SGKB sieht SNB in einer komfortablen Situation
Der Cief Investment Officer (CIO) der St. Galler Kantonalbank (SGKB) rechnet nicht damit, dass die SNB noch in diesem Jahr die Zinsen anheben und damit die «Nulllinie» verlassen wird. Zwar hat der Iran-Krieg mit den gestiegenen Energiepreisen und dem Druck auf die Lieferketten auch hierzulande die Inflation etwas angetrieben. Die höheren Ölpreise trafen in der Schweiz jedoch auf eine andere Situation als in anderen Volkswirtschaften, betone Thomas Stucki.
«Der aktueller Erdölpreis ist real betrachtet im historischen Vergleich auf einem Niveau, das nicht unüblich ist», sagte er an einem Presseanlass am Dienstag in Zürich. In den vergangenen Jahren hätten jedoch die Schwankungen zugenommen, was die Unternehmen vor Herausforderungen stelle.
Im Vergleich zu den Energiekrisen der 70-er Jahre habe die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Erdöl abgenommen. «Wichtiger als der Preis ist die Verfügbarkeit.» Zudem sei der Einfluss der Erdölpreise auf die Inflation je nach Land unterschiedlich. Während das Gewicht der Energie im Konsumentenpreisindex in der Schweiz unter 6 Prozent liegt, ist es etwa in Deutschland bei rund 7,5 Prozent oder in den USA bei gut 8 Prozent. Besonders exponiert seien Länder im östlichen Teil Europas wie Ungarn, Polen oder den baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland.
Lieferkettenprobleme gefährlicher als Ölpreis
Welche Folgen der Irankrieg und die Blockade der Strasse von Hormus für die Weltwirtschaft haben wird sei derzeit noch nicht abzuschätzen, betont der CIO weiter. Eine Ausweitung der Lieferkettenprobleme sei für die Wirtschaft aber weit gefährlicher als die höheren Energiepreise. Aber auch dies bedeute, dass sich die Zentralbanken wieder auf die Inflation konzentrieren müssen.
Während die preistreibenden Effekte in den USA und in der Eurozone auf eine bereits bestehende Inflation trafen, war das Niveau in der Schweiz sehrt tief, betont Stucki. Das sei einerseits auf den starken Franken zurückzuführen und andererseits darauf, dass es in der Schweiz anders als in den USA oder den Euroländern keine nennenswerte Erhöhung der Reallöhne gegeben habe.
Zudem verweist Stucki darauf, dass die Fed im Nachgang der Pandemie die Preisentwicklung falsch eingeschätzt habe. Man habe sich zu sehr darauf verlassen, dass die Inflation über dem Zielpfad ab 2021 die zuvor gesehene Inflations-Lücke kompensieren werde und zu spät auf die steigende Inflation reagiert. Demgegenüber sei es der EZB gelungen, näher am 2-Prozent-Pfad zu bleiben.
«Die Preise im Euroraum sind weniger stark gestiegen als in den USA, aber die EZB wurde dennoch noch stärker kritisiert als die Fed», sagte Stucki.
SNB hat Inflation im Griff
Der «Track Record» der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sei deutlich besser als derjenige der meisten anderen Zentralbanken, heisst es weiter. Dafür gebe es mehrere Gründe. So habe die SNB mit dem Inflations-Zielkorridor eine pragmatischere Messgrösse. Zudem sei eine negative Inflationsrate fast immer mit einer starken Aufwertung des Franken verbunden. «Wenn aber die Inflation weltweit steigt, kann sich dem auch die Schweiz nicht ganz entziehen.»
Angesichts der tiefen Inflation und der noch vergleichsweise robusten Konjunktur sieht Stucki derzeit keinen Grund für die SNB die Zinsen anzuheben. «Auch eine Erhöhung auf 0,25 Prozent würde keinen grossen Unterschied machen.»
Die SGKB rechnet damit, dass die steigenden Staatsschulden am Obligationenmarkt zum Thema werden. Das dürfte sich in höheren Renditen niederschlagen. In der Schweiz sei das Potenzial für steigende Kapitalmarktzinsen beschränkt, solange die SNB keine Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung gibt.
Zudem wird mit Verweis auf die steigende Inflationsdifferenz zu anderen Ländern mit einem stärkeren Franken gerechnet.














