Reichmuth & Co wirbt für das Privatbankenmodell als Alternative zur Regulierungsflut
Nein, Reichmuth & Co war Ende November mitnichten die einzige Bank, die ihren Anlageausblick für das kommende Jahr präsentierte. November/Dezember ist dafür für schweizerische und ausländische Institute bekanntlich Hochsaison.
Im Fall der Luzerner Privatbank waren jedoch vor allem die Botschaften, die parallel zum eigentlichen Ausblick verkündet wurden, durchaus bemerkenswert. Das fing bereits mit ihren Absendern an, nämlich den in corpore anwesenden unbeschränkt haftenden Gesellschaftern: Christof Reichmuth und Remy Reichmuth (beides Söhne von Gründer Karl Reichmuth, der sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, und auch Vater des Realunits ist) und Jürg Staub.
Realwertanlagen wie Infrastruktur
Remy Reichmuth erinnerte daran, dass die 1996 gegründete Bank mit rund 160 Mitarbeitern und Schwerpunkt Vermögensverwaltung durchaus erfolgreich unterwegs ist. Die verwalteten Vermögen sind innert Jahresfrist von 14,4 Milliarden auf 16 Milliarden Franken Ende 2025 gestiegen. Und er machte deutlich, dass die Bank wie in der Vergangenheit weiterhin gerne auf Realwertanlagen und dabei speziell auch auf Investitionen in Infrastruktur setzt.
Zum «Big Picture» mit dem sinnigen Motto «ordo ab chao» (Ordnung aus dem Chaos) trug auch Christof Reichmuth bei. Er bezeichnete die USA unter Donald Trump als «Quelle der Unsicherheit», eine Konstellation, die China ausnutzt. Noch zeichnet sich allerdings keine neue Weltordnung ab, und für Europa war Reichmuth wenig optimistisch. Der Reflex, weiter Schulden zu machen, statt grundlegende Reformen anzupacken, werde auch 2026 übermächtig sein – und im Notfall, also bei ernsthaften Turbulenzen an den Staatsanleihenmärkten, werde die Europäische Zentralbank einspringen.
Qualitätsaktien, Gold und Franken
Die Schweiz sei das einzige Land mit solider Fiskal- und Geldpolitik, hielt Reichmuth fest. Und auch angesichts der Gefahren einer KI-Blase empfahl er (natürlich) Realwerte – konkret Qualitätsaktien, Gold und Franken.
In Jürg Staubs Ausführungen spielten Anlagefragen gar keine Rolle, widmete er sich doch ganz der Bankenregulierung. Er plädierte für «Haften statt Retten» und brach damit eine Lanze für das uralte Geschäftsmodell der Privatbanken. Es handelt sich dabei allerdings um eine aussterbende Spezies; bei der Gründung von Reichmuth & Co gab es schweizzeit 17 solche Institute, heute noch deren 5.
Privatbankier haften und entscheiden daher anders
Es gebe durchaus gute Gründe für limitiert haftende Gesellschaftsformen, räumte Staub ein. «Aber wir möchten, dass unser Geschäftsmodell nicht ganz in Vergessenheit gerät, gerade im aktuellen Umfeld.» Denn: «Wer nicht haftet, entscheidet anders.» Staub erinnerte dabei an eine vom unabhängigen Ökonomen Adriel Jost im Auftrag der Schweizer Privatbanken im April 2025 verfasste Analyse zur Geschichte der Haftung im Schweizer Bankwesen.
Staub machte zudem unmissverständlich deutlich, dass er als Privatbankier Teile der bestehenden und kommenden Regulierung für unverhältnismässig hält. «Das vorgesehene Senior Manager Regime, Regeln zu Vergütungssystemen und zur Gewinnverteilung sind für uns nicht sinnvoll.» Demgegenüber lobte er das Kleinbankenregime der Finma als ausbaufähig.
Ausgeprägter Home Bias im Aktienbereich
Und ja, es gab auch einen Anlageausblick im herkömmlichen Sinn, den Chief Investment Officer Matthias Ramser vorlegte.
Er erklärte, wie Reichmuth bei der Aktienauswahl je nach Weltregion differenziert vorgeht – und weshalb die Bank einen starken Home Bias hat (weil es in der Schweiz viele Unternehmen mit Qualitätsaktien gibt).















