Wall-Street-Banken profitieren von Marktvolatilität
J.P. Morgan Chase hat den höchsten Quartalsgewinn ihrer Unternehmensgeschichte erzielt. Neben den hohen Volumen im Aktienhandel steuerte auch die Visa-Beteiligung einen Beitrag von 4,6 Milliarden Dollar zum Quartalsgewinn bei.
Die Einnahmen aus dem Aktienhandel stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 86 Prozent auf 6,03 Milliarden Dollar, wie J.P. Morgan Chase am Dienstag mitteilte.
Damit übertraf die Bank selbst die höchste Schätzung der von «Bloomberg» befragten Analysten. Die gesamten Handelserträge beliefen sich auf 12,1 Milliarden Dollar und lagen damit über dem bisherigen Rekord, der erst im ersten Quartal dieses Jahres aufgestellt worden war.
Der Nettogewinn von J.P. Morgan belief sich im Quartal auf 21,2 Milliarden Dollar beziehungsweise 7,70 Dollar je Aktie. Nahezu alle Geschäftsbereiche übertrafen die Erwartungen. Dennoch zeigte sich Vorstandschef Jamie Dimon vorsichtig beim Blick nach vorn.
«Mehrere Risiken verschieben sich unter der Oberfläche wie tektonische Platten, darunter geopolitische Spannungen und Kriege, hartnäckige Inflation, hohe globale Haushaltsdefizite und erhöhte Vermögensbewertungen», erklärte Dimon. «Wir können nicht vorhersagen, wie sich diese Kräfte letztlich auswirken werden. Sie könnten beherrschbar bleiben, aber sie könnten auch erhebliche Störungen verursachen, wenn sie sich verschieben oder aufeinanderprallen.»
Dritter Rekord in Folge
Auch Goldman Sachs stellte neue Bestmarken im Aktienhandel auf und erzielte im zweiten Quartal Einnahmen von 7,42 Milliarden Dollar. Es war bereits das dritte Quartal in Folge, in dem die Aktienhandelssparte der Bank einen neuen Rekord aufstellte. Allein in den vergangenen drei Monaten erzielte die Sparte höhere Einnahmen als im gesamten Jahr 2019.
Die Erträge aus dem Aktienhandel stiegen gegenüber dem Vorjahr um 72 Prozent. Ausschlaggebend waren sowohl höhere Finanzierungserträge als auch Gewinne aus der Strukturierung und Vermittlung von Handelspositionen, teilte Goldman Sachs im Rahmen der Quartalszahlen mit.
Auch die Handelsabteilung übertraf nach einem enttäuschenden ersten Quartal die Erwartungen. Die Investmentbanker erzielten die höchsten Gebühreneinnahmen seit 2021, getragen von einer starken Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie der Emission von Aktien und Anleihen.
Im Handel erwirtschaftete die Bank 4,59 Milliarden Dollar. Die Gebühren aus dem Investmentbanking beliefen sich auf 3,4 Milliarden Dollar und lagen damit über den Erwartungen.
Auch die Vermögensverwaltung von Goldman Sachs wächst weiter kräftig. Das verwaltete Vermögen stieg im zweiten Quartal auf 4,04 Billionen Dollar – mehr als 700 Milliarden Dollar über dem Vorjahreswert. Die Einnahmen der Sparte legten gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zu.
Einen Rekord markierte auch der Nettoertrag der Bank mit 20,3 Milliarden Dollar. Zwar stiegen auch die Kosten, doch die Vergütung der Mitarbeiter nahm langsamer zu als die Einnahmen. Während die Einnahmen um 39 Prozent zulegten, erhöhten sich die Personalkosten um 30 Prozent.
Vier von fünf Geschäftsfeldern über den Erwartungen
Bei der Citigroup stiegen die Einnahmen aus dem Aktienhandel im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Zum bisherigen Rekord aus dem ersten Quartal ist das ein Plus von 11 Prozent.
Insgesamt übertrafen vier der fünf wichtigsten Geschäftsbereiche – Bankgeschäft, Services, Märkte und Vermögensverwaltung – die Analystenerwartungen. Der Gewinn je Aktie lag bei 3,15 Dollar und übertraf sämtliche 20 Analystenschätzungen.
Transaktionspipelines gut gefüllt
Auch die vierte US-Grossbannk, die Bank of America, stellte im zweiten Quartal einen Rekord im Aktienhandel auf. Hier profitierte auch das Investmentbanking von einer Wiederbelebung des Geschäfts mit Fusionen und Übernahmen.
Die Einnahmen aus dem Aktienhandel stiegen im zweiten Quartal um 70 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren legte um knapp 9 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zu, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Die Stärke an den Finanzmärkten führte zudem zu einer deutlichen Belebung des Investmentbankings. Die Sparte erzielte Einnahmen von 2,2 Milliarden Dollar. Der Analystenkonsens hatte laut Bloomberg bei 1,91 Milliarden gelegen. Die Gebühreneinnahmen aus der Beratung bei Fusionen und Übernahmen stiegen um knapp 68 Prozent auf 558 Millionen Dollar.
«Kurzfristig bleiben die Transaktionspipelines gut gefüllt, und auch die Kreditnachfrage von Unternehmen hat zugenommen», erklärte Vorstandsvorsitzender Brian Moynihan.
Das Geschäft mit Aktienemissionen (Equity Capital Markets) erzielte im zweiten Quartal Einnahmen von 535 Millionen Dollar, während das Geschäft mit Anleiheemissionen 1,1 Milliarden Dollar einbrachte.













