Schweizer M&A-Markt: Mehr Deals, aber deutlich weniger Volumen

Weltweit stieg das Volumen an Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) im ersten Halbjahr 2026 laut dem Bericht der Boston Consulting Group (BCG) um 28 Prozent auf etwa 1,64 Billionen Dollar. Damit erreichte der Markt den stärksten Halbjahreswert seit dem Boom von 2021 und 2022.

Die Erholung beruht jedoch zu einem grossen Teil auf sehr grossen Transaktionen. Im ersten Halbjahr wurden weltweit 31 Deals mit einem Wert von mindestens 10 Milliarden Dollar gezählt, nach 17 im Vorjahreszeitraum. Bei kleineren Transaktionen bleibt die Aktivität dagegen gedämpft. BCG spricht deshalb eher von einer Normalisierung als von einer Rückkehr zu den Boomjahren.

 

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Grafik: BCG

Deutlich tiefere Volumen in der Schweiz

Etwas anders sieht das Bild aus, wenn man den Schweizer Markt allein betrachtet. Hier stehen laut dem Report weniger Megadeals einer wachsenden Zahl kleinerer und mittlerer Transaktionen gegenüber.

172 abgeschlossene Übernahmen mit Schweizer Zielunternehmen markierten im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit 2022. Auf den ersten Blick spreche dies für eine klare Belebung des hiesigen M&A-Marktes. Das Bild verändert sich jedoch, sobald das Volumen betrachtet wird: Der Gesamtwert der Transaktionen mit Schweizer Targets sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf noch 9,7 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite kauften Schweizer Firmen in den ersten sechs Monaten für 25 Milliarden Dollar Beteiligungen im Ausland, 7 Prozent weniger als in der gleichen Periode 2025.

Das Fazit laut BCG: In der Schweiz wird wieder häufiger gekauft und verkauft, doch die grossen, marktprägenden Übernahmen fehlen. Die Aktivität verlagert sich auf kleinere und mittelgrosse Deals. Für Berater, Banken und Private-Equity-Häuser bedeute dies mehr Bewegung im Markt, allerdings mit tieferen durchschnittlichen Transaktionswerten.

Europa steht etwas besser da

Für die Schweiz ist insbesondere die Entwicklung in Europa relevant. Der europäische M&A-Sentiment-Index lag Mitte 2026 bei 101 Punkten und damit als einzige grosse Region leicht über dem langfristigen Durchschnitt von 100. Der globale Index erreichte dagegen lediglich 84 Punkte.
Die bessere europäische Stimmung bedeute allerdings nicht, dass sämtliche Unsicherheiten verschwunden sind. Geopolitische Risiken, Handelskonflikte, volatile Energiepreise und weiterhin erhöhte Finanzierungskosten erschwerten die Bewertung und Finanzierung grenzüberschreitender Transaktionen. Viele Käufer gingen deshalb gezielt vor und konzentrierten sich auf Deals mit einer klaren strategischen Logik.

Finanzbranche bleibt ein wichtiger Treiber

Besonders hoch ist die Zuversicht im Finanzsektor. Finanzdienstleister führen den BCG-Sentiment-Index mit 108 Punkten an. Dahinter stehen strukturelle Faktoren: Banken, Versicherer und Vermögensverwalter benötigen mehr Grösse, investieren hohe Summen in Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) und kaufen Fähigkeiten zu, die sich intern nicht schnell genug aufbauen lassen.

Margendruck, steigende regulatorische Anforderungen und hohe Technologieinvestitionen erhöhen den Anreiz, Plattformen zusammenzuführen oder spezialisierte Anbieter zu übernehmen.

In Europa wird zudem die Konsolidierung im Bankensektor attraktiver, auch wenn regulatorische und politische Hürden grosse Transaktionen weiterhin verzögern können. Bei Vermögensverwaltern steht der Ausbau von Private-Markets-Kompetenzen im Vordergrund, während Versicherer vor allem Spezialanbieter, Rückversicherungsplattformen sowie Lebens- und Rentengeschäfte prüfen.

KI verändert die Logik von Übernahmen

KI ist einer der wichtigsten Treiber der aktuellen M&A-Welle. Unternehmen erwerben Technologie, Datenzugang und Fachkräfte, weil sie diese Fähigkeiten organisch häufig nicht schnell genug entwickeln können. Das betrifft nicht nur Softwarefirmen, sondern auch Rechenzentren, Halbleiter, Cybersecurity und Energieinfrastruktur.

Gleichzeitig wächst die Vorsicht bei den Bewertungen. Technologie erzielte im ersten Halbjahr zwar das höchste Dealvolumen aller Branchen, wies mit 52 Punkten aber den tiefsten Sentiment-Wert auf. Käufer investieren damit kräftig in das KI-Thema, hinterfragen jedoch zunehmend, ob die hohen Bewertungen nachhaltig sind.

Private Equity steht unter Handlungsdruck

Zusätzlichen Schub erhält der Markt durch Private Equity. Unternehmen und Finanzinvestoren verfügen laut BCG zusammen über fast 2 Billionen Dollar an nicht investiertem Kapital. Gleichzeitig steigt der Druck, ältere Beteiligungen zu verkaufen und Kapital an Investoren zurückzuführen.

Dies begünstige vor allem Add-on-Übernahmen, Carve-outs und kleinere Plattformtransaktionen. Genau dieses Muster passt zur Schweizer Halbjahresbilanz: mehr Abschlüsse, aber weniger Gesamtvolumen. Anstelle einzelner Milliardenübernahmen rücken gezielte Zukäufe und Portfoliobereinigungen in den Vordergrund.