Erdbeben an der Spitze von Degussa: CEO und Finanzchef weg

Der Edelmetallhändler Degussa hat am Dienstag mitgeteilt, dass CEO Christian Rauch und Finanzchef Mark Sommer das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Gründe nannte das Unternehmen nicht. Der Schritt sei auf der Sitzung des Verwaltungsrats «im gegenseitigen Einvernehmen» beschlossen worden. Über das personelle Erdbeben an der Degussa-Spitze berichtete zuerst das «Handelsblatt».

Neuer CEO wird Alexander Betz, der zuvor als Chief Digitalisation Officer bei der Immobilieninvestmentgesellschaft Patrizia tätig war. Die Position des CFO übernimmt interimistisch Verwaltungsratsmitglied Tino Porzel. Eigentümer August François von Finck liess verlauten, Degussa stehe «auf einem starken Fundament und ist besser aufgestellt denn je». Für das Jahr 2025 war sogar von Rekordumsätzen die Rede.

Branche rätselt über Gründe

Die Branche rätselt über die Hintergründe des Simultan-Abgangs. Rauch hatte das Unternehmen 2023 übernommen und nach dem Abgang von Geschäftsführer Markus Krall auf einen neuen Kurs geführt. Unter seiner Ägide erzielte Degussa 2025 nach eigenen Angaben das beste Betriebsergebnis der Unternehmensgeschichte – mit einem Umsatz von rund 3 Milliarden Franken (finews berichtete).

Parallel sucht Degussa nun auch nach einem Chief Revenue Officer, um die Wachstums- und Internationalisierungsstrategie voranzutreiben. Der Umbau der Konzernspitze fällt damit in eine Phase, in der der boomende Goldmarkt dem Unternehmen Rückenwind verschafft.

Private Banker für die Schweiz

Auch in der Schweiz wurde die Führung neu sortiert: Sandro Eichenberger hat kürzlich die Rolle als CEO übernommen, wie finews erfahren hat. Gleichzeitig trägt er als Regional Director die Verantwortung für Südeuropa.

Eichenberger bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Finanzsektor mit, primär aus dem Private Banking. Zuletzt war er bei der UBS als Executive Director und Desk Head tätig. Davor verbrachte er rund 17 Jahre bei der Credit Suisse, wo er internationale Desks aufbaute und Teams für nordeuropäische und iberische Märkte leitete. Akademisch abgestützt ist er durch einen Executive MBA der Universität Bern und der University of Rochester sowie einen Abschluss des Swiss Finance Institute.

Signal an Privatbanken und Vermögensverwalter

Die Berufung eines ausgewiesenen Private Bankers an die Schweiz-Spitze gilt in der Branche als Signal: Degussa dürfte sein B2B-Geschäft mit Privatbanken, Vermögensverwaltern und Family Offices intensivieren wollen. Das Unternehmen betreibt in der Schweiz Standorte in Zürich und Genf.

Eichenberger tritt die Nachfolge von Rauch an, der die Schweizer Leitung nach dem Abgang von Andreas Hablützel Ende 2024 interimistisch übernommen hatte.