Wall-Street-Banken passen Compliance wegen Polymarket und Co an

Mehrere Wall-Street-Banken haben ihre Verhaltenskodizes für Mitarbeitende um Vorschriften zu Wetten auf Prognosemärkten ergänzt. Einige Institute haben ihren Beschäftigten Wetten auf Verträge untersagt, die mit Finanzmärkten oder politischen Ereignissen verknüpft sind, wie die Nachrichtenagentur «Reuters» unter Berufung auf Kreise schreibt.

Goldman Sachs schrieb in einem kürzlich veröffentlichten internen Memo, dass die Unternehmensrichtlinie Mitarbeitenden die Teilnahme an ereignisbasierten Verträgen untersagt, die mit Finanzmärkten oder politischen Ereignissen zusammenhängen und tatsächliche oder vermeintliche Interessenkonflikte mit der Bank, ihren Kunden oder der Finanzbranche insgesamt verursachen könnten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle.

Prognosemarkt-Plattformen sind Handelsplätze, auf denen Kontrakte zu einer Vielzahl von Ereignissen – etwa Wahlen, Sportveranstaltungen oder dem Wetter – gehandelt werden. Sie ähneln klassischen Wettangeboten, wie sie bislang vor allem von Buchmachern angeboten wurden. Plattformen wie Kalshi und Polymarket sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, was im Vorfeld der US-Kongresszwischenwahlen Bedenken hinsichtlich der regulatorischen Aufsicht geweckt hat.

Disziplinarische Massnahmen

Den Angaben zufolge könnten Verstösse gegen die Richtlinie disziplinarische Massnahmen bis hin zur Kündigung nach sich ziehen. Zudem könnten Mitarbeitende verpflichtet werden, Gewinne aus verbotenen Geschäften abzuführen.

Die Einschränkungen gelten nach Angaben der Quelle jedoch nicht für Wetten auf Prognosemärkten im Zusammenhang mit Sport- oder Unterhaltungsereignissen.

Auch bei Morgan Stanley enthält der Verhaltenskodex für Mitarbeitende nach Angaben einer Quelle Regelungen zu Wetten auf Prognosemärkten sowie zu weiteren Themen rund um Handel und Investitionen. Die Person wollte keine Einzelheiten zu den Richtlinien nennen.

J.P. Morgan Chase verfügt ebenfalls über eine entsprechende Regelung im Verhaltenskodex. Diese untersagt Mitarbeitenden den Handel auf Grundlage nicht öffentlicher, vertraulicher Informationen und erstreckt sich laut einer Bankquelle auch auf Wetten auf Prognosemärkten.

Die Bank of America beschränkt ihre Mitarbeitenden zudem beim Handel mit bestimmten Ereignis- oder Prognosemarkt-Kontrakten, darunter solche zu einzelnen Unternehmen, makroökonomischen Entwicklungen oder Ereignissen im Finanzdienstleistungssektor, wie es heisst.

Ein Sprecher der Bank of America bestätigte, dass das Institut seine Richtlinien kürzlich aktualisiert habe, um verbotene Aktivitäten für Mitarbeitende klarer zu definieren und entsprechende Beispiele aufzunehmen.

In der Schweiz illegal

Polymarket und ähnliche Plattformen sind in der Schweiz illegal. Die Plattform gilt als nicht bewilligtes Online-Glücksspiel. Daher ist der Zugang für Nutzer mit Wohnsitz in der Schweiz gemäss dem Geldspielgesetz gesperrt und der Service darf hier nicht angeboten werden.