Nationalbank macht beim Zinserhöhungszyklus (noch) nicht mit
In den letzten Tagen ist doch nochmals ein Hauch von Spannung in der Luft gelegen. Würde die Schweizerische Nationalbank (SNB) sich dem internationalen Trend anschliessen, und wie die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank oder die Bank of Japan den Leitzins anheben?
Angesichts der fundamental unterschiedlichen Ausgangslage in Bezug auf die Teuerung rechneten die meisten Ökonomen allerdings nicht damit, dass die SNB an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung im September von ihrer Nullzinspolitik abrückt. Während in den USA, im Euroraum und anderswo die Inflationsrate deutlich oberhalb des Bereichs notiert, der mit Preisstabilität vereinbar ist (wobei die Zentralbanken diesen Bereich notabene selber definieren), sieht es in der Schweiz anders aus.
Tiefe Inflation, hoher Zinsbonus
Die für die SNB massgebliche Inflationsrate, die am Landesindex der Konsumentenpreise gemessen wird, hat zwar etwas angezogen, bewegt sich aber weiterhin deutlich unter der Schmerzgrenze; für die Schweizer Währungshüter ist die Preisstabilität gewahrt, wenn die durchschnittliche Jahresteuerung zwischen 0 und 2 Prozent liegt.
In den letzten Monaten hat der sogenannte Zinsbonus, die Differenz zwischen den Zinsen im Ausland und in der Schweiz, deutlich zugenommen, nicht nur bei den Leitsätzen und damit am Geldmarkt. Die Rendite für zehnjährige Anleihen der Eidgenossenschaft bewegt sich zurzeit zwischen 0,50 und 0,60 Prozent. Entsprechende deutsche Bundesanleihen werfen dagegen rund 3,50 Prozent ab, die Rendite von US-Treasuries bewegt sich sogar über der Schwelle von 5 Prozent.
Diese auch im historischen Vergleich aussergewöhnlich grosse Zinsdifferenz gilt als wichtiger Faktor, dass der Franken in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro und dem Dollar an Boden verloren hat.
Inflationsdruck bleibt gemäss SNB harmlos
Die SNB hat sich davon erwartungsgemäss nicht beeindrucken lassen und den Leitzins beibehalten. Wie gewohnt hat sie auch ihre Bereitschaft zur Devisenmarktinterventionen wiederholt.
Mittelfristig habe der Inflationsdruck nur leicht zugenommen, heisst es im Communiqué. «Die Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und stützt die Wirtschaftsentwicklung.» Der Hauptindikator und das Schlüsselelement auch für die Kommunikation der Geldpolitik, die bedingte Inflationsprognose, wurde zwar leicht angehoben. Die Prognose beträgt für 2026 0,7 Prozent (bisher 0,6), für 2027 0,8 Prozent (0,6) und für 2028 0,8 Prozent (0,7), liegt damit aber weiterhin komfortabel im Bereich der Preisstabilität.
Frankenabwertung stützt die Konjunktur
Besser als erwartet entwickelt hat sich die Weltwirtschaft; wie gewohnt betont die SNB die hohen Unsicherheiten. Für 2026 geht die SNB von einem Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts in der Grössenordnung von 1,5 bis 2 Prozent aus, für 2027 veranschlagt sie unverändert 1,5 Prozent.
Geldpolitik und Frankenabwertung wirkten stützend, anerkennt die SNB.













