Berenberg: Dies sind die Ergebnisse der Sonderuntersuchung
Vor einem Monat griff die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bei der Hamburger Privatbank Berenberg durch. Sie stellte drei Geschäftsleitungsmitglieder kalt – Chef Hendrik Riehmer sowie David Mortlock und Christian Kühn – und setzte zwei Sonderbeauftragte ein, den Verwaltungsratsvorsitzenden Hans-Walter Peters und den früheren Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf (finews berichtete).
Auslöser der Bafin-Aktion waren Hinweise auf Corporate-Governance-Verstösse in der Jahresabschlussprüfung 2025. Am Dienstag hat nun Berenberg mitgeteilt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte den Jahresabschluss am 20. Juli «uneingeschränkt testiert» habe.
Gewinneinbruch
Der Jahresüberschuss beträgt 20,2 Millionen Euro und liegt damit deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 81,6 Millionen. Dafür macht die Bank «Effekte aus der Risikovorsorge eines einzelnen Engagements, die herausfordernde Restrukturierungssituation im Zentralbereich Wealth and Asset Management, eine schwächere Ertragslage in der Investmentbank im vierten Quartal 2025 sowie höhere Investitionen in die weitere Modernisierung der IT» verantwortlich.
Der Zinsüberschuss (Erfolg im Zinsgeschäft) sank auf 119,1 Millionen Euro, 15,4 Prozent unter dem Vorjahr.
Verwaltete Vermögen stagnieren
Der Provisionsüberschuss (Erfolg im Kommissionsgeschäft) nahm gegenüber Vorjahr um 10 Prozent ab, von 387,9 Millionen auf 349,1 Millionen Euro. Die verwalteten Vermögen stiegen nur leicht, von 39 auf 39,4 Milliarden Euro, trotz der guten Börsenentwicklung. Immerhin resultierte im Handelsgeschäft ein Plus von 165,5 Prozent auf 23,1 Millionen.
Deutlich gestiegen sind die Personalkosten (277 Millionen) und die Sachkosten (173,4 Millionen), um 9,4 bzw. 10 Prozent zum Vorjahr. Entsprechend verschlechterte sich die Cost-Income-Ratio von 76,2 auf 90,4 Prozent.
Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 1'528 auf 1'588. Die grössten Standorte sind Hamburg (wo ein neuer Hauptsitz bezogen wurde), London, Frankfurt und New York.
Stark im Investment Banking
Im Bereich Investment Banking wurde die Zahl der Research-Analysten von 90 auf 107 aufgestockt, 3 davon arbeiten in Zürich (die Bank hat in der Schweiz auch eine Vertretung in Genf). In der DACH-Region führte Berenberg 37 Eigenkapitaltransaktionen für Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 11,5 Milliarden Euro durch.
Mit noch mehr Spannung als die die nackten Zahlen sind die Ergebnisse der Prüfung des Abschlusses 2025 erwartet worden. Bereits bei dessen Erstellung ist gemäss Berenberg aufgefallen, dass «die Bilanzierung und Bewertung einzelner Aktiengeschäfte im Eigenbestand der Bank nicht den handelsrechtlichen Vorschriften entsprochen hatten».
Buchhalterisches Feintuning oder Manipulation?
Eine in der Folge bei einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag gegebene forensische Sonderuntersuchung habe ein Bild von Massnahmen ergeben, «die wesentlich von der Zielsetzung geprägt waren, regulatorische Eigenmittel- und Eigenkapitalwirkungen zu steuern und in einzelnen Fällen Ergebniswirkungen buchhalterisch zu erzeugen, zu glätten oder zeitlich vorzuziehen». Zudem hätten die Geschäftsleiter Organkredite für Mitglieder der Geschäftsleitung genehmigt, «die Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Marktgerechtigkeit aufweisen».
Mehr Details zur Sonderuntersuchung enthält der von der Bank ebenfalls publizierte «Lagebericht 2025». Dort wird u.a. auch explizit festgehalten, «dass es Hinweise darauf gibt, dass formell implementierte IKS-Prozesse seitens der Bank in Einzelfällen bewusst umgangen wurden». Die Bank habe ein Projekt zur Analyse und Behebung der Schwachstellen eingeleitet.
Kundengeschäft nicht betroffen
«Nicht betroffen war das Kundengeschäft», stellt der Sonderbeauftragte und Verwaltungsratspräsident Peters klar. Und der Sonderbeauftragte Horf ergänzt: «Wir konnten alle strittigen Punkte im Jahresabschluss verarbeiten und blicken nun in die Zukunft. Wir werden die Überwachungsfunktionen weiter ausbauen und stärken, das ist in dieser Situation sicher angemessen.»
Im laufenden Jahr scheint es bei Berenberg operativ wieder besser zu laufen. Die Bank vermeldet für die ersten sechs Monate einen Überschuss von 40 Millionen Euro.















