Schweizer Single Family Offices geben sich neue Spielregeln

Die rund 300 Single Family Offices (SFO) in der Schweiz halten beziehungsweise verwalten ein geschätztes Gesamtvermögen von rund 785 Milliarden Franken. Und dennoch agieren sie  weitgehend ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung. 

Gleichzeitig werden ihre Strukturen komplexer: regulatorische Anforderungen nehmen zu, Vermögenswerte werden internationaler, Nachfolgefragen anspruchsvoller und die Erwartungen an Governance und Risikomanagement steigen.

Vor diesem Hintergrund stand der neue Code of Conduct, den die Swiss Single Family Office Association (SFOA) diesen Herbst erstmals herausgibt, im Zentrum einer gemeinsamen Veranstaltung von Union Bancaire Privée (UBP) und finews in Zürich.

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Von links: Kurt Mossmann, Monica Espinosa und Carl Wieandt. (Bild: zVg)

Auf dem Podium diskutierten Kurt Moosmann, Präsident der Swiss Single Family Office Association, Carl Wieandt, als Vertreter eines Single Family Office, sowie Monica Espinosa, Head of Family Office Solutions bei UBP. Moderiert wurde die Diskussion von Dominik Buholzer, CEO und Chefredaktor von finews.

Mehr Professionalität, ohne die Eigenständigkeit aufzugeben

Der Code of Conduct markiert einen weiteren Schritt in der Professionalisierung der Schweizer Family-Office-Landschaft. Im Zentrum stehen Fragen der Governance, der Verantwortlichkeiten und der Standards, an denen sich professionell geführte Single Family Offices orientieren können.

Dabei wurde in der Diskussion deutlich, dass sich Single Family Offices kaum über einen einheitlichen Ansatz erfassen lassen. Ihre Strukturen unterscheiden sich erheblich – abhängig von der Grösse des Vermögens, der Zahl der Familienmitglieder, der Generationenstruktur, den Anlageklassen und der internationalen Ausrichtung.

Genau darin liegt eine zentrale Herausforderung: Ein Code of Conduct muss Orientierung bieten, ohne den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Familien ein zu enges Korsett aufzuerlegen.

Governance wird zur Schlüsselfrage

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag entsprechend auf der Governance. Je grösser und komplexer ein Familienvermögen wird, desto wichtiger werden klare Entscheidungsprozesse, definierte Verantwortlichkeiten sowie funktionierende Kontrollmechanismen.

Das gilt nicht nur für die Vermögensanlage. Family Offices übernehmen zunehmend Aufgaben, die weit darüber hinausreichen – von Steuer- und Rechtsfragen über Nachfolgeplanung und Philanthropie bis hin zur Verwaltung direkter Unternehmensbeteiligungen.

Damit verändert sich auch das Anforderungsprofil an die Organisation. Die traditionelle Vorstellung eines kleinen, diskret operierenden Büros, das primär das liquide Familienvermögen verwaltet, greift bei vielen grossen Vermögen längst zu kurz.

Die Balance zwischen Familie und professionellen Strukturen

Eine weitere Herausforderung liegt im Verhältnis zwischen Eigentümerfamilie und professionellem Management. Beim Übergang von einer Generation zur nächsten müssen Interessen, Anlageziele und Risikovorstellungen neu aufeinander abgestimmt werden.

Professionelle Governance soll dafür sorgen, dass Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden und Zuständigkeiten geklärt sind.

Dabei bleibt die Besonderheit eines Single Family Office bestehen: Anders als ein klassischer Finanzdienstleister ist es letztlich ausschliesslich einer Familie beziehungsweise deren Vermögen verpflichtet. Diese langfristige Perspektive kann ein erheblicher Vorteil sein, verlangt aber gleichzeitig klare Regeln für den Umgang mit Interessenkonflikten und Verantwortlichkeiten.

Banken müssen ihre Rolle neu definieren

Die zunehmende Professionalisierung verändert zugleich das Verhältnis zwischen Family Offices und Banken. Viele grosse Single Family Offices verfügen heute selbst über erhebliche Investmentkompetenz und treten Finanzinstituten auf Augenhöhe gegenüber.

Für Banken reicht es deshalb immer weniger, einzelne Anlageprodukte anzubieten. Gefragt sind vielmehr spezialisierte Dienstleistungen, Zugang zu Investmentmöglichkeiten, Finanzierungslösungen, Custody sowie Expertise bei komplexen grenzüberschreitenden Fragestellungen.

Internationales Interesse am Schweizer Modell

Der Vorstoss der Swiss Single Family Office Association stösst auch ausserhalb der Schweiz auf Interesse. An internationalen Finanzplätzen wird aufmerksam verfolgt, wie sich für Single Family Offices gemeinsame Standards etablieren lassen, ohne deren unternehmerische Freiheit und die sehr unterschiedlichen Strukturen der Familien einzuschränken.

Gerade darin liegt die Besonderheit eines solchen Regelwerks: Es soll nicht zusätzliche Regulierung schaffen, sondern Orientierung bei Governance, Verantwortlichkeiten und professionellen Standards bieten. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Family Offices beschäftigt die Frage nach solchen Leitplanken zunehmend auch andere internationale Finanzzentren.

Der Schweizer Code of Conduct könnte damit über den heimischen Finanzplatz hinaus Signalwirkung entfalten. Die SFOA positioniert die Schweiz in einer internationalen Diskussion darüber, wie sich Professionalisierung, Diskretion und Eigenständigkeit von Single Family Offices miteinander verbinden lassen.