Primärmarkt im Juli: Republik Lettland feiert Schweizer Debüt

Auch wenn sich die Sommerzeit am Schweizer Kapitalmarkt bemerkbar macht – Betriebsferien kennt das Emissionsgeschäft nicht. Im Juli wurde zwar nur noch gut die Hälfte des Obligationenvolumens des Vormonats platziert; mit 4,4 Milliarden Franken (ohne die Eidgenossenschaft) ist aber nach der Statistik der Zürcher Kantonalbank (ZKB) immerhin fast dasjenige des relativ starken Vorjahresmonats erreicht worden.

Damit sind die Aussichten, dass 2026 am Primärmarkt für Frankenanleihen ein Allzeitrekordvolumen resultieren wird, weiterhin intakt.

Rückkehr von Eurofima an den Heimmarkt

Im Inlandsegment ist die Schuldnerliste übersichtlich. Es dominieren die Pfandbriefzentrale mit zwei Neuemissionen und zwei Aufstockungen und die Pfandbriefbank mit einer Neuemission sowie drei Aufstockungen. Damit entfielen vier Fünftel des Volumen auf die beiden Pfandbriefinstitute. Den Rest teilten sich die Thurgauer und die Basellandschaftliche Kantonalbank sowie die Eurofima, die nach einer Auszeit von vier Jahren an den Heimmarkt zurückkehrte.

Duration Raiffeisen Grafik k

Bei den Emissionen sind 2026 sehr lange Laufzeiten ziemlich en vogue. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)

Über das supranationale Emissionsvehikel mit Sitz in Basel, das 1956 von 14 Staaten gegründet wurde, können die nationalen Eisenbahngesellschaften Europas ihr Rollmaterial finanzieren. Die heute 26 Gesellschaften sind auch die Aktionäre der Eurofima, die aktuell 25 Vertragsstaaten zählt. Ursprünglich war die Lebensdauer von Eurofima auf 50 Jahre befristet, 2025 entschieden sich die Vertragsstaaten, diese Klausel ersatzlos zu streichen.

Auslandsegment: Staatsnahe Namen und Premiere aus dem Baltikum

Vielfältiger präsentierte sich das Menü bei den ausländischen Schuldnern, wobei die staatsnahen Adressen dominierten. Aus dem Supra-Bereich waren es die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Teil der Weltbank-Gruppe), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Inter-American Development Bank mit einer Aufstockung, wobei sämtliche Transaktionen nachhaltig waren. Africa Finance Corporation stockte eine digitale Anleihe auf.

Ebenfalls staatlich waren Transpower New Zealand, Nederlandse Waterschapsbank, NRW.Bank (Aufstockung eines Social Bonds) und Banco del Estado de Chile. Für eine Premiere sorgte die Republik Lettland, begleitet von der UBS und der Deutschen Bank.

Ein Comeback nach einer sehr langen Pause feierte Jefferies Financial Group, waren doch die Amerikaner das letzte Mal im letzten Jahrtausend in der hierzulande zu Gast. Ebenso aus dem Privatsektor entstammten Société Générale und Severn Trent Utilities Finance aus Grossbritannien.

Neuemissionen ZKB Grafik k

Rekord an Fälligkeiten im September. (Grafik: ZKB)

Für die kommenden Wochen rechnet das ZKB-Kapitalmarktteam mit «einem überaus aktiven Primärmarkt». Die ZKB verweist dabei auf die rekordhohen Verfälle im September, wenn Obligationen über 8,9 Milliarden Franken zur Rückzahlung anstehen (und zumindest teilweise am Markt refinanziert sein werden wollen). Hoffentlich werden unter den Schuldnern, anders als im Juli, auch wieder einige Unternehmen (Corporates) zu finden sein.

Als auch die noch Unicredit als Federführerin mitmischte

Wie wird sich die nun wohl unausweichliche Übernahme durch die Unicredit auf das Schweizer Geschäft der Commerzbank auswirken, die auch als Federführerin am Schweizer Kapitalmarkt aktiv ist? Bereits vor einigen Tagen hat sich finews mit der hiesigen Geschichte von Unicredit und Commerzbank befasst. Darin war zu lesen, dass sich die Italiener 2024 von der Schweiz verabschiedet haben.

Nicht erwähnt wurde darin allerdings, dass sie bereits 2005 in die Schweiz zurückkehrten, wenn auch nicht aktiv, sondern durch die Übernahme der Hypovereinsbank (HVB). Diese hatte nämlich in Zürich ein kleines, aber feines Kapitalmarktteam, das besonders von 2006 bis 2012 sehr rührig war und sich in der Lead-Manager-Liga der Deutschen Bank und BNP Paribas bewegte. Es handelte sich dabei quasi um den Investment-Banking-Teil der schon früher von der Mutter an die Coutts Bank veräusserten HVB-Tochter Bank von Ernst.

2015 zog Unicredit aber im Rahmen einer globalen Überprüfung der Aktivitäten dem kleinen Schweizer Geschäft den Stecker und verabschiedete sich damit ein zweites Mal von unserem Land – um jetzt erneut mittels einer Akquisition (hoffentlich auf Dauer) zurückzukehren.

Reger Sekundärmarkt

Ziemlich spiegelbildlich zum Geschehen am Primärmarkt bildeten sich die an der SIX Swiss Exchange gehandelten Volumen (10,6 Milliarden Franken) zum Vormonat deutlich zurück (–11,3 Prozent), zum Vorjahr schaute sogar noch ein kleines Plus von 1,4 Prozent heraus.

Erfreulich ist die Zunahme im bisherigen Jahresverlauf von 5,6 Prozent auf 81,7 Milliarden Franken. Im Juli für einen Siebtel des Gesamtvolumens verantwortlich war die Anleihe der Eidgenossenschaft mit Verfall 2036, also die zehnjährige Benchmark.