ZKB zieht viel Neugeld an und macht sich unabhängiger vom Zinsgeschäft

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat ihren Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt. Der Konzerngewinn vor Steuern erhöhte sich gegenüber der Vorjahresperiode um 3,1 Prozent auf 785 Millionen Franken, wie das Institut am Freitag mitteilt. Nach Steuern blieben 679 Millionen Franken, 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Aussagekräftiger für die Entwicklung des laufenden Geschäfts ist allerdings der Geschäftserfolg: Dieser legte um 12,1 Prozent auf 783 Millionen Franken zu. Der Geschäftsertrag erhöhte sich um 6,0 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Franken.

Der Vergleich mit dem Vorjahr ist zudem durch einen Sondereffekt geprägt. Im ersten Semester 2025 hatte die ZKB einen ausserordentlichen Erfolg von 62 Millionen Franken verbucht, der hauptsächlich auf den Verkauf der Zürcher Kantonalbank Österreich zurückging.

Anlagegeschäft wird wichtiger

Besonders stark entwickelte sich erneut das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Der Erfolg stieg um 12,9 Prozent auf 598 Millionen Franken. Treiber war insbesondere das Wertschriften- und Anlagegeschäft, dessen Kommissionsertrag um 12,6 Prozent zulegte.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits im vergangenen Jahr sichtbar geworden war: Die ZKB verbreitert ihre Ertragsbasis und macht sich damit ein Stück weit unabhängiger vom klassischen Zinsgeschäft.

Dieses bleibt mit einem Anteil von knapp der Hälfte des Geschäftsertrags zwar weiterhin der wichtigste Ertragspfeiler. Trotz Nullzinsumfeld konnte die Bank den Netto-Zinserfolg aber um 1,7 Prozent auf 836 Millionen Franken steigern.

Geholfen hat dabei das Volumenwachstum. Die Hypothekarforderungen erhöhten sich seit Ende 2025 um 2,0 Prozent auf 113,4 Milliarden Franken. Die Kundeneinlagen stiegen von 114,3 auf 115,1 Milliarden Franken.

10,5 Milliarden Franken Neugeld

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Kundenvermögen. Sie nahmen seit Jahresbeginn um 31,9 Milliarden auf 610,8 Milliarden Franken zu.

Dahinter steht nicht allein die Entwicklung der Finanzmärkte. Die ZKB verbuchte im ersten Halbjahr einen breit abgestützten Netto-Neugeldzufluss von 10,5 Milliarden Franken. Gegenüber den 7,4 Milliarden Franken der Vorjahresperiode entspricht dies einer Zunahme von knapp 42 Prozent.

Zum Vergleich: Im gesamten Geschäftsjahr 2025 hatte die Bank 13,6 Milliarden Franken Neugeld angezogen. Damit hat die ZKB nach sechs Monaten bereits mehr als drei Viertel dieses Werts erreicht.

Die positive Marktentwicklung steuerte weitere 18,9 Milliarden Franken zum Wachstum bei. Die verwalteten Vermögen erhöhten sich auf 527,2 Milliarden Franken.

«Wir freuen uns besonders über das anhaltende Wachstum in der Vermögensverwaltung – ein klarer Beweis für das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden in unsere Anlage- und Beratungskompetenz», lässt sich CEO Urs Baumann in der Mitteilung zitieren.

Handel legt ebenfalls zu

Auch das Handelsgeschäft profitierte von der erhöhten Aktivität der Kunden und den volatilen Finanzmärkten. Der Handelserfolg erreichte 244 Millionen Franken und lag damit 4,7 Prozent über dem Vorjahreswert.

Damit legten im ersten Halbjahr alle drei grossen Ertragspfeiler der ZKB zu: Zins-, Kommissions- und Handelsgeschäft.

Das zeigt sich auch bei der Effizienz. Während der Geschäftsertrag um 6,0 Prozent zunahm, stieg der Geschäftsaufwand lediglich um 1,6 Prozent auf 898 Millionen Franken. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbesserte sich auf 52,9 Prozent.

Ganz ohne zusätzliche Ressourcen kommt das Wachstum allerdings nicht aus. Der teilzeitbereinigte Personalbestand erhöhte sich gegenüber der Vorjahresperiode um 77 Stellen auf 5’886 Vollzeitäquivalente. Gegenüber Ende 2025 entspricht der Aufbau 136 Stellen. Der Personalaufwand stieg um 2,9 Prozent auf 643 Millionen Franken.

Rendite geht trotz höherem Gewinn zurück

Trotz des höheren Gewinns sank die Eigenkapitalrendite von 9,1 auf 8,7 Prozent.

Bei der Kapitalisierung verfügt die systemrelevante Kantonalbank weiterhin über einen komfortablen Puffer. Die risikobasierte Kapitalquote auf Going-Concern-Basis liegt bei 21,5 Prozent und damit deutlich über der regulatorischen Anforderung von 13,8 Prozent. Die gesamte risikobasierte TLAC-Quote beträgt 31,0 Prozent.

Wachstum über Zürich hinaus

Für die zweite Jahreshälfte rechnet Baumann mit anhaltenden geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. An der strategischen Richtung ändert dies nichts.

Die Bank will ihre führende Stellung im Wirtschaftsraum Zürich weiter stärken, gleichzeitig aber in ausgewählten Geschäftsfeldern innerhalb der Schweiz wachsen und internationale Chancen nutzen.

Damit bleibt die Diversifikation ein zentraler Bestandteil der ZKB-Strategie. Die Halbjahreszahlen zeigen, weshalb: Während das Nullzinsumfeld das traditionelle Bankgeschäft herausfordert, sorgen insbesondere Vermögensverwaltung, Wertschriftengeschäft und Neugeld für zusätzlichen Schub.

Für das Gesamtjahr stellt Baumann ein «insgesamt ansprechendes Jahresergebnis» in Aussicht.