Auch Anthropic will an die Börse
Erst vor wenigen Tagen überholte Anthropic erstmals OpenAI als wertvollstes KI-Startup. Gemäss der jüngsten Finanzierungsrunde von 65 Milliarden Dollar ist die Firma hinter Claude derzeit nicht weniger als 965 Milliarden Dollar wert. Dabei ist die Bewertung von Anthropic im vergangenen Jahr regelrecht explodiert: Mitte Februar 2026 lag sie bereits bei 380 Milliarden Dollar, im März 2025 waren es «erst» 61,5 Milliarden Dollar gewesen.
Der Börsengang würde von «Marktumständen und anderen Faktoren abhängen», hiess es in einer Mitteilung zum geplanten IPO. Einen Termin für den Börsengang gibt es noch nicht. Dieser kann aber frühestens im Herbst erfolgen, wenn die zuständige Börsenaufsichtsbehörde die Unterlagen geprüft abgeschlossen hat.
Schnelles Wachstum
Neben Anthropic stehen noch zwei weitere gigantische Börsengänge an: Space X wird am 12. Juni an die Börse gehen. Und auch OpenAI strebt einen Börsengang an, zu dem aber noch keine Details bekannt sind. Denkbar ist laut Experten, dass die Firma in den nächsten Tagen ebenfalls mit einer «Confidential Submission» nachzieht.
Die «Schleusentore des IPO-Markts öffnen sich», schrieb Analyst Dan Ives zur Ankündigung. Anthropic mache einen grossen Schritt nach vorn – und damit an OpenAI vorbei.
Anthropic fiel zuletzt mit schnellem Wachstum im Firmenkundengeschäft auf. Der hochgerechnete Jahresumsatz überstieg Anfang Mai die Marke von 47 Milliarden Dollar. Das rasante Wachstum erzwingt massive Investitionen in die physische Infrastruktur. Anthropic musste zuletzt die Nutzung seiner KI-Modelle zu Spitzenzeiten drosseln, weil die Rechenzentren überlastet waren. Um das Problem zu lösen, sichert sich das Unternehmen Rechenleistung bei Amazon, Google und anderen Betreibern von Cloud-Infrastrukturen.
Ungewöhnliche Zusammenarbeit
Amazon beteiligte sich etwa mit weiteren fünf Milliarden Dollar und stockte sein Gesamtengagement auf 25 Milliarden Dollar auf. Im Gegenzug verpflichtete sich Anthropic, über die kommenden zehn Jahre Cloud-Dienste im Wert von 100 Milliarden Dollar bei Amazon einzukaufen. Zu den strategischen Partnern der aktuellen Finanzierungsrunde gehören zudem Hersteller von derzeit knappen Speichermodulen wie Micron, Samsung und SK Hynix.
Der riesige Bedarf an Rechenleistung zwang Anthropic zuletzt zu ungewöhnlicher Zusammenarbeit. Im vergangenen Monat mietete das Unternehmen die komplette Kapazität des Rechenzentrums «Colossus 1» von SpaceX. Elon Musk und Anthropic-CEO Dario Amodei galten zuvor als Feinde, die auch vor öffentlicher Kritik aneinander nicht zurückschreckten.
Gegründet wurde Anthropic erst 2021 von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei zusammen mit weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitenden.















