Bankenbeben in Italien: Monte dei Paschi greift nach zwei Rivalen
Die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) geht in die Offensive. Das Institut hat am Freitag zwei parallele Übernahmeangebote für Banco BPM und den Vermögensverwalter Banca Generali lanciert, wie Reuters berichtet. Beide Transaktionen sollen vollständig über Aktien finanziert werden.
Für Banco BPM bietet MPS rund 25,3 Milliarden Euro, Banca Generali wird mit rund 8,7 Milliarden Euro bewertet. Zusammen erreicht das Volumen damit rund 34 Milliarden Euro.
Angriff als Verteidigung
Hinter der spektakulären Doppelofferte steckt allerdings mehr als reine Expansionslust. MPS selbst steht unter erheblichem Übernahmedruck: Intesa Sanpaolo hatte im Juni ein unaufgefordertes Angebot über rund 36 Milliarden Euro für die Bank aus Siena vorgelegt.
Das MPS-Management um CEO Luigi Lovaglio lehnt diese Avancen ab. Auch in Rom stösst eine Übernahme durch den italienischen Branchenprimus auf Vorbehalte. Die Regierung befürchtet unter anderem eine weitere Konzentration des heimischen Bankenmarktes.
Mit der gleichzeitigen Übernahme von Banco BPM und Banca Generali versucht Lovaglio nun, die Kräfteverhältnisse grundlegend zu verändern.
Italiens drittgrösste Bank
Sollten beide Transaktionen zustande kommen, würde ein Finanzkonzern mit einer Pro-forma-Bilanzsumme von rund 466 Milliarden Euro entstehen. Die gesamten verwalteten beziehungsweise betreuten Finanzvermögen würden sich nach Angaben von MPS auf mehr als 810 Milliarden Euro belaufen. Damit würde die Gruppe zur drittgrössten Bank Italiens aufsteigen.
MPS rechnet zudem mit erheblichen Skaleneffekten. Die jährlichen Synergien vor Steuern sollen sich auf rund 2,6 Milliarden Euro belaufen.
Für die Aktionäre von MPS ist zusätzlich eine ausserordentliche Ausschüttung von insgesamt 4 Milliarden Euro vorgesehen. Diese soll teilweise in bar und teilweise in Form von Aktien des Versicherungskonzerns Generali erfolgen. MPS hält über die im vergangenen Jahr übernommene Mediobanca rund 13 Prozent an Generali.
Banca Generali stärkt das Wealth Management
Strategisch besonders interessant ist der Griff nach Banca Generali. Der Vermögensverwalter würde das Wealth-Management-Geschäft der Gruppe deutlich stärken und MPS stärker über das traditionelle Kreditgeschäft hinaus diversifizieren.
Banca Generali stand bereits im vergangenen Jahr im Mittelpunkt des italienischen Übernahmepokers. Damals hatte Mediobanca versucht, den Vermögensverwalter zu übernehmen, während Mediobanca selbst von MPS attackiert wurde. Diese Transaktion kam letztlich nicht zustande.
MPS setzte sich dagegen bei Mediobanca durch. Nach dieser Übernahme erreicht die Bank inzwischen eine Marktkapitalisierung von rund 36 Milliarden Euro.
Neue Runde im italienischen Bankenpoker
Ob Lovaglios Plan aufgeht, ist allerdings offen. Die Doppeltransaktion benötigt sowohl die Zustimmung der Aktionäre als auch der zuständigen Aufsichtsbehörden. MPS strebt einen Abschluss bis Mitte Februar 2027 an, wie Euronext Live berichtet.
Entscheidend dürfte zudem die Haltung einflussreicher Aktionäre der beiden Zielgesellschaften werden. Beim Banco BPM spielt insbesondere die französische Crédit Agricole eine wichtige Rolle, während bei Banca Generali der Versicherungskonzern Generali von zentraler Bedeutung ist.















