Jeder zweite Schweizer Erstkäufer finanziert am Limit
Damit liegt die Quote laut Mitteilung fast 12 Prozentpunkte über dem von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für den gesamten Wohnimmobilienmarkt ausgewiesenen Median von 67,7 Prozent.
«Das ist weder Spekulation noch Ausdruck gelockerter Kreditvergabestandards. Es ist die rechnerische Folge eines Marktes, in dem die Immobilienpreise strukturell schneller steigen als Löhne und Ersparnisse der Haushalte», sagt Romain Dequesne, CEO von Resolve. «Dadurch nimmt der fremdfinanzierte Anteil am Kaufpreis weiter zu – bis nahe an die regulatorische Obergrenze von 80 Prozent.»
Weniger Abschlüsse als 2025
Im zweiten Quartal wurden schweizweit 22'130 neue Hypotheken mit einem Gesamtvolumen von 20,2 Milliarden Franken abgeschlossen. Gegenüber dem Vorquartal entspricht dies einem Anstieg um 5 Prozent bei der Anzahl Verträge und 10,3 Prozent beim Hypothekar-Volumen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibe der Markt jedoch rückläufig: Die Zahl der Abschlüsse sank um 3,9 Prozent, das Volumen fiel um 5,1 Prozent.
Für das vierte Quartal 2025 hatte Resolve noch ein kräftiges Wachstum von fast 12 Prozent auf 23,6 Milliarden Franken und über 24 500 Transaktionen (plus 9,4 Prozent) gemeldet.
Schwerpunkt Wohnen
Das Segment der Hypotheken für selbstgenutztes Wohneigentum bleibe der stabilste Teil des Marktes. Mit 13'872 Transaktionen und einem Volumen von 10,4 Milliarden Franken entfielen 63 Prozent des gesamten Marktes darauf. Gegenüber dem Vorquartal entspricht dies einem Wachstum von 12,1 Prozent. Die Nachfrage nach Erstwohnungen bleibe damit deutlich robuster als andere Teile des Hypothekarmarkts.
Auch Renditeimmobilien verzeichneten im zweiten Quartal eine saisonale Belebung. Das Segment legte gegenüber dem Vorquartal um 9,2 Prozent zu und erreichte 6'404 Transaktionen bei einem Volumen von 6,6 Milliarden Franken. Im Jahresvergleich bleibe die Entwicklung jedoch negativ: Das Volumen sank um 6,7 Prozent.
Auffällig sei die zunehmende Divergenz innerhalb dieses Segments. Die von der SNB veröffentlichten Daten lassen erkennen, dass institutionelle und gesellschaftsrechtliche Käufer wieder stärker mit Fremdkapital arbeiten. Private Anlegerhaushalte verhalten sich dagegen zurückhaltender und reduzieren tendenziell ihre Verschuldung. Hier dominieren Vorsicht, Vermögenssicherung und eine geringere Bereitschaft, zusätzliches Risiko einzugehen.
Kürzere Laufzeiten
Der mediane zehnjährige Festzins für Kunden lag im Quartalsdurchschnitt bei 1,71 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 9 Basispunkte gegenüber dem Vorquartal. Der SARON blieb dagegen bei einer Medianmarge von 1,00 Prozent.
Dies begünstigte die Nachfrage nach SARON-Hypotheken und führte zugleich zu einer Verkürzung der Festzinslaufzeiten. Die durchschnittliche Laufzeit lag bei 8,09 Jahren.
Zinsschwankungen verteuern Hypotheken
Das zweite Quartal 2026 sei von aussergewöhnlich starken Zinsschwankungen geprägt, heisst es. Der zehnjährige Franken-Swap-Satz (IRS), die wichtigste Referenz für langfristige Festhypotheken, stieg zwischen Ende Februar und Mitte Mai infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten um rund 40 Basispunkte, ehe sich die Bewegung wieder weitgehend zurückbildete. Der durchschnittliche Zinssatz für zehnjährige Festhypotheken lag im Quartal bei 1,71 Prozent, während SARON-Hypotheken mit einer Medianmarge von 1,00 Prozent nahezu unverändert blieben.
Grosse Unterschiede nach Anbieter und Region
Resolve weist zudem auf erhebliche Preisunterschiede zwischen den Hypothekaranbietern hin. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten verhandelten Zinssatz für eine zehnjährige Festhypothek lagen im zweiten Quartal 75 Basispunkte. Bei einer Hypothek über 900'000 Franken ergibt dies laut Berechnungen des Unternehmens eine jährliche Zinsdifferenz von bis zu 6'750 Franken.
Regional bleiben die Unterschiede gross: Besonders wettbewerbsfähige Hypothekarzinsen werden laut Resolve trotz hoher Immobilienpreise in den Regionen Genf, Zürich und Zentralschweiz angeboten, während im Wallis und in Graubünden die stärksten Zinsanstiege verzeichnet wurden.
Für das zweite Halbjahr erwartet Resolve keine Zinssenkung der SNB. Das wahrscheinlichste Szenario sieht zehnjährige Festhypotheken in einer Bandbreite von 1,90 bis 2,00 Prozent, während bei einer Beruhigung der Lage auch Werte zwischen 1,60 und 1,80 Prozent möglich wären. Ein Stagflationsszenario könnte die Sätze dagegen auf 2,10 bis 2,30 Prozent steigen lassen.















