Weshalb sich Schweizer Finanzberater erstaunlich zuversichtlich geben

Die Schweizer Finanzberater bleiben trotz geopolitischer Spannungen, Zinsunsicherheiten und wirtschaftlicher Risiken optimistisch. Laut einer aktuellen Studie von Natixis Investment Managers erwarten sie für die kommenden zwölf Monate ein Wachstum der verwalteten Vermögen um 8,6 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren rechnen sie mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg um 9,5 Prozent.

Damit sind sie jedoch vorsichtiger als der globale Durchschnitt. Hier haben die Ergebisse der Umfrage eine Wachstumserwartung von 11,9 Prozent auf Jahressicht und von 12,8 Prozent pro Jahr über drei Jahre ergeben.

Neben diesem Optimismus geht die Branche von tiefgreifenden Veränderungen im Beratungsmarkt aus. Künstliche Intelligenz, digitale Wettbewerber und die steigende Bedeutung privater Anlagen prägen die strategische Ausrichtung zunehmend.

KI-Nutzung weit verbreitet

Bei der Nutzung von KI seien die Schweizer Finanzberater weit fortgeschritten, heisst es weiter. Rund 93 Prozent geben in der Umfrage an, dass sie bereits entsprechende Technologien in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Im globalen Durchschnitt liegt dieser Wert demnach nur bei 71 Prozent. Fast vier von fünf Beratern sehen in der Nutzung von KI einen Möglichkeit, um mehr Zeit für die Kundenbetreuung zu haben.

Gleichzeitig bleibe die Integration der neuen Technologien anspruchsvoll. Knapp zwei Drittel der Schweizer Berater geben an, von ihren Unternehmen unter Druck gesetzt zu werden, KI-Lösungen einzuführen. Rund drei Viertel berichten zudem, dass sich die Einbindung der Systeme in bestehende Arbeitsabläufe schwieriger gestaltet habe als erwartet.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Ausbau privater Anlagen. Bereits 71 Prozent der Schweizer Finanzberater nutzen Private Assets in Kundenportfolios, verglichen mit 53 Prozent weltweit. Mehr als drei Viertel planen, die Allokation in den kommenden fünf Jahren auszubauen.

Dabei kommen überdurchschnittlich häufig Evergreen-Fonds und Sekundärmarktstrategien zum Einsatz. Als grösstes Hindernis für eine breitere Nutzung nennen die Berater jedoch weiterhin die eingeschränkte Liquidität der Anlageklasse. 84 Prozent würden private Anlagen häufiger empfehlen, wenn liquidere Produkte verfügbar wären.

Die Studie zeigt zudem, dass sich die Wettbewerbslandschaft grundlegend verändert. Während heute noch traditionelle Berater als wichtigste Konkurrenz wahrgenommen werden, wird innerhalb von fünf Jahren eine deutliche Verschiebung erwartet. Als grösste Bedrohung gelten künftig KI-gestützte Tools für die eigenständige Geldanlage. Rund 43 Prozent der Schweizer Berater sehen darin ihre wichtigste Wettbewerbsquelle – nahezu identisch mit dem globalen Durchschnitt.

Auch Neo-Broker und andere digitale Anbieter gewinnen an Bedeutung, während der Wettbewerb unter klassischen Beratern an Relevanz verliert.

Branche in tiefgreifendem Wandel

«Schweizer Finanzberater agieren in einem Umfeld, das sowohl von Marktunsicherheiten als auch von einem raschen Wandel ihres Berufsfeldes geprägt ist», sagte Sophie Courmont, Managing Director und Verantwortliche für die Westschweiz und Israel bei Natixis Investment Managers. «Der fortschreitende Einsatz von KI, die Zunahme digitaler Lösungen und die steigende Nutzung privater Anlagen zeigen, wie sehr sich die Finanzberatung derzeit wandelt.»

Trotz des technologischen Wandels wird der menschlichen Komponente weiterhin grosse Bedeutung beigemessen. Vier von fünf Befragten sind überzeugt, dass Anleger unnötige Risiken eingehen könnten, wenn sie sich ausschliesslich auf KI-basierte Beratung verlassen. Entsprechend setzen viele auf die persönliche Kundenbeziehung und ihre treuhänderische Verantwortung als wichtigstes Differenzierungsmerkmal.

Neue Angebote für jüngere Generation von Anlegern

Parallel dazu verändert sich die Kundenbasis. Die Generationen Z und Millennials machen bereits 43 Prozent der Kunden von Schweizer Finanzberatern aus und liegen damit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Um jüngere Anleger anzusprechen, bauen die Berater ihr digitales Angebot aus und entwickeln gezielte Dienstleistungen für diese Zielgruppen.

Neben Technologie und Kundengewinnung rückt auch die Nachfolgeplanung stärker in den Fokus. Die bevorstehende Pensionierungswelle in der Branche wird von 78 Prozent der Schweizer Berater als Wachstumschance betrachtet. Gleichzeitig wird die Rekrutierung junger Talente eine der grössten Herausforderungen bezeichnet.

Bei der Umfrage zwischen März und Mai 2026 wurden 2’950 Anlageexperten in 23 Ländern befragt, wie es weiter heisst. Darunter waren 150 Finanzberater aus der Schweiz. Die Daten wurden vom Marktforschungsinstitut CoreData erhoben; eine ergänzende Analyse wurde vom Natixis Center for Investor Insights durchgeführt.