Razzia am Hauptsitz der Deutschen Bank

Erst ‌in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Razzia in einer Filiale ‌der Deutschen Bank an der Frankfurter Taunusanlage bestätigt, sich zu ‌den genauen ‌Hintergründen aber nicht ‌geäussert.

Nun haben am Mittwochmorgen rund 70 Steuerbeamte die Zentrale des grössten deutschen Geldhauses in Frankfurt am Main durchsucht. Zuerst hatten «Business Insider» und «Welt» über die Durchsuchung berichtet, sie waren offensichtlich informiert und bei der Aktion mit Reportern vor Ort.

Die Deutsche Bank bestätigte die Razzia und teilte mit: «Die Deutsche Bank wird als Drittpartei durchsucht und arbeitet vollumfänglich mit den Behörden zusammen», heisst es. 

Alte Geschäfte

Konkret geht es um Cum-Cum-Geschäfte, die die Deutsche-Bank-Tochter Postbank mit einer britischen Investmentbank durchgeführt hat. Abgewickelt wurden sie laut «Handelsblatt» bereits in den Jahren zwischen 2008 und 2010.

Cum-Cum bezeichnet Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag, bei denen verschiedene in- und ausländische Marktteilnehmer durch die vorübergehende Übertragung von Aktien versuchten, die Belastung durch die Kapitalertragsteuer zu verringern. 

Cum-Cum und Cum-Ex

Anders als die Cum-Ex-Geschäfte zielten sie nicht auf eine Mehrfacherstattung der Kapitalertragsteuer auf Dividenden. Allerdings bewerten Gerichte und Ermittlungsbehörden entsprechende Konstruktionen seit Jahren zunehmend kritisch und prüfen in zahlreichen Fällen. Sowohl steuer- als auch strafrechtlich stehen solche Deals auf dem Prüfstand.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, stehen zehn ehemalige Topmanager der Postbank auf der Beschuldigtenliste. Darunter soll auch ein Banker sein, der es vor zwei Jahren bis in die Führungsetage der Deutschen Bank geschafft hat.

Die Deutsche Bank ist indirekt betroffen, weil sie die Postbank 2019 übernommen hatte.