Thomas Jordan sichert sich weiteres Mandat

Per Ende September 2024 war er als Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zurückgetreten, seither ist er frei für andere Verwendungen. Im Februar 2025 erfolgte die Nominierung von Thomas Jordan als Mitglied des Verwaltungsrats von Zurich, an der Generalversammlung im April wurde er ins Gremium des Versicherungskonzerns gewählt.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass er die Rolle eines Senior Advisor beim Vermögensverwalter Muzinich übernimmt. Auf das Beratungsmandat beim US-Asset-Manager folgte im November die Ernennung zum ersten «Distinguished Fellow» bei der Denkfabrik Avenir Suisse.

Viel Resonanz in der Öffentlichkeit

Und nun soll er Alfred A. Schindler (der immer noch Verwaltungsrat des Schindler-Konzerns ist) auf Ende Jahr als Stiftungsratspräsidenten des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern ablösen. Das geht aus einem Interview hervor, das die beiden Herren am Mittwoch der NZZ gewährten.

Das IWP wird seit der Gründung 2020 von Professor Christoph Schaltegger als Direktor und René Scheu als Geschäftsführer geleitet und hat seither mit wissenschaftlich fundierten und zugleich allgemeinverständlichen Analysen, öffentlichen Vorträgen von bekannten Gastrednern und einer liberalen Grundhaltung viel Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden.

«IWP füllt wichtige Lücke»

Im Interview hält Jordan fest, dass er «aus grosser Überzeugung» zugesagt habe, weil ihn der Leistungsausweis des Instituts beeindrucke, «insbesondere seine hochwertige Forschung, die als Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen dient. Damit füllt das IWP eine wichtige Lücke. Denn die meisten Universitäten äussern sich immer seltener zu solchen Themen.»

Der ehemalige Notenbankchef führt auch gleich ein Beispiel für eine solche Lücke an, allerdings nicht aus dem Bereich der Geldpolitik. Vielmehr nennt er die Fiskalpolitik, «die für die wirtschaftliche Entwicklung enorm wichtig ist. Ich habe wiederholt festgestellt, dass in der öffentlichen Debatte Grundlagen oder Zusammenhänge falsch oder unvollständig dargestellt werden. Hier kann das IWP mit seinen Analysen zu einem besseren Verständnis beitragen.»

«Wissenschaft verlagert sich mehr und mehr auf rein theoretische Bereiche»

Und dann wird Jordan doch noch etwas konkreter: «Es gibt in der Tat immer weniger Professoren, die sich zur aktuellen Wirtschaftspolitik äussern. Das war vor dreissig oder vierzig Jahren noch anders.» Für Wissenschafter sei es wenig attraktiv, sich diesbezüglich zu exponieren. «Man verzichtet lieber auf eine Position und riskiert somit nicht, sich der öffentlichen Kritik auszusetzen. Die Wissenschaft verlagert sich mehr und mehr auf rein theoretische Bereiche. Dadurch fehlt es an Forschern, die sich mit praktischen Fragen auseinandersetzen», bedauert Jordan. «Umso wichtiger finde ich es, dass sich das IWP diesem Trend widersetzt.»

Noch etwas älter als das IWP ist die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Luzern, wo Schaltegger bis 2022 als Gründungsdekan wirkte. An der Eröffnungsfeier der neuen Fakultät im September 2016 hatte Jordan ein Referat zum Bildungssystem gehalten.

Fühlt sich Jordan nun mit der neuen Aufgabe und seinen bisherigen Mandaten ausgelastet, oder ist er nach wie vor offen für weitere Herausforderungen? Diese Frage wurde im Interview nicht gestellt, und der ehemalige Nationalbankpräsident verzichtete darauf, die Gelegenheit für das Aussenden diesbezüglicher Signale zu nutzen.