Asia Reloaded: Geopolitische Veränderungen eröffnen neue Chancen
Geschätzte Herren, Sie sind eben aus Asien zurückgekehrt. Welche Erkenntnisse haben Sie aus Ihren Treffen mit lokalen Investment-Experten gewonnen?
Rumen Angelov: Der persönliche Austausch mit lokalen Experten ist wichtig, denn Asien ist kein einheitlicher Markt. Gerade in China ist die Aktien- und Sektor-Selektion derzeit noch entscheidender als anderswo.
Während der Immobiliensektor weiter herausfordert und der Konsum sich nur zögerlich erholt, eröffnen Technologie, E-Mobilität und erneuerbare Energien spannende Perspektiven. Unsere Gespräche zeigten: Lokales Know-how und starke Netzwerke sind unerlässlich, um Chancen zu nutzen und Risiken zu reduzieren.
Die Aktienmärkte in Asien haben 2025 die USA deutlich übertroffen. Ist das ein Ausnahmejahr für Asien, oder erkennen Sie einen nachhaltigen Trend?
Reto Ineichen: Die asiatischen Aktienmärkte profitieren von einer beschleunigten strukturellen Verschiebung der globalen Wirtschaftskräfte. Die neue US-Administration mit ihren handelspolitischen Prinzipien und der gezielten Schwächung des Dollars hat diesen Wandel im Jahr 2025 zusätzlich deutlich verstärkt.
Asien ist in der neuen multipolaren Weltordnung zweifellos zu einem zweiten Zentrum globaler Wirtschaftskraft aufgestiegen. Getrieben wird der Wachstumsschub vor allem durch Digitalisierung und Automatisierung, verstärkt durch umfangreiche staatliche Reformprogramme in China, Südkorea und Japan.
Welche Faktoren treiben aktuell die Attraktivität des chinesischen Aktienmarktes?
Reto Ineichen: China hat in den letzten Jahren eine graduelle Transformation durchlaufen — weg von einem Immobilien-getriebenen Modell hin zu stärkerem Fokus auf Technologie und Innovation, unterstützt durch konsequente staatliche Reformen und Effizienzprogramme – unterlegt mit dem chinesischen Fünf-Jahresplan, der unter anderem den Fokus auf die technologische Selbständigkeit, Binnenwachstum und «Quality Growth» setzt.
Die Aktien-Bewertungen bleiben attraktiv und die Kapitalzuflüsse sind enorm mit netto mehr als 50 Milliarden Dollar allein im bisherigen Jahresverlauf.
Warum sollte Asien langfristig der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft sein?
Rumen Angelov: Asien ist mit 60 Prozent der Weltbevölkerung und 45 Prozent des globalen BIP bereits heute der bedeutendste Wachstumstreiber.
Laut IWF wird das Wirtschaftswachstum der asiatischen Schwellenländer bis 2026 mit rund 4,5 Prozent doppelt so hoch sein wie in den Industrieländern. Die nachfolgende Grafik illustriert dies eindrücklich.
Wachstumslücke des BIP: Asien vs. Rest der Welt (2000–2025)
(Quelle: Alpinum IM; zum Vergrössern, Grafik anklicken)
Hauptgründe sind eine junge Bevölkerung, technologische Führerschaft in Bereichen wie Halbleiter, E-Mobilität und digitale Dienstleistungen sowie staatliche Reformen und ein stark wachsender innerasiatischer Handel.
Welche Märkte finden neben China und Indien Beachtung?
Reto Ineichen: Neben Südkorea mit seinen Reformprogrammen sind es vor allem Märkte mit einem wachsenden Binnen- als auch Exportmarkt wie Vietnam (Elektronikexporte, Produktionsverlagerungen) oder Indonesien (Batterie- und EV-Wertschöpfungskette), aber auch Länder wie Thailand und Malaysia (EV-Komponenten, Solartechnik).
Für Anleger sind die attraktiven Bewertungen (MSCI Asia ex Japan KGV 12-13 versus S&P 500 über 23) und das höhere Gewinnwachstum besonders interessant. Investoren erhalten hier strukturelles Wachstum mit Bewertungsabschlag.
Wie sollten Anleger investieren – aktiv oder passiv?
Reto Ineichen: Asiens Vielfalt und Dynamik sprechen klar für aktives Management. Passive Anlagen bilden den Markt ab und können als Baustein dienen, doch in weniger effizienten Märkten wie China erzielen Spitzenmanager mit aktivem, selektivem Ansatz deutliche Mehrerträge.
Daher bevorzugen wir aktive Fonds und Long/Short-Strategien, die lokale Chancen und Bewertungsdifferenzen gezielt nutzen und langfristig überlegene risikoadjustierte Ergebnisse liefern.
Und welche Rolle spielen Hedgefonds?
Rumen Angelov: Hedgefonds werden im asiatischen Portfolio immer wichtiger. Sie bieten langfristig substanzielle Überrenditen bei nur etwa halber Aktienmarktvolatilität und schützen besonders in Börsenkorrekturen, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht.
Der Nutzen eines Absolute-Return-Ansatzes
(Quelle: Alpinum IM; zum Vergrössern, Grafik anklicken)
Die Region bietet dank Marktineffizienzen attraktive Alpha-Chancen bei geringer Volatilität. Der Zugang zu über 1'000 asiatischen Hedgefonds gelingt am einfachsten und sichersten über europäisch regulierte Onshore-Vehikel, wobei eine sorgfältige Due Diligence mit einem Spezialisten unerlässlich ist.
Reto Ineichen ist CIO und Partner von Alpinum Investment Management, einem unabhängigen, von der Finma lizenzierten Asset Manager in Zürich. Das 14-köpfige Team verwaltet seit 2014 rund 2 Milliarden Dollar für qualifizierte Investoren. Der Fokus liegt auf Credit, Private Debt und alternativen Anlagen, mit besonderer Asien-Expertise.
Rumen Angelov ist Portfoliomanager im Bereich Hedgefonds und Asien-Experte. Alpinum IM setzt auf Absolute-Return mit striktem Risikomanagement und der Nutzung globaler Opportunitäten.


















