Der Poker um Commerzbank: «Unicredit will Gespräche erzwingen»


Herr Kirchner, Sie schreiben noch intensiver als viele andere über den Übernahmekampf um die Commerzbank. Was ist für Sie so speziell, nehmen der politischen Komponente?

Ich sage intern immer wieder, so etwas passiert nur alle 10 oder 15 Jahre. Ganz einfach weil auch in Deutschland nicht mehr viele Grossbanken übrig sind. Die Hypovereinsbank gehört ja bekanntlich schon Unicredit, da bleibt neben der Commerzbank nur noch die Deutsche Bank als eigenständiges Unternehmen.

Heute schreiben die Italiener unter anderem: «Behauptungen, die tatsächliche Zahl der eingelieferten Aktien sei niedriger, weil diese Aktien von UniCredit geliehen worden seien, sind falsch und entbehren jeder Grundlage. Eingelieferte Aktien sind eingelieferte Aktien und unwiderruflich gebunden.» Wie interpretieren Sie dies?

Sie nutzen eine Regulierungslücke in Deutschland und wollen mit ihrem Engagement möglichst gross aussehen. So erhöhen Sie den Druck auf den Verwaltungsrat der Commerzbank. Sie wollen Gespräche erzwingen und sich dafür in eine möglichst starke Position bringen. Das gelingt offenbar ganz gut. Zusammen mit aktuell gut 12 Prozent angedienten Aktien kommt Unicredit jetzt schon auf 39 Prozent Anteile. An der letzten Hauptversammlung der Commerzbank waren bloss 42 Prozent der Stimmen vertreten.

Was heisst das konkret?

Wenn Unicredit dies möchte, kann sie im nächsten Jahr beispielsweise die Hälfte des Verwaltungsrates stellen und ‘durchregieren’. Die Frage bleibt, wollen sie das Geschäft gegen den Willen der Commerzbank und des deutschen Staates übernehmen oder wäre eine feindliche Übernahme zu riskant, weil Banking ein People-Business ist. Andrea Orcel hat immer gesagt, es solle kein feindlicher Take over sein, aber er hat seine Meinung bei anderen Punkten auch immer wieder angepasst.

Wie erklären Sie sich, dass offenbar fast 12 Prozent der Aktien angedient wurden, obwohl das Angebot tiefer war als der Börsenkurs?

Offenbar hat sie Helfer, die Aktien ausgeliehen haben, um sie dann der Unicredit anzudienen. Ob das wirtschaftlich Sinn macht, ist hier egal. Es ist rechtlich ok und hilft den Italienern so gross auszusehen, wie sie gern möchten. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Anteilseigner bei der Commerzbank mit grösseren Paketen von 2 bis 4 Prozent froh waren um das Angebot, weil ein Ausstieg über die Börse nicht so einfach wäre.


Christian Kirchner ist Co-Gründer von finanz-szene.de. Er Begann seine Laufbahn beim Handelsblatt, wechselte später zur FTD.