Sergio Ermotti, KI, die Schweiz und der Zwang zum Wachstum

Das Point Zero Forum, das diese Woche vom Dienstag bis Donnerstag im Zürcher Kongresshaus stattfindet, wird auch beim fünften Durchlauf seinem Ruf als Stelldichein der globalen Finanz- und Tech-Elite gerecht. Organisiert wird die Veranstaltung vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) zusammen mit dem in Singapur ansässigen Global Finance and Technology Network (GFTN).

Am Mittwochvormittag erwies sich einmal mehr UBS-CEO Sergio Ermotti als Publikumsmagnet. Im Zwiegespräch mit Moderatorin Manisha Tank stand zum einen der Einfluss der künstlichen Intelligenz (KI) auf das Bankgeschäft im Zentrum. Die Grossbank habe bereits rund 500 KI-Agenten in unterschiedlichsten Bereichen im Einsatz, erklärte Ermotti. KI mache vieles effizienter; künftig könne man im Bankgeschäft gleich viel mit weniger Mitarbeiter leisten. «Nur wenn Unternehmen wachsen, können sie Arbeitsplätze sichern», folgerte Ermotti.

Vertrauen, Sicherheit und Stabilität haben Priorität

Er mahnte aber auch zu einer gewissen Zurückhaltung. UBS lasse im Umgang mit KI und entsprechenden Experimenten Vorsicht walten, weil das Vertrauen der Kunden, die Sicherheit ihrer Gelder und die Stabilität der Bank Priorität hätten.

Den zweiten Schwerpunkt des Dialogs bildete die Positionierung der Schweiz. Auch hier fiel gleich das Stichwort Wachstum. «Europa wächst nicht, und es gibt kaum Innovationen», diagnostizierte Ermotti, der damit zugleich die hie und da kritisierte globale Präsenz der UBS verteidigte. Aber er sparte auch die Schweiz von Kritik nicht aus.

Obschon unser Land bei Innovationsranglisten regelmässig Spitzenplätze belege, existierten nur sehr wenige Unicorns, also Startups mit einer Bewertung von über 1 Milliarde Dollar. Die Frage, ob das möglicherweise auch daran liege könnte, dass der stolze Schweizer Finanzplatz in diesem Zusammenhang seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wurde ihm nicht gestellt.

Regulierung: Die Fakten sprechen lassen

Hat es in den letzten Monaten einen öffentlichen Auftritt des UBS-CEO gegeben, an dem er nicht zur Frage der künftigen Bankenregulierung Stellung genommen hat? Ermotti wurde den Erwartungen auch an diesem Anlass gerecht. Es brauche eine vernünftige Regulierung. Dabei gelte es, aus dem Fall der Credit Suisse (CS) die richtigen Lehren zu ziehen – die damit indirekt angesprochene Bundesrätin Karin Keller-Sutter hatte das Point Zero Forum bereits am Dienstag mit einem Auftritt beehrt.

«Die Fakten sagen einem sehr viel», betonte Ermotti und verwies auf die seinerzeit von der Finma der CS (nicht aber der UBS) gewährten regulatorischen Erleichterungen.

Hoffnung auf vernünftige, wettbewerbsfähige Ausgestaltung 

Er habe aber Vertrauen in den politischen Prozess und hoffe, dass die Regulierung so gestaltet werde, dass sowohl die Stabilität als auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes gewährleistet werden könnten. Letzteres stelle eine Bedingung dafür dar, dass die Schweiz auch künftig wachsen könne.

Für dieses Votum erntete der Chef der letzten international aktiven Grossbank mit Domizil in der Schweiz sogar einen Szenenapplaus.