KI macht Finanzdienstleister verwundbarer und Cyberangriffe teurer
Laut dem «Global Security Research Report» des Edge-Cloud- und Cybersecurity-Anbieters Fastly benötigen Finanzdienstleister mit einer konsequenten «AI-First»-Strategie im Durchschnitt 96 Tage länger, um sich vollständig von einem Sicherheitsvorfall zu erholen als Unternehmen, die sich nicht dieser Kategorie zurechnen.
Insgesamt dauert die Wiederherstellung bei den KI-orientierten Unternehmen der Studie zufolge mehr als sieben Monate.
Schäden fast dreimal so hoch
Die längere Ausfall- und Erholungszeit schlägt sich auch finanziell nieder. Fastly beziffert die durch Cyberangriffe verursachten Schäden bei «AI-First»-Finanzunternehmen auf 189 Prozent mehr als bei den übrigen untersuchten Finanzdienstleistern.
Ein möglicher Grund dafür ist die wachsende technische Angriffsfläche. 49 Prozent der «AI-First»-Unternehmen gaben an, dass KI bei ihrem jüngsten Sicherheitsvorfall direkt ausgenutzt worden sei. Bei Unternehmen ohne diesen Schwerpunkt waren es lediglich 7 Prozent.
Hinzu kommen neue Strukturen wie KI-Agenten und stärker dezentralisierte Datenflüsse. Sie können zwar Prozesse automatisieren, erschweren den Sicherheitsteams aber gleichzeitig den Überblick darüber, welche Systeme auf welche Daten zugreifen.
Sicherheitsarchitektur hält nicht Schritt
Fastly sieht das Problem weniger im Einsatz von KI an sich als in der Geschwindigkeit der Einführung. «Die Geschwindigkeit, mit der AI eingeführt wird, verändert Sicherheitsinfrastrukturen quasi über Nacht. Für AI-First-Unternehmen geht es nicht darum, Innovation zu bremsen, sondern Sicherheit im gleichen Tempo zu modernisieren», sagt Marshall Erwin, Chief Information Security Officer (CISO) von Fastly.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass dies bislang nicht überall gelingt. Rund 32 Prozent der «AI-First»-Unternehmen erklärten, dass KI bei ihrem jüngsten Sicherheitsvorfall zu einer Sicherheitslücke oder einem blinden Fleck beigetragen habe. Bei den übrigen Unternehmen lag der Anteil bei 16 Prozent.
Damit wird insbesondere sogenannte Schatten-KI zum Problem, also KI-Anwendungen und -Dienste, die innerhalb eines Unternehmens eingesetzt werden, ohne vollständig von IT- und Sicherheitsteams kontrolliert zu werden.
KI-Crawler verursachen zusätzliche Kosten
Die neue KI-Infrastruktur belastet Finanzdienstleister aber nicht nur im Fall eines Cyberangriffs. Auch automatisierte Zugriffe durch KI-Crawler und sogenanntes AI-Scraping verursachen Kosten.
Fast zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Unternehmen sehen darin bereits einen messbaren Kostenfaktor. Fastly beziffert die durchschnittliche jährliche zusätzliche Infrastrukturbelastung auf mehr als 380’000 Euro.
Auch an anderer Stelle macht sich der KI-Einsatz bemerkbar: 47 Prozent der Finanzdienstleister meldeten höhere Infrastrukturkosten, 43 Prozent operative Störungen. 35 Prozent beobachteten negative Auswirkungen für die Besucher ihrer Online-Angebote, beispielsweise längere Ladezeiten oder fehlerhafte Funktionen.
Banken rüsten bei der Cyberabwehr auf
Entsprechend steigt die Nachfrage nach neuen Sicherheitslösungen. Unter den befragten Unternehmen interessieren sich 62 Prozent für Lösungen im Bereich «Agentic Discoverability», mit denen Aktivitäten von KI-Agenten sichtbar und kontrollierbar gemacht werden sollen. 61 Prozent setzen einen Schwerpunkt auf API-Sicherheit und 53 Prozent auf Web Application Firewalls.
Die Sorge bleibt dennoch gross: 77 Prozent der Befragten fürchten DDoS-Angriffe auf KI-Agenten. 57 Prozent sehen zudem einen wachsenden Bedarf an Fachkräften mit spezifischem Know-how für die Absicherung von KI-Systemen.
Für Banken und Versicherer entsteht damit ein klassisches Transformationsdilemma: Je schneller KI in zentrale Prozesse integriert wird, desto grösser wird der wirtschaftliche Nutzen – gleichzeitig steigen Komplexität und Anforderungen an die Cyberabwehr.
Auch klar: Fastly ist selbst Anbieter von Cybersecurity- und Infrastrukturprodukten und hat damit ein kommerzielles Interesse an steigenden Investitionen in diesem Bereich. Für den Report wurden 2’000 IT-Entscheidungsträger mit Einfluss auf die Cybersecurity aus grossen Unternehmen verschiedener Branchen und Weltregionen befragt. Die Erhebung führte Sapio Research im vierten Quartal 2025 im Auftrag von Fastly durch.















