Was Banker von einem Sommer am Meer lernen können
Von Laurent Picard, Portfoliomanager bei Bellevue Asset Management
Jedes Jahr um diese Zeit freue ich mich auf einige intensive Tage in Nizza anlässlich der jährlichen European Small Cap Conference von Bernstein, eine Veranstaltung, die anspruchsvolle Arbeit mit einer aussergewöhnlichen Kulisse verbindet. Wir verbringen lange Tage im Austausch mit den Managementteams, und der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Nun haben wir ein deutlich klareres Bild davon, wie die Unternehmen ihre Strategien umsetzen, sodass wir unsere Investmentthesen weiter schärfen können. Und der Sommer macht den Aufenthalt natürlich umso angenehmer.
Im Laufe der Jahre haben sich einige Rituale etabliert. Ich übernachte immer im Hôtel Amour, einem Boutique-Hotel nur wenige Gehminuten von der Promenade des Anglais entfernt. Die Abende verbringe ich oft im traditionellen Niçoiser Restaurant Davia, wo Gespräche über die Märkte bei ausgezeichneten regionalen Spezialitäten gemeinsam mit befreundeten Fondsmanagern fortgesetzt werden. Und wenn es der Zeitplan erlaubt, fahre ich für ein Abendessen ans Meer zum Paloma Beach in Saint-Jean-Cap-Ferrat. Dieser Aufenthalt zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass die besten Investmentgespräche oft fernab der Konferenzräume stattfinden.
Sommerliches Treiben auf der Limmat
Als ich in Paris aufwuchs, bedeutete Zeit in der Natur meist, ein ganzes Wochenende einzuplanen. Das änderte sich mit meinem Umzug nach Zürich grundlegend. Im Sommer gehört ein Besuch in der Badi nach der Arbeit zu meinen Lieblingsritualen. Und auch wenn ich niemandem das Schwimmen in der Seine empfehlen würde, sich an einem Sommerabend auf der Limmat treiben zu lassen, sollte man mindestens einmal erlebt haben.
Im Winter ist die Erholung genauso unkompliziert. Wenn die Wetterprognose vielversprechend ist, genügt ein spontaner Entscheid am Freitagabend, und am nächsten Morgen steht man bereits auf der Skipiste. Besonders gerne zieht es mich ins Bergus Radons bei Savognin, Ein gemütliches Berghotel, das im Winter nur mit dem Schneemobil erreichbar ist. Unabhängig von der Jahreszeit reichen oft wenige Stunden, um vollständig abzuschalten. Dank des hervorragend ausgebauten Bahnnetzes wirken selbst abgelegene Orte ganz nah. Eine meiner Lieblingswanderungen beginnt am Klöntalersee, wo steile Bergflanken direkt aus dem türkisfarbenen Wasser aufragen – eine Landschaft, die mich jedes Mal aufs Neue beeindruckt und mir bewusst macht, wie privilegiert ich bin, die Schweiz mein Zuhause nennen zu dürfen.
Zugang zu verlässlicher Energie entscheidend
Das Anlageumfeld bleibt aussergewöhnlich unsicher. Wechselnde geopolitische Allianzen, eine zunehmend fragmentierte Weltwirtschaft und die Rückkehr protektionistischer Handelspolitik sorgen für erhöhte Volatilität und erschweren den wirtschaftlichen Ausblick. Auch wenn diese Entwicklungen die kurzfristige Marktstimmung belasten können, stärken sie gleichzeitig mehrere langfristige Investmentthemen, die aus unserer Sicht über Jahre hinweg an Bedeutung gewinnen werden.
Ein zentrales Thema ist Sicherheit und Souveränität. Dieses beschränkt sich längst nicht mehr bloss auf steigende Verteidigungsausgaben. Europa misst strategischer Unabhängigkeit heute in den Bereichen Verteidigung, Technologie und Energie gleichermassen wirtschaftliche wie politische Bedeutung bei.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Energiesektor. Europa verbraucht nach wie vor deutlich mehr Erdgas, als es selbst produziert, und bleibt damit auf externe Lieferanten angewiesen. Gleichzeitig gewinnt die Elektrifizierung der Wirtschaft zunehmend an strategischer Bedeutung.
Die Modernisierung der alternden Stromnetze ist deshalb zu einer zentralen Priorität geworden. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien sind erhebliche Investitionen in Übertragungs- und Verteilnetze erforderlich, um deren schwankende Einspeisung auszugleichen und gleichzeitig eine zuverlässige und bezahlbare Stromversorgung sicherzustellen.
Diese Investitionen sind nicht nur entscheidend für die Reduktion des CO₂-Ausstosses Europas, sondern auch für die Bereitstellung einer stabilen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung, die künftig energieintensive Anwendungen wie Rechenzentren oder künstliche Intelligenz benötigen werden. Aus unserer Sicht wird der Zugang zu ausreichend verfügbarer, zuverlässiger und planbarer Elektrizität zu einem entscheidenden Faktor für die Produktivität und das langfristige Wirtschaftswachstum Europas.
Wettbewerbsfähigkeit Europas verbessert sich
Gleichzeitig beobachten wir in Europa eine Hinwendung zu pragmatischeren wirtschaftspolitischen Ansätzen. Zwar dürfte dieser Prozess nicht geradlinig verlaufen, doch mehren sich die Anzeichen, dass europäische Wettbewerbsbehörden Konsolidierungen stärker unterstützen, wenn diese die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas verbessern. Gerade für Small- und Mid-Cap-Unternehmen ist dies von Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund konzentrieren wir uns weiterhin auf Unternehmen mit starken Wettbewerbspositionen, soliden Bilanzen und einer klaren Ausrichtung auf diese strukturellen Wachstumstrends, anstatt Portfolios an kurzfristigen makroökonomischen oder politischen Entwicklungen auszurichten.













