Schweizer Privatbanken: Viel Dynamik beim Neugeld

Zum Rekord bei den verwalteten Vermögen trugen vor allem die Kunden bei. Wie die am Mittwoch veröffentlichte Studie von KPMG Schweiz zeigt, stiegen die Netto-Neugelder auf rund 96 Milliarden Franken, etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2021.

Die Studie wird seit 14 Jahren methodisch weitgehend unverändert publiziert. Grundlage sind die effektiven Geschäftsberichte der Banken (vorliegend: für das Jahr 2025).

Die Marktentwicklung steuerte netto 81 Milliarden Franken bei, deutlich weniger als die 332 Milliarden des Vorjahres. Ohne den schwachen Dollar wäre dieser Beitrag rund 150 Milliarden Franken höher ausgefallen.


Treiber des Vermögenszuwachses. (Grafik: KPMG Schweiz)

Erstmals seit Jahren lieferten auch Übernahmen wieder einen spürbaren Wachstumsbeitrag von rund 35 Milliarden Franken.

Pascal Sprenger, Partner und Leiter Financial Services bei KPMG, führt die Zuflüsse auf die Standortgunst zurück: «Schweizer Privatbanken profitieren in geopolitisch unsicheren Zeiten vom Ruf der Schweiz als sicherer Hafen. So dürften nicht zuletzt die Spannungen im Nahen Osten zu zusätzlichen Neugeldzuflüssen beigetragen haben.»

Wachstum, aber weniger Gewinn

Mehr Vermögen bedeutet allerdings nicht mehr Ertrag. Der Branchenumsatz stieg 2025 nur um 1,5 Prozent auf 21,6 Milliarden Franken. Weil die Kosten mit rund 3 Prozent stärker zulegten, gingen die Gewinne im Schnitt über alle Grössenklassen zurück.

Am härtesten traf es die mittelgrossen Institute: Ihr Nettogewinn brach um rund 46 Prozent ein. Bei den grossen Banken betrug der Rückgang rund 6 Prozent, bei den kleinen 5 Prozent. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis der Branche stieg im Median von 75,6 auf 78,2 Prozent.

Christian Hintermann, Studienleiter und Partner bei KPMG, sieht darin das eigentliche Problem: «Wachstum bei den verwalteten Vermögen allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob daraus nachhaltige Erträge und Effizienzgewinne entstehen.»

Kosten laufen dem Wachstum davon

Genau diese Effizienzgewinne blieben aus. Über die vergangenen fünf Jahre verbesserten sich Ertrag und Kosten je verwaltete Milliarde Franken kaum. Rund 70 Prozent der Ausgaben entfallen auf das Personal, das sich in guten Jahren nur schwer abbauen lässt.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Banken vor allem dann an den Kosten arbeiten, wenn es schlechter läuft. Läuft es gut, wie derzeit, lässt der Spardruck nach.

Unter 80 und weiter abwärts

Parallel beschleunigt sich die Konsolidierung. Die Zahl der Schweizer Privatbanken sank 2025 von 85 auf 80 und nach der Zwangsliquidation der MBaer Merchant Bank bis Ende Mai 2026 auf 79. Vor fünfzehn Jahren waren es noch 156.

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Anzahl Privatbanken in der Schweiz. (Grafik: KPMG Schweiz)

Treiber sind die acht grössten Institute, die «Big 8»: Edmond de Rothschild, EFG, J. Safra Sarasin, Julius Bär, Lombard Odier, Pictet, UBP und Vontobel. Den grössten Deal seit 2013 stemmte J. Safra Sarasin mit der Übernahme der Saxo Bank und deren 105 Milliarden Franken an Vermögen; weil die Transaktion erst im März 2026 abgeschlossen wurde, ist sie in den Zahlen für 2025 jedoch noch nicht enthalten. Daneben gingen kleinere Häuser wie die Banque Thaler an CA Indosuez und Cité Gestion an EFG, und mit der Banque Richelieu trat ein neuer ausländischer Anbieter in den Markt ein (finews berichtete).

Hintermann rechnet damit, dass die Zahl der Privatbanken bis 2030 deutlich unter 70 fällt: «Die Konsolidierung wird sich fortsetzen, insbesondere bei den kleineren Instituten. Diese sind nicht zuletzt auch für internationale Anbieter attraktiv, die ihre Präsenz im Schweizer Markt ausbauen oder neu aufbauen möchten.»

Künstliche Intelligenz: viel Versuch, wenig Wirkung

Erstmals widmet die Studie der künstlichen Intelligenz ein eigenes Kapitel. An der Zusatzumfrage beteiligten sich 34 Banken. Rund vier Fünftel setzen KI bereits ein, allerdings vor allem für einzelne Aufgaben wie das Verfassen von Kundenkorrespondenz, kaum für ganze Prozesse.

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Umfrage unter 34 Privatbanken: Häufigste Einsatzgebiete von KI. (Grafik: KPMG Schweiz)

Entsprechend tief sind die Investitionen: Nur rund 18 Prozent der Banken steckten 2025 mehr als 500'000 Franken in KI, 2026 sollen es rund 30 Prozent sein. Messbare Effekte bleiben bislang aus. 76 Prozent der Institute erwarten in den nächsten zwölf Monaten Kosteneinsparungen von höchstens 2 Prozent. Im AI Advancement Index der Universität St. Gallen gelten erst 16 von 73 Banken als fortgeschritten oder führend.

«Für die Branche ist KI derzeit vor allem ein strategisches Thema. Als Ergebnistreiber spielt sie bislang noch eine untergeordnete Rolle», sagt Hintermann.