Haben unabhängige Vermögensverwalter ein Identitätsproblem?
Seit Montagmorgen liegt der erste Swiss External Asset Managers Identity Index (SEAMIx) vor. Er nimmt nach eigenem Bekunden 220 «der grössten» unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter unter die Lupe und soll künftig jährlich publiziert werden.
Bewertet werden nicht, wie in den meisten Vermögensverwalter-Benchmarks, finanzielle Kennzahlen, sondern zwei kommunikative Dimensionen: Identität mit einem Gewicht von 60 Prozent – also Zweck, Werte und Positionierung – und Aktivierung mit einem Gewicht von 40 Prozent, sprich die Frage, wie sichtbar diese Identität öffentlich ist. Beurteilt wird dies anhand von rund 30 Parametern auf einer Skala von 0 bis 5 bei einem Schwellenwert von 2,5.
Datengrundlage: Internetauftritt und Medienpräsenz
Die Datengrundlage ist der Internetauftritt der Firmen (Websites, LinkedIn-Auftritte) sowie die Medienpräsenz.
Hinter dem Index stehen Jean-François Hirschel (H-Ideas, Genf) und Markus Kramer von der Zürcher Agentur Brand Affairs. Eine ähnliche Methodik haben die Autoren zuerst im Responsible Investment Brand Index entwickelt (finews berichtete), der inzwischen im achten Jahr über 600 Asset Manager weltweit erfasst. Im Januar folgte der Swiss Private Banking Identity Index (finews berichtete) für 58 Schweizer Privatbanken, den Pictet anführte.
Schönes Schaufenster, dünne Auslage
Der zentrale Befund steckt in zwei Durchschnittswerten: 2,61 bei der Aktivierung, 1,57 bei der Identität. 55 Prozent der Firmen überspringen die Schwelle bei der Sichtbarkeit, aber nur 22 Prozent bei der Identität. 55 Firmen – ein Viertel des Feldes – formulieren überhaupt kein Identitätselement: keinen Zweck, keine Werte, keine Positionierung.
Noch deutlicher wird das Muster, wenn man die Aktivierung aufschlüsselt. Für den eigenen Auftritt – Website, Firmenseite auf Linkedin – erreicht die Branche 3,77 Punkte. Für die Sichtbarkeit der eigenen Führungsleute noch 2,33. Für die Wahrnehmung durch Dritte, also für Medienpräsenz und Auszeichnungen, bloss 1,62. Je weniger eine Firma allein kontrollieren kann, desto leiser wird sie.
Ein Quadrant ist dicht gedrängt
Trägt man beide Dimensionen gegeneinander auf, zerfällt die Branche in vier Gruppen. 30 Firmen (14 Prozent) sind «Leaders», stark in beidem. 19 (9 Prozent) sind «Introverts»: profiliert, aber unsichtbar. 80 (36 Prozent) sind «Laggards».
Die grösste Gruppe aber sind die «Superficials»: 91 Firmen oder 41 Prozent, die überdurchschnittlich viel kommunizieren auf einer Identität von im Schnitt 1,16 Punkten.
An der Spitze der Gesamtrangliste steht die Westschweizer Capital Y, vor Aurea Global Investments und der Basler Tareno, die zugleich die Deutschschweizer Rangliste anführt.

Schweizweite Top 10. (Grafik: SEAMIx)
Die drei Ranglisten nach Grössenklasse führen Capital Y, Adventus Capital und Aurea Global Investments an. Alle drei Klassensieger stehen auch in der Gesamtwertung weit vorn: Capital Y auf Rang eins, Aurea Global Investments auf Rang zwei, Adventus Capital auf Rang fünf.

Top 10 bei den grösseren, mittleren und kleineren Vermögensverwaltern. (Grafik: SEAMIx)
Regional zeigt sich: Die Deutschschweiz aktiviert härter (2,91) auf dünnerer Identität (1,52), in der Romandie ist die Identität etwas besser definiert (1,66), aber kommt weniger öffentlich zur Geltung (2,46). 45 Prozent der Westschweizer Firmen haben keinerlei Medienpräsenz, in der Deutschschweiz sind es 25 Prozent.
Weit verbreiteter Mut zur Lücke
Nur 28 Prozent formulieren einen Unternehmenszweck (zum Vergleich: bei den Schweizer Privatbanken sind es die Hälfte).
Ihre Werte identifizieren immerhin 66 Prozent. Von diesen 146 Firmen beanspruchen 81 – also eine Mehrheit von 55 Prozent – «Unabhängigkeit» für sich. Es folgen Transparenz, Integrität und Vertrauen.
62 Prozent der Firmen haben keine einzige echte redaktionelle Erwähnung, nur 5 Prozent gelten als anerkannte Fachstimme.















