Alpian: Steiniger Aufstieg zur digitalen Privatbank
Es ist eine erfreuliche Mitteilung, mit der die Genfer Digitalbank Alpian für das Jahr 2025 aufwartete: Die Bank «verdreifacht die
Provisionserträge bei erstmals sinkendem Nettoverlust» (finews berichtete).
Der Nettoverlust sank 2025 erstmals seit der Gründung, von 29,4 Millionen Franken im Jahr 2024 auf noch 28,5 Millionen Franken im Jahr 2025. Die Kundenbasis wuchs um 65 Prozent, die Kundenvermögen um 56 Prozent auf rund 238 Millionen Franken. Der Geschäftsaufwand hingegen ging um 2 Prozent zurück.
Starkes Signal
Und mit der Übernahme der 20'000 Kunden von Radicant (finews berichtete), die in den ersten Monaten des Jahres 2026 über die Bühne ging, sandte Alpian ein starkes Signal des entschlossenen Wachstums aus.
Wie auch im vergangenen Jahr hat finews den Geschäftsbericht analysiert: Wo steht Alpian in ihrem Ansinnen, dereinst mit digitalem Private Banking für das «Mass Affluent»-Segment Geld zu verdienen?
Anhaltende Erweiterung der Kundenbasis
Die anhaltende Erweiterung der Anzahl Kunden (plus 65 Prozent im Jahr 2025) und der gesunkene operative Aufwand sind positive Signale. Sie täuschen aber nicht darüber hinweg, dass Alpian noch ein weiter Weg bevorsteht.
Ende 2024 kamen auf einen Alpian-Kunden knapp 9'000 Franken an Einlagen und Anlagen, Ende 2025 waren es noch rund 8'500 Franken. Die Bank bestätigt diese Rechnung auf Anfrage: Das durchschnittliche Kundenvermögen sei 2025 um 5,8 Prozent gesunken.
Radicant drückt den Schnitt weiter
Und die Entwicklung setzte sich nach dem Bilanzstichtag fort. Im April 2026 schloss Alpian die Migration des übernommenen Radicant-Portfolios ab. Seither zählt die Bank über 40'000 Kunden und verwaltet 289 Millionen Franken – macht noch gut 7'200 Franken pro Kunde.
Alpian spricht von einem «mechanischen Effekt», der entstehe, wenn auf einen Schlag sehr viele Kunden dazukämen. Seit dem Transfer steige der Schnitt wieder.
Kunden fangen an zu investieren
Zurück zur Jahresrechnung 2025: Ermutigend ist eine andere Kennzahl. Die investierten Kundenvermögen nahmen von 26,3 auf 61,5 Millionen Franken zu – mehr als eine Verdoppelung. Damit stieg der Anteil der investierten Gelder an den gesamten Kundenvermögen von 17 auf 26 Prozent. Die Kunden legen ihr Geld zwar immer noch zaghaft, aber immerhin zunehmend an.
Das scheint auch dringend angezeigt. Denn Einlagen sind für die Bank inzwischen ein Verlustgeschäft: Der Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft rutschte 2025 mit minus 288'000 Franken ins Negative, nach plus 147'000 Franken im Vorjahr. Der Zinsertrag brach von 899'000 auf noch 259'000 Franken ein, während die Bank ihren Kunden weiterhin 547'000 Franken an Zinsen vergütete. Der Leitzins der Nationalbank lag Anfang 2026 bei null.
Auf der Bremse beim Marketing
Deutlich sichtbar ist auch, dass Alpian bei der Kundengewinnung vom Gas gegangen ist. Der Kommissionsaufwand – im Wesentlichen die Kosten der Neukundenakquisition – sank um 43 Prozent auf 741'000 Franken. Im Vorjahr hatte die Bank die damals hohen 1,3 Millionen Franken noch mit einer besonders erfolgreichen Akquisitionskampagne begründet.
Es habe sich um einmalige Investitionen gehandelt, die sich seither normalisiert hätten, heisst es nun; die früheren Marken- und Akquisitionsausgaben hätten die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden gesenkt.
Gleichzeitig verdreifachte sich der Kommissionsertrag auf 1,21 Millionen Franken, getragen von Anlagemandaten und der Kartenaktivität aus der Amex-Partnerschaft. Unter dem Strich resultierte erstmals ein positiver Kommissionserfolg von 471'000 Franken – nach minus 902'000 Franken im Vorjahr.
Intesa Sanpaolo baut Beteiligung aus
Bei den Kosten fällt die Verschiebung auf: Der Sachaufwand sank um 10,5 Prozent auf 12,5 Millionen Franken, der Personalaufwand stieg um 8,5 Prozent auf 11,9 Millionen. Ende 2025 beschäftigte Alpian 76 Mitarbeiter, vier mehr als ein Jahr zuvor. Der kumulierte Verlustvortrag beläuft sich inzwischen auf 115,1 Millionen Franken.
Finanziert wird das von der italienischen Mutter. 2025 führte Alpian eine Kapitalerhöhung über 40 Millionen Franken durch; der Anteil von Fideuram – Intesa Sanpaolo Private Banking stieg dabei von 51,1 auf 62,9 Prozent. Durch spätere Aktienkäufe erhöhte Fideuram ihren Anteil bis Ende Juni 2026 nochmals auf nun 92,35 Prozent.
Eine weitere Kapitalerhöhung ist Teil des mehrjährigen Kapitalplans und durchläuft derzeit das Bewilligungsverfahren; der Handelsregistereintrag wird in den kommenden Wochen erwartet.
Zeithorizont: Fünf bis neun Jahre
Einen Termin für den Breakeven nennt Alpian auf Anfrage von finews nicht. Vergleichbare europäische Digitalbanken hätten zwischen fünf und neun Jahren bis zur Profitabilität gebraucht, heisst es. Alpian hat die Banklizenz im Mai 2022 erhalten und steht damit im vierten vollen Geschäftsjahr.
Die Zeichen sind also ermutigend: Die Kunden investieren mehr, die Neukundenakquise wird billiger, der Verlust schrumpft. Von einem Gewinn ist die Neobank aber immer noch sehr weit entfernt. Bis jetzt sieht es so aus, als sei der Hauptinvestor bereit, diesen langen und teuren Weg weiter zu gehen.
Und Alpian, so schreibt die Bank, arbeite «an einem nachhaltigen Geschäftsmodell, anstatt kurzfristige Resultate zu optimieren».














