André Wegmann: «Unsere Refinanzierung ist teurer geworden»

Die grösste Zürcher Regionalbank wird das Geschäftsjahr 2025 in guter Erinnerung behalten. Der Gewinn erhöhte sich um 28,7 Prozent auf 10,25 Millionen Franken, wie einem am Mittwoch publizierten Communiqué zu entnehmen ist.

Zu diesem erfreulichen Ergebnis lieferten alle drei Sparten einen Beitrag. Hauptpfeiler bleibt das Zinsgeschäft, wo der Nettoerfolg geringfügig von 49,1 auf 48,3 Millionen Franken zurückging. Der Rückschlag sei kleiner ausgefallen, als angesichts des Nullzinsumfelds habe erwartet werden müsse, kommentiert André Wegmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Avera, im Gespräch mit finews. «Wir waren bei der Absicherung des Zinsveränderungsrisikos gut positioniert.»

Bei der Kreditvergabe selektiver geworden

Gegen den allgemeinen Trend leicht sinkend waren die Hypothekarausleihungen und auch die Kundeneinlagen. Ende 2025 waren Hypotheken über 4,17 Milliarden Franken ausstehend, 2024 waren es noch 4,22 Milliarden Franken. Und die Kundengelder sanken von 3,12 Milliarden auf 3,02 Milliarden Franken. Auch die Bilanzsumme schrumpfte von 5,35 auf 5,21 Milliarden Franken.

Wegmann bestätigt, dass Avera bei der Kreditvergabe selektiver geworden ist, weil auch die Refinanzierung kostspieliger geworden ist. «Wir setzen dafür Kundengelder und Pfandbriefdarlehen ein, beide Quellen sind teurer geworden. Ausserdem haben wir in den vergangenen fünfzehn Jahren unsere Bilanzsumme verdoppelt, so dass die Zeit für eine gewisse Konsolidierung reif war.»

Anteil des indifferenten Geschäfts erhöht

Die meisten inlandorientierten Banken sind stark vom Zinsgeschäft abhängig; Avera macht diesbezüglich keine Ausnahme. «Wir wurden früher v.a.  als Finanzierer wahrgenommen. Mit den Investitionen ins Anlagegeschäft hat sich das verändert, und es ist uns gelungen, den Anteil des indifferenten Geschäfts in den letzten Jahren zu erhöhen», konstatiert Wegmann.

Das trifft auch auf 2025 zu. Der Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stieg von 10,8 Millionen auf 12,1 Millionen Franken. Die verwalteten Depotvermögen legten dank Neugeldzuflüssen und einer positiven Marktentwicklung um 17,7 Prozent auf 1,52 Milliarden Franken zu. Der Handelserfolg liegt mit 1,9 Millionen Franken ebenfalls über dem Vorjahr (1,7 Millionen).

Der Geschäftsaufwand entwickelte sich seitwärts und beträgt 43,6 Millionen Franken (–0,6 Prozent).

Wenig Reaktionen auf Filialschliessungen

Verbessert hat sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis, und zwar um 2,2 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr. Es beträgt nun 65,3 Prozent.

Vergangene Woche hat Avera die Schliessung der Filialen Bubikon und Fehraltdorf bekanntgegeben. Man habe sich für eine separate und daher transparentere Information entschieden, auch mit Rücksicht auf die Mitarbeitenden, begründet Wegmann die Wahl des Zeitpunkts. Bisher habe er kaum Reaktionen auf den Schritt erhalten, abgesehen von Kunden, die sich dafür interessierten, wo sie nun ein Tresorfach mieten könnten.

Brancheninterne Lösung für die Regiobank Männedorf 

Ebenfalls vergangene Woche wurde bekannt, dass die St. Galler Acrevis mit der Regiobank Männedorf fusioniert; de facto handelt es sich um eine Übernahme des Instituts von der Goldküste. Dieses hat gemäss seinem vor wenigen Tagen vorgelegten Abschluss aufgrund eines stark rückläufigen Zinsergebnisses einen negativen Geschäftserfolg und einen Gewinn nahe Null ausweisen müssen.

Für Wegmann, der auch im Verwaltungsrat des Verbands Schweizer Regionalbanken (VSRB) sitzt, ist es entscheidend, dass innerhalb der Regionalbankenszene eine Lösung gefunden wurde. Er geht davon aus, dass es sich bei Männedorf um einen Einzelfall handelt, und nicht um den Beginn einer Konsolidierungswelle.

«Regionalbanken bringen Stabilität ins System»

Allerdings teilt er die Ansicht, dass es geografisch naheliegender gewesen wäre, wenn Avera konsolidiert hätte. «Dass wir wie Acrevis über den Kanton hinaus zukaufen, ist wenig wahrscheinlich. Wir sind als Genossenschaft stark im Zürcher Oberland verankert, und wenn wir aktiv werden, dann in angrenzenden Gebieten.»

Ein Thema, mit dem sich der Avera-Chef intensiv beschäftigt, ist die Regulierung. Er hofft darauf das der Regulierungschub nach dem Untergang der Credit Suisse die kleineren Banken verschont. «Das Kleinbankenregime funktioniert gut, eine risikoadäquate Regulierung ist mir ein grosses Anliegen. Hoffentlich wird das Kind nicht mit dem Bad ausgeschüttet», hält er auch mit Blick auf Senior Managers Regime fest, das für seine Genossenschaftsbank nichts bringe. «Wir Regionalbanken bringen Stabilität ins Schweizer Finanzsystem.»

Und wenn der Immobilienmarkt korrigiert?

Ein Risiko für die Bankbilanzen und damit auch die Systemstabilität bildet indes eine Korrektur am Schweizer Immobilienmarkt, wo die Preise seit 30 Jahren nur eine Richtung kennen. Als Leiter einer Bank mit Schwergewicht im Hypothekargeschäft muss auch Wegmann Überlegungen zu einem solchen Szenario anstellen. «Unsere Belehnungswerte sind sehr tief, daher bin ich mit Blick auf eine mögliche Korrektur relativ gelassen.» Sollten die Mieten sinken, könnte es aber bei gewissen Renditeobjekten zu Problemen kommen.

«Wenn die Immobilienpreise nicht mehr steigen würden, wäre das gar nicht so schlimm», merkt Wegmann an. Denn Zuwanderung und ein knappes Angebot sorgten dafür, dass sich viele junge Familien ohne verwandtschaftliche Hilfe gar keine eigenen vier Wände mehr leisten könnten, weil die Löhne nicht so stark gestiegen seien.

Attraktiver Standort trotz GZO-Debakel

Wetzikon sorgte in den vergangenen Monaten für viele Schlagzeilen, aber nicht, weil die Bank Avera dort ihren Hauptsitz hat. Grund dafür ist vielmehr die finanzielle Schieflage des GZO Spital Wetzikon, das seit 2024 in Nachlassstundung steckt und der erste inländische Schuldner seit der Swissair ist, der eine Frankenanleihe nicht bedienen kann.

«Auch unsere Bank hielt einige GZO-Obligationen, wir haben diese aber bereits 2024 abgeschrieben. Es handelt sich um eine bedauerliche Angelegenheit für die Mitarbeiter und die Region, welche die Menschen in Wetzikon stark beschäftigt.» Selbst das Worst-case-Szenario einer Spitalschliessung würde Avera nicht gross tangieren. «Das würde nichts daran ändern, dass das Zürcher Oberland ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit vielen Stärken ist», ist Wegmann überzeugt.