Warum zögern Frauen beim Investieren?
Die Studie «Frauenperspektiven 2026» der UBS und gfs.bern wurde dieses Jahr erstmals durchgeführt und untersucht, wie Frauen in der Schweiz mit Finanzen, Vorsorge und Investitionen umgehen. Befragt wurden 2037 Personen ab 16 Jahren, darunter 1014 Frauen und 1019 Männer.
Ein zentrales Ergebnis: Für Frauen steht beim Umgang mit Geld vor allem Stabilität im Vordergrund: 94 Prozent der befragten Frauen geben an, dass Geld ihnen ein Gefühl von Sicherheit gibt. Auch wenn es darum geht, Geld auf die Seite zu legen oder zu investieren, dominiert dieses Sicherheitsbedürfnis klar. 57 Prozent nennen Sicherheit als besonders wichtig, langfristiger Vermögensaufbau folgt mit 34 Prozent und Rendite liegt mit 21 Prozent deutlich dahinter.
Deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Damit unterscheiden sich Frauen in ihrer Haltung zu Geldanlagen teilweise deutlich von Männern. Während Frauen eher auf Absicherung ausgerichtet sind, gewichten Männer Rendite und Vermögensaufbau höher. Zwar nehmen Frauen Finanzfragen als wichtig für ihren Lebensalltag wahr, das Interesse an Geldanlagen bleibt aber vergleichsweise verhalten. 42 Prozent der Frauen geben an, am Thema Geldanlagen nicht interessiert zu sein.
Auffällig ist zudem die Lücke zwischen finanzieller Selbstkompetenz und Investitionsverhalten. Mehr als acht von zehn Frauen schätzen ihren Umgang mit Geld als gut oder sehr gut ein. Dennoch investieren viele nur zurückhaltend oder informieren sich gar nicht aktiv über Geldanlagen. 28 Prozent der Frauen geben an, sich aktuell nicht über Investitionen zu informieren. Wer sich doch informiert, greift dabei am häufigsten auf Bankberaterinnen und -berater zurück, während auch Familie, Freunde und traditionelle Medien als Informationsquellen genutzt werden.
Die Zurückhaltung beim Investieren ist aber nicht einfach ein Ausdruck fehlender Kompetenz. Vielmehr treffen mehrere Faktoren aufeinander. 41 Prozent der Frauen sagen, sie hätten zu wenig Geld zum Investieren. Weitere Hürden sind Unsicherheit bezüglich der Risiken, fehlendes Wissen über Geldanlagen, mangelndes Vertrauen in Banken oder Finanzinstitute sowie die Angst, etwas falsch zu machen.
Finanzthemen als mentale Belastung
Hinzu kommt, dass finanzielle Themen für Frauen nicht nur eine Frage des Budgets sind, sondern auch eine mentale Belastung darstellen. Frauen sind häufiger als Männer finanziell herausgefordert und empfinden Geldfragen stärker als psychischen Stressfaktor. 36 Prozent der Frauen geben an, dass finanzielle Themen einen grossen Anteil ihrer alltäglichen mentalen Belastung ausmachen. Bei Männern liegt dieser Anteil deutlich tiefer.
Auch der Faktor Zeit spielt eine zentrale Rolle. Knapp drei von zehn Frauen fühlen sich häufig oder sehr häufig zu ausgelastet, um sich mit Finanz- oder Vorsorgethemen auseinanderzusetzen. Weitere 28 Prozent erleben dies zumindest manchmal. Die Studie verweist zudem auf den Mental Load im Alltag: Eine Mehrheit der Frauen hat oft oder sehr oft das Gefühl, zu viele Dinge gleichzeitig organisieren oder im Blick behalten zu müssen. Wer ohnehin stark belastet ist, hat weniger Zeit und Energie, sich vertieft mit Finanzthemen auseinanderzusetzen.
Alltagsfinanzen im Griff
Beim Blick in die Haushalte zeigt sich allerdings auch, dass viele Frauen ihre Finanzen durchaus im Griff haben. 84 Prozent wissen ziemlich oder sehr genau, wie hoch das monatliche Einkommen ihres Haushalts ist. Beim Haushaltsvermögen ist das Wissen etwas weniger ausgeprägt: Rund jede fünfte Frau hat nur eine grobe Vorstellung davon oder kennt den Betrag gar nicht.
Auch bei der Aufgabenteilung zeigt sich ein Muster. Operative Finanzaufgaben übernehmen Frauen häufig selbst: 45 Prozent bezahlen laufende Rechnungen und führen die Haushaltsadministration mehrheitlich selbst, 41 Prozent füllen die Steuererklärung mehrheitlich selbst aus. Je strategischer die finanzielle Entscheidung wird, desto häufiger wird sie gemeinsam getroffen. Über grössere Ausgaben entscheiden 68 Prozent gemeinsam, bei Anlage- und Portfolioentscheiden sind es 44 Prozent.
Finanzielle Sicherheit als Lebensgefühl
Die Studie zeigt auch einen Zusammenhang zwischen finanzieller Selbstwahrnehmung und Lebenszufriedenheit. Frauen, die ihren Umgang mit Geld als sehr gut einschätzen, sind deutlich zufriedener mit ihrem Leben als jene, die sich dabei unsicher fühlen. Verheiratete Frauen weisen mit 84 Prozent besonders hohe Zufriedenheitswerte auf. Dies dürfte auch mit sozialer Einbettung, geteilter Verantwortung und einem stärkeren Sicherheitsgefühl zusammenhängen.
Für Banken, Finanzdienstleister und auch die Politik ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Frauen müssen nicht einfach nur stärker zum Investieren motiviert werden. Vielmehr müssen Angebote stärker an ihrer Lebensrealität ansetzen. Die Studie macht deutlich: Viele Frauen haben die Grundlage für einen guten Umgang mit Geld bereits. Für Banken dürfte deshalb entscheidend sein, Frauen nicht nur mit Renditeargumenten anzusprechen, sondern stärker bei Sicherheit, Zeitmangel und konkreter Orientierung anzusetzen.















