Start 2026: Weshalb Selektivität entscheidend ist
Ich beginne das Jahr bewusst strukturiert und mit Abstand zum Marktgeschehen. Die ersten Wochen dienen dazu, strategische Annahmen zu überprüfen, Szenarien zu aktualisieren und Prioritäten im Team zu schärfen. Auch persönliche Reflexion gehört dazu, denn ein klarer Kopf ist gerade in volatilen Phasen entscheidend. Der operative Fokus folgt danach sehr diszipliniert.
Das Marktumfeld wird weiterhin von Geldpolitik, Inflation und globalem Wachstum geprägt sein. Entscheidend ist weniger das absolute Zinsniveau als die Geschwindigkeit und Berechenbarkeit geldpolitischer Anpassungen. Gleichzeitig bleibt die Produktivitätsentwicklung – insbesondere durch Digitalisierung und KI – ein zentraler struktureller Treiber.
Schwellenländer gewinnen an Attraktivität
Geopolitische Risiken wie regionale Konflikte, wirtschaftliche Fragmentierung und Spannungen zwischen grossen Wirtschaftsblöcken wirken weniger schockartig, dafür aber dauerhaft belastend auf Lieferketten, Investitionen und Risikoprämien.
Die Marktbreite bleibt uneinheitlich: Während Mega-Caps dominieren, entstehen selektiv Chancen in zyklischen und vernachlässigten Segmenten. Die USA sind strukturell stark, Europa ist differenziert zu betrachten und ausgewählte Schwellenländer gewinnen wieder an Attraktivität.
Aktien bleiben daher ein zentraler Portfoliobaustein
Wir gehen von einem stabilen globalen Wachstum von rund 3 Prozent aus. Dieses wird von fiskalischen Impulsen, gradueller geldpolitischer Lockerung und einem robusten Investitionszyklus getragen – insbesondere in den Bereichen Technologie, Infrastruktur und Industrie. Aktien bleiben daher ein zentraler Portfoliobaustein mit Fokus auf Qualität, Cashflow-Stärke und aktive Sektorrotation.
Regional bleiben die USA attraktiv, gestützt durch Gewinnwachstum, einen robusten Finanzsektor und hohe Technologieinvestitionen. Europa und die Schweiz sehen wir zunehmend als sinnvolle Ergänzung abseits des Konsenses. Begünstigt werden sie durch fiskalische Impulse, sinkende Finanzierungskosten und moderate Inflation. In Asien agieren wir selektiv: Japan profitiert von Reformen und fiskalischen Impulsen, China bleibt ein taktisches Thema. In den Schwellenländern bevorzugen wir aufgrund günstiger Bewertungen und besserer Wachstumsdynamik Lateinamerika und Osteuropa.
Technologiesektor: Fokus verlagert sich
Sektorenseitig setzen wir auf Technologie, Industrie, Finanzwerte und das Gesundheitswesen. Im Technologiesektor verlagert sich der Fokus von reinen KI-Narrativen hin zu realer Monetarisierung, Infrastruktur und Energieversorgung. Themen wie Automatisierung, Robotik, Quantencomputing sowie Energie – insbesondere Gas, alternative Energien und Nuklearenergie – bleiben strategisch relevant. Finanzwerte profitieren von Kreditwachstum, Deregulierung und zunehmender M&A-Aktivität.
Opportunitäten entstehen vor allem durch ausgeprägte Sektor- und Stilrotation. Trotz der hohen Bewertung der Indizes führen Volatilität und politische Unsicherheiten regelmässig zu Fehlbewertungen auf Einzeltitelebene. Attraktiv sind Unternehmen mit Preissetzungsmacht, stabilen Margen und hoher Cashflow-Visibilität. Quantitative und regelbasierte Strategien gewinnen weiter an Bedeutung, insbesondere durch den Einsatz von KI im Risikomanagement.
Die zentrale Unsicherheitsfaktoren
Auf der Risikoseite bleiben geopolitische Spannungen, Inflationsrisiken sowie die hohe Staatsverschuldung – insbesondere in den USA – zentrale Unsicherheitsfaktoren. Aktives Risikomanagement und gezielte Absicherungen sind daher integraler Bestandteil der Portfolioallokation.
Bewusst meiden wir Geschäftsmodelle, die primär von Bewertungsmultiplen abhängig sind, ebenso wie hochverschuldete Titel und reine Momentum-Trades ohne fundamentale Basis. Stattdessen setzen wir auf Diversifikation, quantitative Strategien und strukturelle Portfolio-Schutzmassnahmen, etwa über massgeschneiderte Optionsstrategien.
Maurizio Porfiri, CIO bei Maverix Securities.














