275 Jahre Rahn+Bodmer Co.: «Viele Besucher sind von uns überrascht»

Rahn+Bodmer Co. vereint 275 Jahre Tradition mit frischem Unternehmergeist – und bleibt ein Sonderfall auf dem Finanzplatz Zürich. Eine Begegnung. 

«Wir sind die älteste Bank der Schweiz – und zugleich eine sehr junge Bank», sagt Christian Bidermann im Gespräch mit finews.ch. Gegründet wurde das Institut 1750 als Seidenhandelshaus. Erst später entwickelte sich daraus ein Finanzunternehmen, welches heute zu den letzten Privatbanken mit persönlicher Haftung gehört. «Wir sind mit Haut und Haar dabei. Wir haften als Partner mit unserem Privatvermögen für die Verpflichtungen der Bank», sagt Bidermann, seit 2001 Partner des Familienunternehmens. Das schaffe Vertrauen, aber auch Demut: «Wir gehen neue Geschäftsfelder grundsätzlich konservativ an. Wenn wir uns nicht ganz sicher sind, machen wir es lieber nicht.»

Von der Vermögensverwaltung zur ganzheitlichen Beratung

Aus der klassischen Vermögensverwaltung ist ein ganzheitlicher Ansatz geworden. Früher lag der Fokus primär auf dem Anlagegeschäft. Mittlerweile beraten sie ihre Kundschaft auch bei Steuerfragen, Nachlassregelungen oder Immobilienverkäufen. Die Kunden seien inzwischen informierter und digital versierter. Der persönliche Austausch bleibe aber zentral: «Das Vertrauen in den Berater sowie die Kontinuität der Beziehung sind ausschlaggebend. Dies war früher so und ist auch heute so.»

Junge Vermögende wollen mehr als Rendite

Auch bei der jungen Kundschaft sei der persönliche Draht unverzichtbar. «Sie möchten als eigenständige Persönlichkeiten mitreden und ernstgenommen werden. Nicht als Kinder von xy», betont Christian Bidermann. Kommunikation müsse heute schnell, direkt und individuell erfolgen und das mit klaren Ansprechpartnern statt endlosen Callcenter-Schleifen.

Dass Rahn+Bodmer jung denkt, zeigt sich auch intern: «Viele Besucher sind überrascht, wie viele junge Mitarbeitende wir haben. Das prägt unsere Kultur stark», sagt Bidermann. Gerade diese Mischung aus Erfahrung und Frische mache das Institut besonders.

Empfang der ältesten Schweizer Privatbank (Bild: zVg)

Ein ganzes Jahr Jubiläum

275 Jahre – das sind über zwei Jahrhunderte Schweizer Finanzgeschichte. Entsprechend stolz blickt die Bank auf ihr Jubiläum: «Wir feiern dies nicht mit einem Einzelevent, sondern mit einem umfassenden Konzept gemeinsam mit unseren Kunden und Mitarbeitenden. Vom 1.Januar bis zum 31. Dezember zelebrieren wir jeden Tag ein Stück unserer aussergewöhnlichen Vergangenheit.» Sie sei dabei aber kein musealer Rückspiegel, sondern diene mehr als ein Kompass: «Es gibt dieses schöne Sprichwort: Zukunft braucht Herkunft. Wer nach vorne will, muss auch wissen, woher er kommt.»

Seine liebste Freizeitbeschäftigung: Segeln

Trotz Stolz auf das Erreichte, ruht sich das Haus nicht auf den Lorbeeren und seiner Historie aus. Das grosse Ziel sei es, die Bank in guter Verfassung als Partner und Unternehmer an die nächste Generation zu übergeben. Die langfristige Perspektive sei entscheidender als schneller, kurzfristiger Erfolg.

Christian Bidermann selbst kam 1997 zu Rahn+Bodmer, nach einem Lizentiat in Ökonomie an der Universität Zürich. 2001 trat er die Nachfolge seines Vaters an, dem letzten der Vorgeneration. Seit 2009 ist er zudem im Vorstand der Vereinigung Schweizer Privatbanken aktiv. Privat findet er den Ausgleich im Rahmen seiner Familie auf dem Wasser: «Segeln, nicht nur auf dem Zürichsee, zählt zu meinen grössten Leidenschaften», verrät der dreifache Familienvater. 

Kundenzone Sitzungszimmer RICHTIG

Sitzungszimmer für die Kundschaft (Bild: zVg)

Untergang der Credit Suisse

Den Finanzplatz Schweiz beobachtet der Bankier mit wachem Blick. Der Fall der Credit Suisse habe Spuren hinterlassen: «Dass eine Bank dieser Grösse notübernommen werden musste, war ein Schock. Dies sowohl fürs Image der Schweiz als auch für uns kleinere Institute, die auf Dienstleistungen grosser Banken angewiesen sind.» Gleichzeitig habe Rahn+Bodmer zahlreiche neue Kunden begrüssen dürfen.

Engagement über das Bankgeschäft hinaus

Verantwortung endet bei Rahn+Bodmer nicht an der Bürotür. Die Bank unterstützt unter anderem das Zentrum für Neurowissenschaften und dessen Erforschung der neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Oder auch für die internationale Organisation «Right to Play», welche benachteiligten Kindern spielerisch Zugang zu Bildung verschafft.

«Verantwortung ist für mich gelebte Haltung. Und diese Haltung darf Rahn+Bodmer auch in die nächsten 275 Jahre tragen», so Bidermann.