Cembra greift mit Santander-Deal im Autogeschäft an
Cembra setzt im Schweizer Fahrzeugfinanzierungsmarkt zu einem grösseren Wachstumsschritt an. Die Bank übernimmt einen wesentlichen Teil des Schweizer Fahrzeugfinanzierungsgeschäfts von Santander Consumer Finance. Dies teilte das Institut im Rahmen der Präsentation der Halbjahreszahlen am Donnerstag mit.
Die Transaktion umfasst ein Finanzierungsportfolio von rund 800 Millionen Franken sowie die geplante Übertragung von neun Partnerbeziehungen mit Herstellern und Importeuren. Der Abschluss ist vorbehaltlich der üblichen Bedingungen für November 2026 vorgesehen.
Mit der Akquisition stärkt Cembra insbesondere ihre Position im Neuwagengeschäft und erweitert ihr Netzwerk in der Automobilbranche. Gleichzeitig erhält die neue Leasingplattform der Bank zusätzliches Volumen.
Exklusiver Schweizer Partner von Santander
Strategisch geht die Vereinbarung über die reine Übernahme des Portfolios hinaus. Cembra wird im Rahmen der Transaktion zum exklusiven Schweizer Partner von Santander für paneuropäische Leasing- und Fahrzeugfinanzierungsprogramme.
Damit erhält die Bank Zugang zu internationalen Herstellerprogrammen und kann ihre Position gegenüber Automobilherstellern und Importeuren ausbauen.
«Mit der Akquisition machen wir einen gezielten strategischen Schritt, um unsere Position in der Fahrzeugfinanzierung zu stärken und unser Partnernetzwerk auszubauen», sagt CEO Holger Laubenthal. Die Transaktion verleihe der Leasingplattform zusätzliche Grösse und verschaffe Cembra Zugang zu attraktiven internationalen Leasingprogrammen.
Finanzierung mit Fremd- und Eigenkapital
Finanziert wird die Transaktion mit rund 680 Millionen Franken zusätzlicher Fremdfinanzierung sowie rund 120 Millionen Franken Eigenkapital und eigenkapitalbezogenen Instrumenten. Dazu gehört auch die geplante Verwendung eigener Aktien im Umfang von rund 2 Prozent des Aktienkapitals.
Ab 2027 soll die Übernahme den Gewinn je Aktie steigern. Ab 2028 erwartet Cembra einen positiven Effekt auf die Eigenkapitalrendite von rund 25 Basispunkten.
Gewinn steigt um 6 Prozent
Operativ kann Cembra derweil auf ein solides erstes Halbjahr zurückblicken. Der Reingewinn stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 6 Prozent auf 92,3 Millionen Franken. Je Aktie verdiente die Bank 3.15 Franken.
Der Nettoertrag blieb mit 267,2 Millionen Franken stabil. Ausschlaggebend für den Gewinnanstieg waren vor allem weitere Effizienzsteigerungen: Der Geschäftsaufwand sank um 9 Prozent auf 116,3 Millionen Franken.
Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbesserte sich entsprechend deutlich von 47,6 auf 43,5 Prozent.
Die Eigenkapitalrendite erhöhte sich von 13,8 auf 14,1 Prozent. Mit einer Tier-1-Kapitalquote von 17,7 Prozent verfügt Cembra weiterhin über eine komfortable Kapitalausstattung.
Kreditvolumen wächst
Die Nettoforderungen gegenüber Kunden nahmen um 2 Prozent auf 6,7 Milliarden Franken zu. Wachstum verzeichnete Cembra in den drei wichtigsten Geschäftsbereichen.
Im Privatkreditgeschäft stiegen die Forderungen um 2 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken, in der Fahrzeugfinanzierung um 1 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken und im Kreditkartengeschäft um 2 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken.
Die Zinsmarge blieb trotz der tieferen Maximalzinssätze in der Konsumfinanzierung mit 5,4 Prozent stabil. Dabei profitiert Cembra von sinkenden Refinanzierungskosten. Diese lagen Ende Juni bei 1,17 Prozent, verglichen mit 1,33 Prozent Ende 2025.
Kreditverluste steigen leicht
Etwas weniger günstig entwickelte sich die Risikovorsorge. Die Wertberichtigungen für Verluste erhöhten sich um 4,8 Millionen auf 36,2 Millionen Franken. Die Verlustquote stieg von 0,9 auf 1,1 Prozent, blieb damit laut Cembra aber innerhalb der erwarteten Bandbreite.
Andere Indikatoren zur Kreditqualität verbesserten sich hingegen. Der Anteil der gefährdeten Forderungen (NPL) sank von 1,9 Prozent Ende 2025 auf 1,7 Prozent. Auch der Anteil der seit mehr als 30 Tagen ausstehenden Forderungen ging von 3,5 auf 3,3 Prozent zurück.
Transaktion belastet Rendite zunächst
Für das Gesamtjahr hält Cembra ohne Berücksichtigung der Santander-Transaktion an der bisherigen Prognose fest.
Die Übernahme wird 2026 allerdings zunächst Spuren in den Zahlen hinterlassen. Integrations- und Transaktionskosten sowie die geplante Verwendung eigener Aktien dürften die Eigenkapitalrendite um rund einen Prozentpunkt belasten.
Einschliesslich dieser Effekte rechnet Cembra für 2026 mit einer Eigenkapitalrendite von rund 14 Prozent, einem Aufwand-Ertrags-Verhältnis von unter 43 Prozent und einer Tier-1-Kapitalquote von rund 17 Prozent. Die Verlustquote dürfte leicht über dem mittelfristigen Zielwert von rund 1 Prozent liegen.
Am Dividendenziel hält die Bank fest: Für das laufende Geschäftsjahr strebt Cembra weiterhin eine Ausschüttung von mindestens 4.60 Franken je Aktie an.















