Der Blick nach oben lohnt sich für Anleger
Von Audun Wickstrand Iversen, Portfoliomanager DNB Fund Disruptive Opportunities
Wenn ich in diesem Sommer nach oben blicke, sehe ich nicht nur blauen Himmel, sondern eine der spannendsten Infrastrukturgeschichten der kommenden Jahre. Der Orbit wird für Anleger relevanter. Satelliten, Datenverbindungen und weltraumgestützte Netzwerke könnten Teil jener Infrastruktur werden, ohne die künstliche Intelligenz in der physischen Welt nicht skalieren kann.
SpaceX steht dabei naturgemäss im Mittelpunkt. Mit dem Börsengang ist aus einer lange privaten Technologiegeschichte ein öffentlich handelbares Investment geworden. Starlink hat gezeigt, dass Satelliteninternet mehr sein kann als eine Lösung für entlegene Regionen. Doch gerade jetzt lohnt es sich, zwischen technologischer Faszination und Bewertung zu unterscheiden. SpaceX ist zweifellos eines der bedeutendsten Technologieunternehmen unserer Zeit. Für uns ist es bei der aktuellen Bewertung aber nicht automatisch der attraktivste Weg, um in die Weltraumökonomie zu investieren.
Die Schweiz denkt Technologie vom Nutzen her
Vielleicht passt diese Perspektive gerade deshalb gut zur Schweiz. Hier wird Innovation selten nur als grosse Erzählung verstanden. Entscheidend ist, ob aus einer Technologie ein verlässliches System wird: präzise, belastbar, effizient und wirtschaftlich skalierbar.
Das ist auch bei disruptiven Technologien der Kern. Nicht jede Vision wird zu einem Markt, nicht jede Plattform wird profitabel und nicht jede grosse Geschichte ist automatisch eine gute Anlageidee. Schweizer Investoren stellen oft genau die richtigen Fragen: Wo entsteht realer Nutzen? Wo liegt ein struktureller Engpass? Und zu welcher Bewertung wird aus einer guten Technologie auch ein gutes Investment?
Die zweite KI-Phase wird physisch
Künstliche Intelligenz hat an der Börse ihre erste Phase bereits hinter sich. Die offensichtlichen Gewinner sind bekannt, viele Bewertungen spiegeln das wider. Spannender wird nun die Frage, wer die Infrastruktur liefert, ohne die KI nicht breiter eingesetzt werden kann.
Wir haben 2019 vom kommenden Jahrzehnt der Disruption gesprochen. Heute ist daraus ein realer Investitionszyklus geworden. KI bleibt nicht abstrakt und digital. Sie braucht Speicherchips, optische Netzwerke, Kühlung, Energie, Sensorik, Batterien, Robotik, Drohnen, autonome Systeme und Satellitenverbindungen. Die nächste Phase zeigt sich in Fabriken, unter Wasser, auf der Strasse und im Orbit.
Deshalb schauen wir nicht nur auf die grossen KI-Namen. Nvidia war der naheliegende Gewinner der ersten Phase. Doch inzwischen verschieben sich die Engpässe. Speicher wird wichtiger, weil KI-Modelle enorme Datenmengen verarbeiten müssen. Unternehmen wie Micron oder SanDisk profitieren davon, dass Memory zu einem kritischen Bestandteil der Infrastruktur wird. Auch optische Netzwerke, Kühlung und effizientere Serverarchitekturen gewinnen an Bedeutung. Beispiele sind Lumentum, Vertiv oder Napatech.
Auch Drohnen und autonome Systeme stehen noch früh in ihrer Adoptionskurve. Unterwasserdrohnen können beim Schutz kritischer Infrastruktur, bei Energieanlagen, Glasfaserkabeln oder der Rohstoffsuche eingesetzt werden. Kraken Robotics ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das genau in diesem Bereich aktiv ist.
Alternativen zu SpaceX
Ähnlich sehen wir autonomes Fahren. Tesla betrachten wir langfristig weniger als klassischen Autohersteller, sondern eher als Robotikunternehmen. Kurzfristig sind wir vorsichtiger geworden, weil wir mehr Fortschritte beim Rollout von Robotaxis, Full Self-Driving und Optimus sehen möchten. Die grundsätzliche These bleibt aber: Das Auto der Zukunft ist ein softwaredefinierter Roboter auf vier Rädern.
Der Orbit passt in dieses Bild. Satelliten können zu einer neuen Schicht der digitalen Infrastruktur werden. SpaceX ist der prominenteste Name, aber für Anleger nicht zwingend der attraktivste. Nach dem Börsengang ist die Aktie zwar leichter zugänglich, doch genau deshalb wird die Bewertung noch wichtiger. Für uns ist SpaceX bei der aktuellen Bewertung eher eine Frage von Marktgrösse, Liquidität und Indexnachfrage als ein klassisches Bewertungsinvestment. Interessanter finden wir derzeit andere börsennotierte Raumfahrtunternehmen wie AST SpaceMobile, Rocket Lab oder Redwire.
Für Schweizer Anleger liegt die Chance deshalb nicht darin, jedem Hype hinterherzulaufen. Die spannendsten Möglichkeiten entstehen oft dort, wo ein realer Engpass gelöst wird: Speicher, Netzwerk, Kühlung, Sensoren, Drohnen, Robotik, autonome Mobilität oder Satellitenkommunikation. Technologie bleibt die stärkste Veränderungskraft unserer Zeit. Entscheidend ist nicht, welche App gerade populär ist, sondern welche Maschinen, Netzwerke und Infrastrukturen die zweite Phase der KI ermöglichen.














