Die unterschätzte Gefahr für Banken
In dieser Rubrik nehmen Autorinnen und Autoren Stellung zu Wirtschafts- und Finanzthemen.
Für die Betrugsmasche gibt es einen Begriff: Money-Mules, auf Deutsch Geldesel. Betrüger sind auf diese Geldesel angewiesen. Sie nutzen unauffällige Konten als Instrumente zur Geldwäsche.
Auf diese Weise können Kriminelle ihre Spuren verwischen und grosse Summen innerhalb weniger Minuten über Ländergrenzen hinweg transferieren.
Endempfänger ist kaum mehr zu eruieren
«Money Mule» ist ein Bankkonto oder ein Kontoinhaber, das beziehungsweise der von Betrügern genutzt wird, um illegale Gelder weiterzuleiten. Diese Konten spielen häufig eine Rolle bei der Geldwäsche, indem sie die Herkunft gestohlener Gelder verschleiern und die Rückverfolgung erschweren. Um ihre Aktivitäten zu tarnen, schleusen Betrüger Gelder schnell durch weit verzweigte, auf den ersten Blick voneinander unabhängige Mule-Netzwerke, die sich oft über mehrere Finanzinstitute erstrecken.
«Echtzeitzahlungen ermöglichen schnelle Überweisungen, öffnen aber gleichzeitig Tür und Tor für erhöhten Betrug.»
Die Einführung von Instant-Payment-Systemen hat die Bedrohung durch Money Mules weiter verschärft. Echtzeitzahlungen ermöglichen schnelle Überweisungen und bieten zwar Komfort, öffnen aber gleichzeitig Tür und Tor für erhöhten Betrug. Kriminelle nutzen dies aus, indem sie immer mehr Money Mules rekrutieren, um gestohlene Gelder rasch abzukassieren.
Banken kann dies teuer zu stehen kommen
Finanzinstitute stehen dadurch unter wachsendem Druck, präventiv zu handeln: Sie müssen Identitäten früher im Zahlungsprozess authentifizieren und Transaktionen auf Fraud-Risiken screenen. Da es oft nur eine Chance zur Verifizierung gibt, kann das Nicht-Erkennen von Betrug Banken einem erheblichen Haftungsrisiko aussetzen.
Der Konsumentenschutz zieht in einigen Ländern nach. Im Vereinigten Königreich sind Opfer von Authorized-Push-Payment-Betrug neu deutlich besser gestellt. Zudem verlangen verlangen neue Regelungen, dass Finanzinstitute sowohl den Sender als auch den Empfänger eines Zahlungsauftrags auf Fraud-Risiken hin prüfen – ein Schritt, der Money-Mule-Netzwerke besser sichtbar werden lassen dürfte.
Gelder werde oft auch in Kryptowährungen umgewandelt
Die über Mule-Netzwerke geschleusten Gelder stammen häufig aus einer Vielzahl unterschiedlicher Betrugsmodelle. Betrüger verwenden gestohlene oder gefälschte Identitäten zur Kontoeröffnung oder nutzen bestehende Mule-Konten, um die Gelder ins Finanzsystem einzuspeisen.
«Kontoinhaber werden zum Teil gezwungen, mitzumachen. Andere werden schlicht getäuscht.»
Sind die Gelder einmal im System, werden sie über mehrere Mule-Konten in verschiedenen Banken und oftmals an unterschiedlichen Standorten transferiert. Diese Layering-Technik erschwert die Erkennung erheblich. Gelder können zudem in Kryptowährungen oder alternative Finanzsysteme umgewandelt werden, um die Spur weiter zu verwischen. Im Anschluss werden die Gelder von den Betrügern oder ihren Helfern abgehoben – ihre Herkunft ist dann kaum noch nachzuvollziehen.
Frquenzspitzen sind verdächtig
Bevor die illegalen Gelder empfangen werden, werden auf Mule-Konten häufig kleinere Transaktionshistorien angelegt – etwa durch geringfügige Überweisungen –, um spätere ungewöhnlich hohe Eingänge unauffälliger wirken zu lassen. Solche plötzlichen Volumen- oder Frequenzspitzen sind jedoch entscheidende Warnsignale. Ihre Identifikation ist zentral zur Prävention.
«Money Mules» lassen sich kategorisieren. Einige Konten werden bewusst für Mule-Operationen eröffnet, entweder von den Tätern selbst oder von Komplizen. Andere involvieren legitime Kontoinhaber wirken unter Druck oder durch Zwang mit. Wiederum andere sind sich ihrer Rolle gar nicht bewusst: Sie werden schlicht getäuscht.
Stoppen solcher Netzwerke ist essenziell
Betrüger nutzen vielfältige Rekrutierungsmethoden. Sie nutzen Schwachstellen aus oder machen finanzielle Anreize. Täuschung, Manipulation und in manchen Fällen die Bereitschaft, sich an illegalen Aktivitäten zu beteiligen, bilden die Schlüsselmechanismen der Rekrutierung.
Money-Mule-Aktivität kann Finanzorganisationen weltweit erheblich beeinträchtigen. Durch das Ermöglichen von Fraud-Cashflows gefährden Mule-Netzwerke die institutionelle Stabilität. Das Identifizieren und Stoppen dieser Netzwerke ist also essenziell. Das Versäumnis birgt Risiken wie finanzielle Verluste, Reputationsschäden und regulatorische Sanktionen.
«Sobald Gelder in externe Systeme abfliessen, wird eine Kontrolle schwieriger.»
Es braucht wirksame Massnahmen gegen Geldwäscherei. Fehlende Risikoanalysen oder unzureichende Due-Diligence-Prozesse können zu hohen Bussen, Vertrauensverlust sowie nationalen Konsequenzen führen – inklusive einer möglichen Grau- oder Schwarzlistung durch Institutionen wie die Financial Action Task Force.
Holistische Betrachtung ist gefragt
Der wirksamste Ansatz zur Erkennung und Bekämpfung von Mule-Aktivitäten besteht darin, ein umfassendes Bild jeder Identität zu gewinnen, die mit einer Bank interagiert. Die Abgrenzung legitimer von verdächtiger Aktivität erfordert die Analyse grosser Mengen an Transaktions- und Interaktionsdaten. Während interne Muster relativ gut überwachbar sind, gestaltet sich dies viel schwieriger und komplexer, sobald Gelder in externe Systeme abfliessen.
Der Schlüssel liegt in einer holistischen Betrachtung aller beteiligten Parteien – einschliesslich digitaler und physischer Identitäten, Verhaltensmuster, Interaktionen, Transaktionen und Kontoattribute. Die Fähigkeit, diese Datenpunkte zu verknüpfen, stärkt die Fraud-Abwehr signifikant und erlaubt es Banken, komplexe Mule-Netzwerke aufzudecken und rechtzeitig zu unterbrechen.
Jason Lane-Sellers, Director, Marketing Planning EMEA, Fraud & Identity, LexisNexis Risk Solutions
Jason Lane-Sellers ist Experte für Betrugsbekämpfung und Revenue Assurance. Seine Expertise umfasst Betrugs- und Risikopräventionsstrategien, operative Effizienz, Technologien und Lösungen zur Betrugsprävention sowie Best Practices zur Risikoprävention.
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