SoundCapital bringt 20’000 Vermögensszenarien ins Kundengespräch
Renditeerwartungen, Volatilität oder Korrelationen gehören zum Standardrepertoire jeder Anlageberatung. Für viele Kunden bleiben solche Kennzahlen allerdings abstrakt. SoundCapital will deshalb einen anderen Ansatz verfolgen und setzt ab sofort einen eigenen WealthSimulator in der Kundenberatung ein, wie das Unternehmen in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung schreibt.
Das Tool simuliert für jede Anlagestrategie 20’000 mögliche Vermögensverläufe. Grundlage bilden langfristige Kapitalmarktannahmen für die verschiedenen Anlageklassen sowie deren Korrelationen. Zum Einsatz kommt eine Monte-Carlo-Simulation. Neben den strategischen Asset-Allokationen von SoundCapital können auch individuell zusammengestellte Strategien analysiert werden.
Was passiert mit dem Vermögen in 25 Jahren?
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Darstellung von Rendite und Risiko: Der WealthSimulator soll zeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Vermögens- oder Vorsorgeziel erreicht werden kann.
Dabei lassen sich regelmässige oder individuell geplante Ein- und Auszahlungen, Inflation sowie der Zinseszinseffekt berücksichtigen. Reicht das Vermögen in einzelnen simulierten Szenarien nicht aus, weist das Modell zudem den kumulierten ungedeckten Finanzierungsbedarf aus.
«Eine Anlagestrategie ist für Kundinnen und Kunden zunächst eine Abstraktion», sagt Bernhard Süess, Head of Portfolio Management bei SoundCapital und Entwickler des Tools. Der WealthSimulator übersetze diese in die mögliche Entwicklung des Vermögens über 15, 20 oder 25 Jahre – und zwar nicht als einzelne Zahl, sondern als Bandbreite.
Finanzkrise und Pandemie im Rückspiegel
Ergänzt werden die Simulationen durch historische Backtests über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren. Zudem können ausgewählte Stressphasen wie die Dotcom-Blase, die globale Finanzkrise, die Covid-19-Pandemie oder der Bärenmarkt von 2022 berücksichtigt werden.
Damit lässt sich darstellen, wie sich eine Strategie unter vergangenen Marktbedingungen hypothetisch entwickelt hätte, wie hoch die maximalen Verluste ausgefallen wären und wie lange es bis zur Erholung gedauert hätte.
Ein von SoundCapital aufgeführtes Beispiel verdeutlicht den Effekt. Bei einem Anfangsvermögen von 1 Million Franken, jährlichen Entnahmen von 50’000 Franken und einem Anlagehorizont von 25 Jahren erreichten vier investierte SoundCapital-Strategien in der Simulation eine Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung zwischen 90,3 und 92,1 Prozent. Bei einer reinen Liquiditätshaltung lag sie bei 0 Prozent. Kosten und Steuern wurden in diesem Beispiel allerdings nicht berücksichtigt.
Bemerkenswert dabei: Die aktienlastigste Strategie erzielte nicht die höchste Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung. Mehr Aktienrisiko vergrösserte in der Simulation vor allem die Bandbreite des möglichen Endvermögens.
KI half bei der Entwicklung
Der WealthSimulator ist zugleich das erste konkrete Projekt des Innovation Advisory Boards, das SoundCapital im Juni dieses Jahres gegründet hat. Das Gremium wird von Oliver Riedel, Head of Business Operations & Digitalization, geleitet und soll externe Perspektiven mit interner Umsetzungskompetenz verbinden.
Interessant ist dabei die Rolle der künstlichen Intelligenz. Der WealthSimulator wurde über mehrere Monate als KI-gestützte Eigenentwicklung aufgebaut. KI kam laut SoundCapital bei der Entwicklung zum Einsatz – die eigentlichen Simulationen basieren jedoch nicht auf künstlicher Intelligenz, sondern auf Kapitalmarktannahmen und historischen Marktdaten.
«Simulationstools dieser Art kennt man vor allem von grossen Finanzinstituten», sagt SoundCapital-CEO Oliver Schmid. Dass ein unabhängiger Vermögensverwalter eine solche Lösung selbst entwickle und direkt in die Beratung integriere, zeige, «was heute möglich ist».
SoundCapital verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 5 Milliarden Franken und beschäftigt an den Standorten Zürich, Basel und Kreuzlingen mehr als 50 Mitarbeitende.














