Geldpolitische Diskussion: KI, Post-Corona, Expansionsgrad und Düngerpreise

Am Donnerstag hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) zum vierten Mal eine «Zusammenfassung der Diskussion» publiziert, die an der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung im Direktorium geführt worden ist. Sie bezieht auf den Termin von Mitte Juni, als die SNB erneut entschied, den Leitzins unverändert auf 0 Prozent zu belassen.

Eine solche Zusammenfassung hatte die SNB erstmals im Oktober 2025 veröffentlicht, nachdem Martin Schlegel, Präsident dieses Gremiums zuvor überraschend eine entsprechende Änderung in der Kommunikationspolitik der Währungshüter bekanntgegeben hatte. Damals hatte finews die Neuerung begrüsst, weil sie die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheide des Direktoriums erhöhe, zugleich aber konstatiert, dass sich der «konkrete Erkenntnisgewinn» erwartungsgemäss im engen Rahmen halte.

Umfassende Betrachtung und Analyse

Um gleich die Spannung etwas wegzunehmen: Der Befund gilt auch für die vierte Auflage. Trotzdem kann sich die Lektüre lohnen, zumal sie in Erinnerung ruft, wie eine Lagebeurteilung abläuft.

«Behandelt wurden unter anderem die Lage an den Finanzmärkten, die monetären Indikatoren, die internationalen Rahmenbedingungen, die Wirtschaftslage sowie der Wirtschaftsausblick für die Schweiz», schreibt die SNB.

An der KI führt kein Weg vorbei

Am Megathema künstliche Intelligenz (KI) kommen auch die Währungshüter nicht vorbei – wobei sie diesmal der Grossschreibung des Adjektivs den Vorzug geben, anders als noch im Geschäftsbericht 2025.

Bei der Erörterung der Entwicklungen an den Finanzmärkten stellt die SNB fest, dass die starken Wirtschaftsdaten in den USA sowie ein verbreiteter Optimismus an den Märkten hinsichtlich KI zu höheren Langfristzinsen in den USA geführt hätten.

Noch kein struktureller Faktor für die Wirtschaft

KI findet sich auch bei der Diskussion der internationalen Rahmenbedingungen, wo eine «Korrektur der Markterwartungen bezüglich KI» als Risikofaktor für den Wirtschaftsausblick aufgeführt wird.

In der Analyse der Wirtschaftslage Schweiz taucht das Stichwort erneut auf. «Das Direktorium diskutierte zudem, wie die Unternehmen KI einsetzen. KI hat laut den befragten Unternehmen im zweiten Quartal zwar etwas an Einfluss gewonnen, aber grosse strukturelle Veränderungen in der Breite haben bisher nicht stattgefunden», heisst es dort mit Bezug auf die Unternehmensgespräche, welche die Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte führen.

Unterschiede zur Corona-Ära

Die Auswertung dieser Gespräche wird jeweils bereits eine Woche nach der Lagebeurteilung im Bericht «Konjunktursignale» veröffentlicht. In der jüngsten Ausgabe dieser Publikation hatte die SNB unter anderem auch festgestellt, dass das Unternehmensberatungsgeschäft wegen KI eine tiefgreifende Transformation durchläuft.

Doch auch abseits von KI enthält die Zusammenfassung Erwähnenswertes, etwa bei der Diskussion der internationalen Entwicklungen. «Die Mitglieder und die Stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums gingen auch Fragen zu Parallelen und Unterschieden zwischen dem jüngsten Preisanstieg und der Preisentwicklung nach der Corona-Pandemie nach. Sie stellten fest, dass bisher die Preisreaktion der Firmen aufgrund des Nahost-Konflikts deutlich weniger stark ausgefallen ist als nach der Pandemie.»

Die SNB argumentiert dabei mit Unterschieden bei den betroffenen Transportrouten, Lieferketten und Produktkategorien. Sie führt aber auch andere Faktoren des Angebots (weniger angespannter Arbeitsmarkt als nach Corona) bzw. der Nachfrage (kein Konsumnachholbedarf) ins Feld.

Monetäre Indikatoren zeigen Expansionsgrad der Geldpolitik

Zum für viele wohl etwas abstrakten Traktandum «monetäre Indikatoren» hält die SNB fest, dass das Wachstum der breit gefassten Geldmengen hoch geblieben ist. Das Direktorium hat dabei auch die Entwicklung der Nominal- und Realzinsen sowie der Zinsdifferenzen zum Ausland besprochen.

Registriert wird zudem, dass die Geldpolitik weiterhin expansiv wirkt und die Wirtschaftsentwicklung unterstützt und insbesondere die Transmission, die Übertragung der monetären Impulse auf die Wirtschaft, funktioniert. «Erkennbar ist dies unter anderem an der über das letzte Jahr hinweg gestiegenen Überschussliquidität und an der Kreditentwicklung.»

Ölpreis, Dünger, Agrargüter und die Inflation

Die Währungshüter befassten sich aber nicht nur mit KI, sondern auch mit dem ältesten Wirtschaftssektor überhaupt. «Diskutiert wurde die Wirkung der gestiegenen Düngerpreise auf die Agrarwirtschaft. Umfragen bei Düngemittelhändlern zeigen, dass die Agrarwirtschaft in Europa aufgrund saisonaler Faktoren derzeit wenig von den gestiegenen Düngerpreisen betroffen ist, im Gegensatz zu Ländern der südlichen Hemisphäre.»

Die Produktion von synthetischem Düngerproduktion ist energieintensiv, deswegen bildet der Ölpreis ein wichtiger Parameter. Und höhere Düngerpreise wiederum können die Lebensmittelpreise nach oben treiben, was sich in dem für die SNB (die bekanntlich der Preisstabilität verpflichtet ist) wegweisenden Konsumentenpreisindex niederschlagen würde.