Onboarding statt Monate nur noch Tage: Incore Bank testet KI-Agenten für KYC

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in einen der aufwendigsten Bereiche des Bankgeschäfts: die Compliance. Die Schweizer Incore Bank hat gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Kyndryl und Google Cloud einen Proof of Concept (PoC) abgeschlossen, bei dem agentenbasierte KI für die Risikobewertung beim Kunden-Onboarding eingesetzt wurde. 

Dabei kamen Googles Gemini-Modelle sowie das Agentic AI Framework von Kyndryl zum Einsatz. Ziel ist es, Know-Your-Customer-Prozesse (KYC) stärker zu automatisieren, ohne dabei auf die für Banken notwendige menschliche Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen zu verzichten.

Bis zu 99 Prozent Genauigkeit

Bei der automatisierten Extraktion von Daten aus Onboarding-Unterlagen erreichte die Lösung laut Mitteilung eine Genauigkeit von bis zu 99 Prozent.

Nach Einschätzung der beteiligten Unternehmen könnte sich damit die Dauer des Kunden-Onboardings von mehreren Monaten auf wenige Tage reduzieren, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst. Compliance-Spezialisten könnten sich dadurch stärker auf komplexe Fälle konzentrieren, bei denen menschliches Urteilsvermögen erforderlich ist. 

Gerade das Onboarding gilt bei Banken als personal- und zeitintensiver Prozess. Informationen müssen aus unterschiedlichen Dokumenten, internen Systemen und Datenquellen zusammengetragen und überprüft werden. Gleichzeitig müssen Institute ihre Entscheidungen dokumentieren und über den gesamten Kundenlebenszyklus hinweg nachvollziehbar halten. 

Mehrere KI-Agenten arbeiten zusammen

Technisch setzt der Ansatz auf mehrere miteinander arbeitende KI-Agenten. Diese können strukturierte und unstrukturierte Daten sowie Informationen aus internen Systemen und externen Quellen verarbeiten.

Die Agenten sollen unter anderem Kundeninformationen extrahieren und validieren, Nachweise zusammentragen, Risikofaktoren erkennen sowie Risikoeinstufungen vornehmen. Gleichzeitig wird eine prüfbare Entscheidungsdokumentation für die Compliance-Verantwortlichen erstellt.

Kyndryl ergänzt die Gemini-Modelle dabei um eine sogenannte Policy-as-Code-Funktion und Guardrail-Agenten. Damit sollen regulatorische Vorgaben und Kontrollmechanismen in die automatisierten Abläufe eingebettet werden. Der Ansatz ist nicht nur für das erstmalige Onboarding vorgesehen, sondern auch für laufende Überprüfungen und die Überwachung relevanter Veränderungen bei bestehenden Kunden. 

«Innovation muss mit Vertrauen einhergehen»

Für Incore-Bank-CEO Mark Dambacher ist gerade die Governance ein entscheidender Faktor beim Einsatz von KI im regulierten Bankgeschäft.

«Bei Incore Bank sind wir überzeugt, dass Innovation mit Vertrauen, Transparenz und einer starken regulatorischen Governance einhergehen muss», sagt Dambacher. Der Test zeige, wie cloudgestützte agentenbasierte KI Banken bei der Beurteilung potenzieller und bestehender Kunden unterstützen könne, ohne die notwendige Aufsicht und Kontrolle aufzugeben.

Die Technologie habe das Potenzial, durch weniger manuelle Arbeit und konsistentere Entscheidungen das Management von Kundenrisiken über den gesamten Kundenlebenszyklus hinweg zu verbessern. 

Einsatz in regulierten Branchen

Auch Kyndryl sieht im Bankensektor erhebliches Potenzial für agentenbasierte KI. Diese stelle die nächste Entwicklungsstufe von Enterprise AI dar, sagt Jacqueline Wild, Managing Director und Vice President von Kyndryl Alps.

Gerade in stark regulierten Branchen seien jedoch Governance, Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit, sicherer Datenzugriff und menschliche Aufsicht entscheidend. Der gemeinsam mit Incore Bank und Google Cloud entwickelte Ansatz soll zeigen, wie sich geschäftskritische Prozesse automatisieren lassen, ohne die regulatorischen Kontrollmechanismen auszuhebeln. 

Die 2007 gegründete Incore Bank mit Sitz in Schlieren ist eine Finma-regulierte B2B-Transaktionsbank für traditionelle und digitale Vermögenswerte. Sie bietet ihre Dienstleistungen Banken, Finanzintermediären und Unternehmen in der Schweiz und im Ausland an.