Digitalisierungs-Transformation lässt noch auf sich warten
Die Digitalisierung der Schweizer Retailbanken schreitet deutlich langsamer voran, als es die technologische Entwicklung vermuten lässt. Das ist das Fazit der IFZ-Studie zu Bank-IT und Sourcing der HSLU.
Die Branche suche einen Weg zwischen regulatorischem Druck, technologischer Innovation und steigenden Kundenerwartungen. Als einen zentralen Faktor machen die Autoren dabei den Faktor Outsourcing aus. Die Bedeutung von Outsourcing nehme weiter zu. Banken würden nicht nur klassische IT-Aufgaben auslagern, sondern planen künftig verstärkt auch Aktivitäten in Bereichen wie Cyber Security, Open Banking, digitale Identitäten und Künstliche Intelligenz an externe Partner zu vergeben.
Besonders ausgeprägt sei dies bei Unterstützungsfunktionen. So werden Informatikleistungen heute von 93 Prozent der befragten Institute ganz oder teilweise extern bezogen. Auch Druck- und Versanddienstleistungen sowie die interne Revision weisen hohe Outsourcing-Quoten auf. Dagegen bleiben risikorelevante Funktionen wie Treasury, Risikomanagement oder Kreditentscheidungen mehrheitlich in der Bank.
Die Studie basiert auf der Befragung von 43 Schweizer Retailbanken und zwölf Experteninterviews.
Die Banken würden sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen an der Kundenschnittstelle konzentrieren, während standardisierte Prozesse über spezialisierte Dienstleister erbracht werden. Die Autoren sehen darin einen grundlegenden Wandel der Wertschöpfung.
Beratung weiter Kernkompetenz
Trotz aller technologischen Entwicklungen verstehen sich Schweizer Retailbanken weiterhin primär als Beratungsunternehmen. Finanzierungsberatung, Basisdienstleistungen sowie Anlage- und Vorsorgeberatung werden von nahezu allen Instituten als Kernkompetenzen eingestuft. Dagegen verlieren operative und technologische Funktionen an strategischer Bedeutung. Nur 28 Prozent der Banken betrachten Informatik noch als Kernkompetenz, bei Künstlicher Intelligenz sind es sogar lediglich 12 Prozent.
Diese Entwicklung deutet auf eine klare strategische Trennung hin: Die Kundenbeziehung bleibt im Zentrum, während technologische Infrastruktur zunehmend als zukaufbare Leistung betrachtet wird.
Zahlungsverkehr ist Vorreiter der Digitalisierung
Am weitesten fortgeschritten ist die digitale Transformation im Zahlungsverkehr. Dort gehen ein hoher Digitalisierungsgrad und eine starke Auslagerung Hand in Hand. Gleichzeitig kommen KI-Anwendungen bereits produktiv zum Einsatz – etwa bei der Betrugserkennung oder der Überwachung geldwäschereirelevanter Transaktionen.
Die Studienautoren sehen hier jedoch neue Wettbewerber auf dem Vormarsch. Technologieunternehmen und Fintechs integrieren sich zunehmend in die digitalen Finanzökosysteme der Kunden. Dadurch wächst das Risiko, dass Banken Teile ihres traditionellen Geschäfts an externe Plattformen verlieren.
Hypothekargeschäft hinkt hinterher
Deutlich weniger weit fortgeschritten ist die Digitalisierung im Hypothekargeschäft. Viele Banken befinden sich noch immer in Automatisierungsprojekten, die bereits vor Jahren gestartet wurden. Vollständig automatisierte Prozesse seien hier bislang die Ausnahme.
In der Praxis beschränke sich der Einsatz von KI dabei meist auf unterstützende Tätigkeiten wie Dokumentenmanagement oder Datenerfassung. Erst einzelne Vorreiterbanken dürften in naher Zukunft sogenannte Dunkelverarbeitungen erreichen, bei denen über 90 Prozent aller Fälle ohne manuelle Eingriffe abgewickelt werden können.
Als Problemfeld und zugleich kritischer Erfolgsfaktor wird die Datenqualität genannt. Das sei eine zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation. Obwohl Schweizer Banken im Branchenvergleich über eine gute Datenqualität verfügen, reichen die bestehenden Standards für anspruchsvolle KI-Anwendungen häufig noch nicht aus. Vor KI-Projekten müssen Datenbestände oft umfassend bereinigt werden.
KI gewinnt rasant an Bedeutung
Künstliche Intelligenz zählt mittlerweile zu den wichtigsten Zukunftsthemen der Branche. 95 Prozent der befragten Banken messen KI in den kommenden drei Jahren eine hohe oder mittlere Bedeutung bei. Besonders stark ist der Bedeutungszuwachs gegenüber dem Vorjahr ausgefallen.
Gleichzeitig zeige sich jedoch eine deutliche Governance-Lücke: Fast jede zweite Bank verfügt noch über keine dokumentierte KI-Strategie. Während IT-, Cloud- und Sourcing-Strategien inzwischen weitgehend etabliert sind, steckt die strategische Verankerung von KI vielerorts noch in den Anfängen.
Kosten und Regulierung dominieren die Agenda
Die grössten Herausforderungen im IT-Sourcing sehen die Banken weniger bei technologischen Fragen als bei der praktischen Umsetzung. Kosten, regulatorische Anforderungen, Datenmanagement und Sicherheitsrisiken stehen deutlich vor strategischen Überlegungen. Nahezu alle Institute betrachten die Kostenentwicklung als grosse oder sehr grosse Herausforderung.
Laut den Autoren dürfte sich der Wettbewerb in den kommenden Jahren zunehmend daran entscheiden, wie erfolgreich Banken drei Faktoren miteinander verbinden können: effizientes Outsourcing, hohe Datenqualität und einen kontrollierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.















