WEF: Davos als Bühne der Eskalation

In seiner erste Rede als kanadischer Premierminister sprach Mark Carney natürlich auch in Richtung Donald Trump. Mittelgrosse Mächte müssen schauen, dass sie sich zwischen Grossmächten nicht abhängen lassen. «Wenn man nicht gemeinsam am Tisch sitzt, landet man auf der Speisekarte.» Aus diesem Grund müsse man der Realität ins Auge blicken und aufhören, so zu tun, als ob die regelbasierte Weltordnung noch bestehe. «Nostalgie ist keine Strategie.»

Der neue WEF-Chef Börge Brende eröffnet das diesjährige Forum unter dem Motto «A Spirit of Dialogue». Er sagte unter anderem: «Wir leben in schwierigen Zeiten, so schwierig wie zuletzt 1945.» Die 3000 Teilnehmer aus 130 Ländern würden sich zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die Welt in Davos treffen. 

Neben dem operativen Chef des WEF Börge Brende waren zum ersten Mal André Hoffmann und Larry Fink ein Teil der Eröffnung. Die Doppelspitze führt das Forum als Co-Präsidenten interimistisch.

Besonders der Auftritt des Blackrock-Chefs als neuem starkem Mann beim Event wurde mit Spannung erwartet. Der 73-jährige Banken sagte unter anderem, es sei viel Reichtum entstanden, dieser komme aber nur einem kleinen Teil der Menschheit zugute. KI drohe dies zu verschärfen. Es brauche einen glaubwürdigen Plan, damit sich mehr Menschen am Wohlstand beteiligen könnten. «Davos ist ein Dialog der Eliten, um eine Welt für jeden zu gestalten.»

Larry Fink. (Bild: World Economic Forum)

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nutzte das Podium «Banking Accelerated» für eine eindeutige Botschaft: Ein Zusammenschluss mit UniCredit ergebe angesichts der aktuellen Bewertung der Commerzbank keinen Sinn. «M&A im Bankensektor muss Wert schaffen.» Genau daran zweifelt die Bankchefin im Fall UniCredit.

Später trafen sich unter anderem UBS-CEO Sergio Ermotti mit Ardian-Präsident Mark Benedetti und Gita Gopinath, Professorin an der Harvard University und frühere IMF-Chefökonomin, unter dem Titel «Are Market Mispricing the Future?». Dabei sagte Gopinath unter anderem, dass der Einfluss der Luftverschmutzung in Indien einen weit grösseren Einfluss habe, alle bisherigen Zölle, die das Land auferlegt bekommen habe. Dies unterstreiche die erheblichen wirtschaftlichen Kosten der Umweltzerstörung im Land.

Can India Become the Third Largest Economy in the World? session with Ashwini Vaishnaw, Minister of Electronics and Information Technology, Minister of Railways, and Minister of Information and Broadcasting of India; Gita Gopinath, Gregory and Ania Coffey Professor of Economics, Harvard University, USA; Juvencio Maeztu Herrera, CEO and President, IKEA Group, Sweden; Kalli Purie Bhandal, Vice-Chairperson and Executive Editor-in-Chief, India Today Group, India; Sunil Bharti Mittal, Chairman, Bharti Enterprises, India; at the World Economic Forum Annual Meeting 2026 in Davos-Klosters, Switzerland, on 21/1/2026 from 10:15 to 11:00 in the Congress Centre – Aspen 1 (Zone B), Stakeholder Dialogue. (india economy). ©2026 World Economic Forum / ALAVEE

Gita Gopinath. (Bild: World Economic Forum)

Am frühen Dienstagabend trat auch noch SNB-Chef Martin Schlegel auf Podium, um mit anderen Notenbank-Chefs über mögliche Massnahmen zu diskutieren. Die Nationalbank überlässt aus Sicht des US-Finanzministeriums ihre Währung nicht dem freien Markt. Erst im Herbst unterschrieben das Eidgenössische Finanzdepartement, die SNB und das US-Finanzministerium eine gemeinsame Erklärung. Demnach werden beide Länder Wechselkurse nicht dazu benutzen, Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Schlegel betonte in Davos, dass es sich dabei nicht um ein Abkommen handle, sondern um eine gemeinsame Erklärung - und dass der Inhalt der Erklärung lediglich das bestätige, «Was wir schon seit Jahren machen. Wenn wir an den Märkten intervenieren, hat dies mit Geldpolitik zu tun, und nicht darum, der Schweizer Wirtschaft einen Vorteil zu verschaffen.» 

Bundespräsident Guy Parmelin hat sich gleich nach seiner Rede mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über Stahlschutzmassnahmen unterhalten. Er hat gefordert, dass die Schweiz gleich behandelt werde wie die Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Die EU plant, ihre Stahlindustrie aufgrund der weltweiten Überkapazitäten zu schützen.