milliarden Franken (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Quelle: SNB)

Getrieben wurde der Rekord von der «Gruppe» der Grossbanken, die heute nur noch die UBS umfasst. Sie steigerte ihren Geschäftserfolg um 3,3 Milliarden oder 11,5 Prozent und erhöhte ihren Anteil am Total um 2,2 Prozentpunkte auf 43,3 Prozent – erstmals seit 2020 wieder ein Anteilsgewinn. Anders als alle anderen Bankengruppen (die Klassierung übernimmt die Bankiervereinigung von der SNB) legte sie auch im Zinsgeschäft zu.

Zehn Billionen Franken, aber leicht rückläufiges Personal

Ebenfalls ein Rekord sind die verwalteten Vermögen: plus 4,8 Prozent auf 9'729 Milliarden Franken. Im ersten Halbjahr 2026 überschritten sie mit 10'119,5 Milliarden erstmals die Marke von 10'000 Milliarden Franken. Erstmals seit Langem wuchsen die ausländischen Kundenvermögen dabei stärker als die inländischen.

Anders sieht es beim Personal aus. Ende 2025 boten die Banken im Inland 92'002 Vollzeitstellen, das waren 2'345 oder 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Abbau geht vollständig auf die Grossbank UBS zurück; alle anderen Bankengruppen bauten Stellen auf. Der Personalaufwand stieg dennoch um 192 Millionen Franken, was die SBVg mit Abgangsentschädigungen aus Restrukturierungen und höheren variablen Vergütungen erklärt.

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Personalbestand bei den Banken in der Schweiz, in Tausend Vollzeitäquivalenten (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Quelle: SNB)

Im ersten Halbjahr 2026 sank der Peronalbestand im Inland um weitere 1,4 Prozent, im Ausland um 3,7 Prozent; die Arbeitslosigkeit im Bankensektor lag bei 3,5 Prozent.

Für das zweite Halbjahr fallen die Erwartungen hingegen verhalten positiv aus: 59,4 Prozent der befragten Institute rechnen mit einem stabilen Personalbestand, 33,3 Prozent mit einem Zuwachs, nur 7,2 Prozent mit einem Abbau.

Der Nullzins bleibt, mindestens bis Ende Jahr

Der Blick nach vorn widmete sich der Makrolage. Für 2026 erwarten die Befragten ein reales Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent, für 2027 von 1,4 Prozent, bei einer Inflation von je 0,6 Prozent und einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent. Beim Leitzins der Nationalbank herrscht Einstimmigkeit: 100 Prozent der Antwortenden sehen ihn Ende dieses Jahres bei null.

Erst für 2027 bricht der Konsens auf. Rund 60 Prozent gehen weiter von Nullzinsen aus, 40 Prozent erwarten eine Erhöhung. «Das ist eigentlich die wesentliche Veränderung, die hier noch gar nicht so klar zum Ausdruck kommt», sagte Hess.

Positiver Ausblick für 2026

Entsprechend stabil ist der Ausblick fürs Bankgeschäft. 53 Prozent der Befragten erwarten für 2026 einen höheren aggregierten Geschäftserfolg, 33 Prozent einen unveränderten – mit einem Rückgang rechnet niemand. Haupttreiber bleibt das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, wo 73 Prozent ein Plus erwarten. Beim Zinsgeschäft dagegen rechnen 29 Prozent mit einem tieferen Erfolg.

Erwartete Entwicklung Geschäftserfolg 2026

Erwartete Entwicklung des Geschäftserfolgs 2026 (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Swiss Banking Outlook 2026)

Als grösste Chance nennen die Befragten das digitale Kundenerlebnis: 93 Prozent halten diesen Punkt für wichtig oder sehr wichtig. Hess illustrierte das mit einer Zahl aus einer Seco-Studie: Nur 13 Prozent der KMU haben tatsächlich einen Firmenkredit bei einer Bank – nicht zuletzt, weil der Zugang mühsam sei, viel Papierkram verlange und viele annähmen, sie bekämen den Kredit ohnehin nicht.

Das Risiko heisst Regulierungsdichte

Auf der Risikoseite dominiert ein Thema, und zwar seit Jahren: 53 Prozent stufen die zunehmende Regulierungsdichte und -komplexität als sehr wichtig ein, weitere 40 Prozent als wichtig. Dahinter folgen die Bankdiscounter, welche die Marge drücken, und die politischen Diskussionen über die künftigen Rahmenbedingungen. 60 Prozent sehen die Gefahr, dass regulatorische Unsicherheit die Kundschaft verunsichert.

Einschätzungen zu ausgewählten Risiken für den Bankenplatz Schweiz
Die Risiken aus Sicht der befragten Expertinnen und Experten (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Swiss Banking Outlook 2026)

Bei den Standortfaktoren stehen Rechtssicherheit und politische Stabilität mit Abstand zuoberst, gefolgt von Finanzregulierung und Marktzugang. 86 Prozent halten den erfolgreichen Umgang mit künstlicher Intelligenz für entscheidend, 27 Prozent erwarten eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Einflussfaktoren auf die Wettbewerbsfähigkeit des Bankenplatzes Schweiz
Die wichtigsten Einflussfaktoren, geordnet nach Anzahl Nennungen (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Swiss Banking Outlook 2026)

Anlegen ist das neue Sparen

Auf dem Podium diskutierten anschliessend Anja Hochberg, CIO der Zürcher Kantonalbank, Renato Flückiger, CIO der Valiant Bank, und Anastassios Frangulidis, Head of Swiss Multi Asset bei Pictet Asset Management in Zürich, moderiert von Tanya König. Auf die Frage, was sich im CIO-Umfeld in zehn Jahren verändert habe, antwortete Flückiger: «Anlegen ist das neue Sparen» – angesichts negativer Realzinsen, steigender Lebenserwartung und sinkender Umwandlungssätze.

Hochberg nannte die gestiegene Komplexität, in der Marktanalyse wie in den Kundenbedürfnissen. Und sie warnte davor, vom guten Konjunkturbild direkt auf die Banken zu schliessen: Auch ein rein inländisches Geschäftsmodell hänge am internationalen Anlageumfeld. Die ZKB gehe davon aus, dass der positive Aktienzyklus anhalte, gestützt durch tatsächliche Unternehmensgewinne. Der Elefant im Raum sei ein neuer Inflationsschock – aber nur als Nebenszenario.

Wann kommt eine erste Zinserhöhung?

Bei den Zinsen zeigten sich die drei Häuser als drei Nuancen. Die ZKB sieht im Hauptszenario weder dieses noch nächstes Jahr eine Anpassung. Flückiger und Frangulidis erwarten Mitte 2027 einen ersten Schritt auf 0,25 Prozent. Frangulidis verwies auf die robuste Konjunktur, besonders im Exportsektor, und darauf, dass der Franken «bei Weitem nicht mehr überbewertet» sei.

Wie viel des Wachstums der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung auf Vertrauen in die Schweiz und wie viel auf die Weltlage zurückgehe, wurde Frangulidis gefragt, dessen Haus Kundschaft in achtzig Ländern betreut. Seine Antwort: Beides allein auf die Geopolitik zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen. Es brauche Arbeitskräfte, Lebensqualität, Technologie und Prozesse. «Die Finanzindustrie ist im globalen Vergleich stark.»

Was die KI nicht kann

Beim Thema künstliche Intelligenz wurde Hochberg deutlich: Gute Anlageentscheide überlasse man ihr nicht. Der Nutzen liege eher im Sammeln von Daten, nicht so sehr im Entscheiden. Während des Iran-Konflikts habe das Anlagekomitee um 7.30 Uhr tagen können – früher hätte jemand um 4.30 Uhr im Büro sitzen müssen, um die Informationen zusammenzutragen. «Was die KI nach wie vor nicht kann, ist out of the box zu denken», sagte sie. Genau das brauche es für die Nebenszenarien oder einen Worst Case.

Flückiger relativierte den vielzitierten Margendruck: Der sei kein externer Schock, sondern komme laufend. Den Mehrwert sieht er in der Begleitung des Kunden durch komplexe Lebenssituationen – dort sei die Zahlungsbereitschaft nach wie vor da. «Je austauschbarer die Angebote sind, desto mehr Margendruck gibt es.»

Ein Parlament, das Flagge zeigen muss

Wer den Standort stärkt, beantworten die Befragten des  eindeutig: das Parlament und die Branche selbst. Der Finma, dem Bundesrat und der Nationalbank wird deutlich weniger unmittelbarer Einfluss zugeschrieben.

Wichtigste Akteure zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Wichtigste Akteure zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, nach Anzahl Nennungen (Grafik: Schweizerische Bankiervereinigung, Swiss Banking Outlook 2026)

Für Hess ist damit die eigene Arbeitsagenda umrissen: Für einen Parlamentarier sei es leichter, sich über den Abschuss der Wölfe eine Meinung zu bilden als über ein Liquiditätsinstrument. Aufgabe des Verbands sei es, diese Instrumente einfach zu erklären und die Folgen eines Entscheids klarzumachen. «Das Parlament wird dann zeigen müssen, wie wichtig ihm die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes ist.»

Der neue Präsident meldet sich vorab

Wie prominent das Thema Regulierung derzeit ist, zeigte sich bereits am Wochenende. Giorgio Pradelli, CEO von EFG International und ab kommendem Monat Präsident der Bankiervereinigung, warnte in der «Financial Times» vor einer regulatorischen Überdehnung. Man könne nicht als gegeben hinnehmen, dass die Schweiz immer prominent bleibe, wenn man nicht die richtige Politik verfolge, «einschliesslich des regulatorischen Rahmens».

In anderen Finanzzentren beobachte er eher einen Trend zur Vereinfachung, in den USA gar zur Deregulierung; es brauche gleich lange Spiesse. Auf die Frage, ob die Schweiz die Balance gefunden habe, antwortete Pradelli: Bei Stabilität und Verhältnismässigkeit sei man auf gutem Weg, bei der Wettbewerbsfähigkeit könne man besser werden. Das Branchenforum stand denn auch unter dem Titel «Wettbewerbsfähigkeit Finanzplatz Schweiz».

Das Thema bekommt sicher neue Nahrung, wenn die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben heute Abend ihre Position zu den höheren Eigenkapitalanforderungen an die UBS beschliesst.