Privatbanken-Index: Drei Westschweizer Institute an der Spitze

Das Schweizer Private Banking befindet sich seit geraumer Zeit in einem schwierigen Strukturwandel. Konsolidierung, steigende Regulierungskosten, Margendruck und veränderte Kundenerwartungen prägen die Branche. Diese Realität wird regelmässig durch Rankings und Analysen dokumentiert, die jeweils unterschiedliche Bruchlinien des Marktes freilegen.

Zu den etabliertesten gehört die jährliche Studie von KPMG zum Schweizer Private Banking (siehe finews-Beitrag zum Bericht 2025 auf Basis der Zahlen von 2024). Sie liefert – anonymisiert – einen umfassenden Überblick über Profitabilität, Kosteneffizienz und zentrale finanzielle Trends auf Grundlage der publizierten Geschäftsberichte.

Die Goldman-Sachs-Überraschung

Einen ähnlich zahlengetriebenen Zugang wählt der Sektorenbericht von IFBC, der Leistungswerte, Skaleneffekte und strategische Positionierungen im Markt analysiert.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte jüngst eine weitere Perspektive: Fin21 und der ZHAW-Forscher Chris Künzle präsentierten in Zusammenarbeit mit finews eine Studie, deren Resultat überraschte. Sie kam zum Schluss, dass Goldman Sachs die derzeit potenteste Private-Banking-Einheit in der Schweiz stellt – vor den traditionsreichen heimischen Instituten. Ein Befund, der gängige Annahmen über Grösse, Effizienz und Wettbewerbspositionierung im Schweizer Wealth Management auf den Prüfstand stellte.

Ein stärker qualitativer Zugang

All diesen Analysen ist gemeinsam, dass sie auf harten Finanzkennzahlen aus Geschäftsberichten beruhen. Weitgehend ausgeblendet bleibt dabei eine schwerer fassbare Dimension: Wie sich Schweizer Privatbanken selbst darstellen und welche strategische Relevanz dieses Selbstbild besitzt.

An diesem Punkt setzt der Swiss Private Banking Identity Index (SPBIx) an. Der Index, gestern in seiner zweiten Ausgabe publiziert, stammt von Jean-François Hirschel, Gründer der Genfer Strategieberatung H-Ideas, und Markus Kramer, Managing Partner der Branding-Beratung Brand Affairs. Er verschiebt den analytischen Fokus bewusst weg von der finanziellen Performance hin zur Markenidentität und deren Aktivierung im Markt.

Zweck, Werte und Positionierung

Anstatt Bilanzen oder Erfolgsrechnungen zu untersuchen, analysiert der SPBIx, wie klar Schweizer Privatbanken ihr Selbstverständnis formulieren, ausgedrückt durch ihren Zweck, ihre Werte und ihre Positionierung, und wie konsequent sie diese Identität in sichtbares Marktverhalten übersetzen.

Die zugrundeliegende Annahme ist naheliegend: In einer Branche, die von langfristigen Beziehungen und Reputation lebt, sollte Identität eine Rolle spielen. Die Frage ist, ob sie es tatsächlich tut und wie sich dieser Faktor messen lässt.

Was der Index misst

Der SPBIx untersucht 58 «reine» Schweizer Privatbanken, definiert als Institute mit Hauptsitz in der Schweiz, die nicht von einer ausländischen Muttergesellschaft dominiert werden. Sämtliche Bewertungen stützen sich ausschliesslich auf öffentlich zugängliche Informationen – Websites, publizierte Aussagen, öffentliche Kommunikation des Managements, kulturelle Narrative sowie externe Plattformen wie Mitarbeiterbewertungsportale.

Rund 30 Einzelkriterien werden auf einer Skala von 0 bis 5 bewertet und zu zwei Dimensionen zusammengefasst:

  • Identität (70 Prozent Gewichtung): Zweckformulierung, Wertesysteme, Klarheit der Positionierung sowie die innere Kohärenz zwischen Zweck und Werten.
  • Aktivierung (30 Prozent Gewichtung): Sichtbarkeit des Managements, Storytelling, kulturelle Transparenz, Konsistenz über verschiedene Kanäle hinweg sowie Indikatoren zur Mitarbeiterbindung.

Auf dieser Basis werden die Banken in vier Kategorien eingeteilt: Leaders, Introverts, Superficials und Laggards – je nachdem, wie gut Identität und Aktivierung ineinandergreifen.

Top 3 aus der Westschweiz

An der Spitze der Rangliste zeigt sich 2026 ein klares geografisches Muster: Die drei bestplatzierten Banken haben ihren Sitz in der Westschweiz. Pictet führt das Ranking an, gefolgt von Piguet Galland und Banque Heritage. Auf Rang vier folgt die UBS; komplettiert werden die Top 10 durch die PKB Private Bank, Vontobel, die Zürcher Kantonalbank, die Graubündner Kantonalbank, Lienhardt & Partner und Mirabaud:

spbix winner top 10 switzerland 2026
Top-10-Ranking. (Bild: zVg)

Auf Nachfrage von finews erklären die Autoren, dass gegenüber der letztjährigen Ausgabe weder Methodik noch Gewichtung angepasst wurden. Die Resultate von 2026 sind damit direkt mit jenen von 2025 vergleichbar.

Diese methodische Kontinuität rückt auch die diesjährigen Ergebnisse ins rechte Licht. Im Vorjahr hatte Vontobel überraschend den Spitzenplatz belegt – ein Resultat, das gerade deshalb für Aufmerksamkeit sorgte, weil es gängigen Vorstellungen von Markenführerschaft im Schweizer Private Banking widersprach, wie finews damals festhielt.

Ein verdichtetes Spitzenfeld

Das Ranking 2026 zeichnet nun ein stark verdichtetes Bild an der Spitze, mit mehreren Instituten, die eng beieinander liegen. Dies deutet darauf hin, dass die Überraschung des Vorjahres weniger ein Ausreisser war als vielmehr ein Signal dafür, wie schmal die Unterschiede unter den führenden Marken geworden sind und wie sensibel die Rangfolge infolgedessen auf graduelle Verbesserungen reagiert.

Entsprechend mahnen die Autoren zur Zurückhaltung bei der Interpretation einzelner Positionswechsel. In einer schriftlichen Stellungnahme an finews halten sie fest: «Die Top 10 liegen 2026 extrem dicht beieinander. Pictet war bereits im letzten Jahr sehr stark und hat nun seine Spitzenposition bestätigt. Vontobel gehört weiterhin zu den stärksten Marken im Schweizer Private Banking, ist aber zurückgefallen, weil andere Banken erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um ihre Identität und Aktivierung zu verbessern. In einem Feld wie in der Formel 1 können kleinste Unterschiede grosse Auswirkungen haben.»

Moderate Fortschritte

Damit wird zugleich eine strukturelle Schwäche solcher Ranglisten sichtbar: Wenn Unterschiede marginal sind, drohen symbolische Verschiebungen den Blick auf substanzielle Entwicklungen zu verstellen. Belastbar ist weniger der einzelne Rang als vielmehr die wiederholte Präsenz (oder Abwesenheit) bestimmter Institute im Spitzenfeld.

Insgesamt weist der Index auf eine moderate Verbesserung hin. Der durchschnittliche SPBIx-Wert stieg von 1,84 auf 2,11 Punkte. Der Anteil der als «Laggards» eingestuften Banken sank von 59 auf 53 Prozent, während 16 Prozent nun als «Leaders» gelten.

Die Brücke zur finanziellen Performance

Vor diesem Hintergrund versuchen die Autoren explizit, ihre identitätsbezogenen Befunde mit den klassischen finanziellen Kennzahlen zu verknüpfen, die in den meisten Private-Banking-Studien dominieren. Zwar analysiert der SPBIx weder Bilanzen noch Rentabilitätskennzahlen, doch versteht er Markenidentität als ergänzende Perspektive – als möglichen Erklärungsansatz dafür, weshalb gewisse Institute über längere Zeit besser abschneiden als andere.

Tatsächlich zeigen die Autoren eine Korrelation zwischen hohen SPBIx-Werten und Wachstumskennzahlen auf. Banken in den Top 10 erreichen einen Growth Score von 153 gegenüber 140 im Branchendurchschnitt. Dieser Wert basiert auf dem Wachstum der verwalteten Vermögen, den Netto-Neugeldern im Verhältnis zu den AuM sowie den Netto-Neugeldern pro Mitarbeiter. Der Befund ist aufschlussreich, aber mit Vorsicht zu geniessen. Korrelation bedeutet keine Kausalität. Starke Marken mögen schneller wachsen; ebenso möglich ist jedoch, dass starke Banken schlicht über mehr Ressourcen verfügen, um in Kommunikation, digitale Präsenz und kohärente Erzählungen zu investieren.

Ein diagnostischer Spiegel

Der SPBIx erhebt nicht den Anspruch, die etablierten Finanzanalysen des Schweizer Private Banking zu ersetzen. Sein Wert liegt an anderer Stelle: als diagnostischer Spiegel, der offenlegt, wie uneinheitlich Schweizer Privatbanken Zweck, Werte und Kultur kommunizieren.

Ebenso wichtig ist, was der Index nicht misst: Kundenzufriedenheit, Qualität interner Entscheidungsprozesse, Governance oder tatsächliche Investitionen in Markenarbeit. Der SPBIx gibt den sichtbaren Abdruck der Markenkommunikation wider.