Als die Fifa mit der CS den Schweizer Kapitalmarkt anzapfte

Der Weltfussballverband Fifa (Fédération Internationale de Football Association) kann sich derzeit nicht über ein mediales Aufmerksamkeitsdefizit beklagen. Nach dem Abschluss der in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragenen Weltmeisterschaft (WM) hat sich dabei der Fokus von den sportlichen Fragen auf Governance-Aspekte verschoben, wobei die Grenze nicht immer einfach zu ziehen ist – Stichwort Telefonat des Präsidenten der USA mit dem Präsidenten der Fifa zum Thema rote Karte.

Eine neue Empörungswelle haben die jüngsten Pläne von Gianni Infantino hervorgerufen, der die Fussballförderung durch den Einbezug privater Investoren forcieren will. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren masst sich finews zu diesem – am 1. August vom Präsidenten selbst zurückgezogenen – Projekt kein Urteil an, auch wenn die Idee, noch vermehrt auf private Mittel zu setzen, grundsätzlich nicht unsympathisch ist.

Wie die Fifa ihr Geld verwaltet

Dafür nutzt finews die Gelegenheit, in Erinnerung zu rufen, dass die 1904 gegründete Fifa schon seit einiger Zeit ein gewichtiger Akteur auf dem Finanzmarkt ist. Gemäss dem Finanzteil im Jahresbericht beliefen sich ihre Aktiven Ende 2025 auf 9,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 54 Prozent zum Vorjahr, was mit der zyklischen Natur des Hauptgeschäfts (der Ausrichtung der Fussball-WM) zu tun hat.

Von diesen Aktiven entfielen 6,9 Milliarden Dollar auf Liquidität und Finanzanlagen, 2004 waren es noch 2,2 Milliarden weniger. Die flüssigen Mittel – Kassa, Post- und Bankkonten sowie kurzfristige Termingelder – betrugen 1,2 Milliarden Dollar. Von den Finanzanlagen werden 3,3 Milliarden im Umlaufvermögen verbucht, dominant sind dabei festverzinsliche Wertschriften (1,9 Milliarden), Geldmarktfonds (0,9 Milliarden) und Bankeinlagen (0,4 Milliarden). Der Rest wird im Anlagevermögen aufgeführt, hier herrschen ebenfalls Festverzinsliche (1,3 Milliarde) und Geldmarktfonds (1 Milliarde) vor.

Konservative Anlagestrategie mit viel Festverzinslichen

Zum Management ihrer Finanzanlagen äussert sich die Fifa im Jahresbericht eher generell. Man halte sich dabei an die hauseigenen Richtlinien (Financial Asset Management Regulations) und lege bei Geschäften Wert auf sehr gesunde Gegenparteien.

Die Anlagestrategie konzentriere sich vorwiegend auf festverzinsliche Wertpapiere, nur ein minimaler Anteil sei in Aktien investiert. Dies habe der Fifa im Jahr 2025 ein Maximum an operativer Flexibilität gesichert. Sie habe auf Marktentwicklungen reagieren können und gleichzeitig jederzeit über eine ausreichende Liquidität verfügt.

Wer betreut Fifa-Mandate?

Die Rendite des gesamten nach Marktpreisen bewerteten Anlageportfolios hat 2025 gemäss Jahresbericht 5,44 Prozent betragen. Und die Fifa verfügte Ende 2025 über Rücklagen (Reserven, Eigenkapital) von 2,7 Milliarden Dollar.

Es gibt auch in der Schweiz Finanzinstitute, die hinter vorgehaltener Hand bestätigen, dass sie Mandate für die Fifa betreuen. Angesichts der Tatsache, dass der Hauptsitz der Organisation in Zürich ist, kommt das nicht überraschend. Allerdings hat dessen Bedeutung als weltweite Schaltzentrale seit der langen Ära von Fifa-Präsident und Infantino-Vorgänger Sepp Blatter (1998 bis 2016) deutlich abgenommen.

Dezember 2000: Fifa kündigt Verbriefung von Marketingrechten an

Die Fifa war als Finanzmarktakteurin schon immer diskret, aber hierzulande in der Vergangenheit doch etwas fassbarer, wie ein Blick in das Zeitungsarchiv nahelegt. Da diese Vergangenheit in eine Zeit zurückreicht, in der es finews noch gar nicht gab, stützt sich die Recherche auf Berichte der «Finanz und Wirtschaft» (FuW), zumal es ja von der Gründung von finews bis heute gewisse personelle Verbindungen zur FuW gibt.

Im Dezember 2000 berichtete die FuW davon, dass die Fifa als zweiter Weltsportverband überhaupt (nach dem Automobilverband Fia) eine Anleihe auflegen wolle, als Alternative zur Mittelbeschaffung via Bankdarlehen. Es handelte sich um eine Verbriefung künftiger Zahlungsströme, dienten doch die Einnahmen aus den Marketingrechten der WM von 2002 (Südkorea und Japan) und 2006 (Deutschland) als Absicherung der Obligationen. Mit der Emission betraut war CSFB, seinerzeit der Investment-Banking-Arm der Credit Suisse (CS).

Mittelbedarf für die Junioren, die Frauen und die Entwicklungshilfe

Damals war die Fifa noch nicht so reichlich mit Liquidität und Anlagen ausgestattet, wie die Ausführungen von Fifa-Pressesprecher Andreas Herren gegenüber der FuW zeigen: «Wir leben in einem Vierjahreszyklus», sagte er. Die Fifa erhalte die Gelder erst mit Abschluss der WM, doch fielen in der Zwischenzeit enorme Kosten an. «So organisiert die Fifa einerseits die Junioren-WM in verschiedenen Altersklassen, andererseits wollen auch die immer zahlreicher werdenden Damen im Fussball eine Weltmeisterelf küren. Der grösste Kostenpunkt ist aber die Entwicklungshilfe für ärmere Verbände», fasste die FuW das Gespräch zusammen.

Doch nahm die Umsetzung des Vorhabens mehr Zeit in Anspruch als geplant. Im Juni 2001 hielt die FuW unter Berufung auf «Presseberichte» fest, die geplante Emission über bis zu 350 Millionen Franken sei auf Eis gelegt worden, wegen des Konkurses einer in die Transaktion involvierten Sportmarketinggesellschaft.

Im November 2001 war es denn endlich soweit. CSFB lancierte die forderungshinterlegte Fifa-Emission über nun 42o Millionen, allerdings in Dollar und nicht in Franken und im Kleid einer Privatplatzierung.

September 2003: Fifa lanciert Golden-Goal-Katastrophenanleihe

Im September 2003 hatte die Fifa in der Kapitalmarktberichterstattung der FuW erneut einen Auftritt, mit einem Katastrophenbond zur Absicherung der Investitionen in die WM 2006. Diese Bezeichnung behagte Herrn Herren, der nun als Leiter der Fifa-Medienabteilung tituliert wurde, nicht. Er hielt sie «für etwas verwirrend», handle es sich doch im positiven Sinn um die Absicherung des Risikos eines Ausfalls der Spiele in Deutschland als günstigere Alternative zu einer Versicherung.

Die Rede war von variabel verzinslichen Papieren mit einer grossen, da nicht für Privatanleger bestimmten Stückelung, notabene beides typische Merkmale für Cat Bonds. Vorgesehen war ein Volumen von 350 Millionen Dollar, erneut führte CSFB Regie, damals am Schweizer Kapitalmarkt der unangefochtene Platzhirsch.

Anfang Oktober 2003 brachte die FuW in Erfahrung, dass die von CSFB diskret abgewickelte Transaktion des Vehikels mit dem schönen Namen Golden Goal Finance über die Bühne gegangen war, in vier Tranchen in Dollar, Euro und Franken über insgesamt 260 Millionen Dollar. Die Frankentranche über 30 Millionen und mit einer Stückelung von 50'000 Franken, de facto ebenfalls eine Privatplatzierung, wurde auf Wunsch der institutionellen Käufer sogar an der Schweizer Börse (die noch unter dem Kürzel SWX figurierte) kotiert.

Comeback als Schuldnerin ist unwahrscheinlich

Später im Oktober stufte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die (mit der Garantie einer US-Versicherungsgesellschaft ausgestattete) Transaktion mit der Bestnote Triple A ein. Diese Note von S&P bezeichnete die FuW als Premiere, handelte es sich doch nicht wie üblich um die Bewertung einer öffentlichen Anleihe.

Fazit von finews zur nicht ganz stolperfreien Kapitalmarkthistorie des Weltfussballverbands: Dass dieser heute deutlich mehr Anlage- als Finanzbedarf hat, liegt auf der Hand. Und wenn die Fifa zu privatem Kapital gelangen will, bevorzugt sie dafür offensichtlich – siehe das eingangs erwähnte jüngste Projekt – andere Kanäle, quasi die Private Markets, möglicherweise auch deshalb, weil dort die Transparenzanforderungen geringer sind.

Eines ist klar: Sollte die Fifa entgegen dieser Prognose gleichwohl wieder einmal am (vielleicht sogar heimischen) Anleihenmarkt auftreten, wird darüber auch bei finews zu lesen sein.