Aevis-Tochter stützt See-Spital – GZO bestätigt Angebot

Die Lage für das in der Nachlasstundung steckende GZO Spital Wetzikon ist nach der formellen Ablehnung des Gesuchs für eine Kantonsgarantie schwierig.

Der Gegenwind für Sanierungsplan und Nachlassvertrag vor der Gläubigerversammlung Mitte Mai ist noch stärker geworden, etliche Obligationäre der überfälligen Anleihe über 170 Millionen Franken scheint das nach einem Nein zum Nachlassvertrag drohende Szenario einer langwierigen Liquidation nicht abzuschrecken, auch wenn sie wohl nicht so weit gehen würden wie Gregor Greber. Der aktivistische Investor hatte bereits Anfang Februar einen Konkurs als «unvermeidlich und als «die beste Lösung» bezeichnet.

Sale and Lease Back sichert Rückzahlung

Immerhin scheint es einem anderen Zürcher Spital zu gelingen, seine Schulden fristgerecht zurückzuzahlen. Das See-Spital, hinter dem eine privatrechtliche Stiftung mit Sitz in Horgen steht, hat eine Anleihe über 100 Millionen Franken ausstehend, die im Juli 2026 fällig wird und wie beim GZO seinerzeit ebenfalls für die Finanzierung eines Neubaus lanciert worden war.

Am Montag gab die an der SIX kotierte Beteiligungsgesellschaft Aevis Victoria bekannt, dass das See-Spital die Liegenschaft am Standort Horgen an die Infracore veräussern und gleichzeitig im Rahmen eines langfristigen Mietvertrags zurückmieten werde (Sale-and-Lease-Back-Lösung). Damit sichere das See-Spital die Refinanzierung der ausstehenden Anleihe und «schafft gemeinsam mit einer auf Spitalimmobilien spezialisierten Immobiliengesellschaft die Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung des Gesundheitscampus».

Spitalbetrieb in Horgen gewährleistet

Der Spitalbetrieb am Standort Horgen sei mit dem langfristigen Mietvertrag sichergestellt. Strategisch ermögliche die Transaktion die Freisetzung von gebundenem Kapital, das gezielt in das Kerngeschäft, d.h., in die Weiterentwicklung des medizinischen Angebots, in medizintechnische Infrastruktur sowie in die Digitalisierung investiert werden könne.

Zudem gewinne das Spital dadurch eine erfahrene Partnerin mit ausgewiesener Expertise in der Entwicklung und Bewirtschaftung von Spitalimmobilien. Infracore mit Sitz in Freiburg im Üechtland hält, entwickelt und bewirtschaftet vorwiegend Spital- und Klinikgebäude. Mehrheitsaktionäre sind Aevis Victoria und Medical Properties Trust, eine auf Immobilien im Gesundheitswesen spezialisierte Anlagegesellschaft in den USA.

Dreieck Infracore, Aevis und Swiss Medical Network

Das Portfolio von Infracore umfasst 47 Immobilien an 19 Standorten in der Schweiz mit einem Wert von 1,4 Milliarden Franken, u.a. die Privatklinik Bethanien in Zürich und das Spital Zofingen. «Die Immobilien sind im Rahmen langfristiger Mietverträge an Spitalbetreiber vermietet, vorwiegend an Swiss Medical Network, das zweitgrösste private Spitalnetzwerk der Schweiz», heisst es in der Medienmitteilung. Auch das Swiss Medical Network gehört zu über drei Vierteln Aevis Victoria, die als zweites Standbein neben dem Gesundheitssektor in der Hotellerie investiert ist.

Infracore-CEO Eric Frey kommentiert: «Diese Partnerschaft passt ideal zu unserem Fokus auf langfristig stabile Gesundheitsinfrastrukturen und ist ein weiterer Meilenstein der Wachstumsstrategie von Infracore in der Schweiz. Gemeinsam mit dem See-Spital schaffen wir die Voraussetzungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Standorts.»

Erleichterte Obligationäre

Und Lorenzo Marazzotta, Präsident des Stiftungsrates des See-Spitals, ist zwischen den Zeilen die Erleichterung anzumerken: «Mit dieser Partnerschaft stärken wir unsere finanzielle Basis nachhaltig und schaffen gleichzeitig die notwendige Flexibilität, um gezielt in die Weiterentwicklung unseres medizinischen Angebots zu investieren, im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeitenden und der Region.»

Positiv fällt auch das Urteil des Marktes aus. An der SIX legten die Obligationen des See-Spitals, die sich seit Jahresbeginn in der Handelsspanne von 90 bis 94 Prozent bewegten, am Dienstag auf 98 Prozent zu. Zum Vergleich: Die notleidenden GZO-Obligationen handeln auf 29 Prozent.

Swiss Medical Network ist bereit, sich bei Lösung für das GZO zu engagieren

Offenbar ist dem See-Spital mit der Transaktion ein Befreiungsschlag gelungen, der noch bestehende Zweifel an der Rückzahlung der Anleihe weitgehend zerstreut hat. Damit liegt die Frage nahe, ob Aevis Victoria auch beim GZO helfen könnte, den gordischen Knoten zu durchschlagen.

Die Beteiligungsgesellschaft hält auf Anfrage von finews fest, Swiss Medical Network stehe bereit, sich für eine Lösung zu engagieren, mit der die Weiterführung des Spitalbetriebs in Wetzikon gesichert werden könnte.

GZO liegt vertrauliches Angebot vor

Das GZO wiederum unterstreicht auf Nachfrage von finews, dass es seit längerem im Austausch mit verschiedenen Gläubigern und potenziellen Investoren steht.

«Aktuell liegt ein schriftliches Angebot vor, das geprüft wird. Das Angebot wurde auf strikt vertraulicher Basis übermittelt. Die Parteien stehen dazu im Austausch. Sobald Erkenntnisse vorliegen, werden wir weiter informieren», hält das GZO in seiner Antwort fest. 

 Ebenfalls ein Schuldenschnitt, aber weniger tief

Wie finews aus dem Markt erfahren hat, soll sich die Offerte von dritter Seite für die Übernahme der GZO-Aktiven in Wetzikon aus einer Barkomponente und einer Restrukturierungsanleihe zusammensetzen. Eine Annahme dieses Angebots ebne einen Weg, um einen Konkurs mit Liquidation zu vermeiden und damit die reibungslose Fortführung des Spitalbetriebs zu gewährleisten.

Auch bei dieser Variante müssten die GZO-Obligationäre wohl einen Schuldenschnitt hinnehmen, der aber wahrscheinlich weniger schmerzhaft ausfallen dürfte als gemäss Sanierungskonzept.

Vielleicht schliesst sich damit gewissermassen ein Kreis. Denn Ende 2023 hatte bekanntlich ein Finanzierungspartner des GZO seine Zusage überraschend zurückgezogen, was dazu führte, dass das Spital Wetzikon, nachdem auch der Kanton Zürich ein Darlehen ablehnte, im April 2024 in die Nachlassstundung flüchten musste. Und es gilt in eingeweihten Kreisen als offenes Geheimnis, dass es sich bei diesem Finanzierungspartner seinerzeit just um Aevis Victoria handelte. Allerdings kursieren auch andere Versionen, die auf eine Bank hindeuten.