Update+++ Vontobel verlegt Holdingsitz – 1500 Banker arbeiten bald in Baar

Vontobel hat einen langfristigen Mietvertrag für einen neuen Standort in Baar (ZG) abgeschlossen, heisst es in einer Mitteilung der Bank. Der eigens für Vontobel konzipierte Campus soll 2030 eröffnet werden. In Zürich wird das Gebäude von Vontobel am Bleicherweg zu einem «erstklassigen Kundenstandort» mit mehr als 300 Mitarbeitenden umgebaut. Er wird über erneuerte Empfangs- und Besprechungsbereiche sowie ein Private-Dining-Restaurant verfügen und künftig auch die Vontobel Kunstsammlung beherbergen.

Bis der Umbau in Zürich vollzogen ist, dürfte es laut Sprecher Dominique Gerster rund sechs Jahre dauern. Der Umbau soll 2030 beginnen und zwei Jahre später fertig sein.

Überall als Mieter

Mit dem neuen Campus in Baar will Vontobel nach eigenen Angaben «eine dynamische und vernetzte Arbeitsumgebung fördern, den Austausch unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erleichtern und mehr Raum und Flexibilität erhalten, um langfristig zu wachsen.» 

Der aktuell grösste Bürostandort an der Gotthardstrasse 43  in Zürich wird aufgehoben. Das 50-jährige Haus hätte aus vertraglichen Gründen bis 2032 sowieso geräumt werden müssen. 

Laut Gerster sind alle sieben bisherigen Standorte in Miete gewesen. Wie viel günstiger der neue Hauptsitz werde, könne man derzeit nicht konkret sagen. «Es ist sicher keine Sparmassnahme, sondern höchstens ein willkommener Nebeneffekt», sagt er auf eine entsprechende Frage von finews. Ähnliches gilt für das Thema Steuern. Der Kanton Zug ist bekannt für attraktive Firmensteuern.

Je nach Höhe des Gewinns könnte der Umzug laut Experten durchaus einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen. Gemäss Vontobel hängt der Steuereffekt von diversen Faktoren ab, zudem zahle man in Zürich weiterhin Steuern und auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnen im Kanton.

Alle zusammen

Neu sollen das Top-Management wie Belegschaft am selben Ort arbeiten. Damit hebt sich Vontobel von anderen Banken ab. Etwa bei der UBS oder Julius Bär arbeitet die Bankführung von der Zürcher Innenstadt aus, während viele Backoffice-Leute ihre Arbeitsplätze in den weniger glamourösen Aussenquartieren haben.

Co-CEOs Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger: «Von den möglichen Standorten, die wir für den neuen Campus geprüft haben, stach der Lindenpark in Baar deutlich hervor. Das Areal bietet Platz für weiteres Wachstum. Zudem zeichnet sich der Lindenbark mit eigenem Bahnhof durch seine hervorragende Erreichbarkeit aus.» 

Der Bebauungsplan für den neuen Campus wurde bereits in einer Volksabstimmung genehmigt, der Bau soll in den nächsten Monaten starten.

Der Mietvertrag von Vontobel läuft über zehn Jahre. Dabei kann die Bank bei der Ausgestaltung und Nutzung mitreden. So wird auch ein Wohnhaus zum Vontobel-Campus gehören. In diesem werden die Bankmitarbeiter für 80 Wohnungen ein Vorrecht erhalten. 

«Wir wollen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genügend Zeit geben, um sich umzustellen», erläutert der Vontobel-Sprecher. Wie viele der 1500 Leute schliesslich von Zürich nach Baar wechseln, könne man derzeit natürlich nicht sagen. 

«Die Zürcher Identität erachtet man an der Bankspitze nicht mehr als elementar», schreibt die NZZ zum Umzug. Man sei eine Schweizer Bank mit 12 Standorten in der Schweiz und international ausgerichtet, erläutert Gerster dazu.

Bedauern und Verständnis

Christian Bretscher, Geschäftsführer des Zürcher Bankenverbands, sagte auf Anfrage, er bedauere den Entscheid, habe aber auch Verständnis dafür. Es gebe zahlreiche negative Beispiele dafür, dass es in Zürich innert nützlicher Frist nicht möglich sei, ein Gelände so zu nutzen, wie man es bräuchte. Dass der Standort steuerlich für Unternehmen «höchst unattraktiv» sei, sei ja bekannt.

Es sei schade, dass die Bank Vontobel kein passendes Grundstück in Zürich für ihren neuen Campus gefunden habe, sagte Claudia Nägeli, Mediensprecherin des Finanzdepartements der Stadt Zürich, auf Anfrage von Keystone-SDA. Eine Abwanderungstendenz finanzstarker Unternehmen beobachte man jedoch nicht. «In den vergangenen zehn Jahren ist nur eines der Top 50-Unternehmen in einen steuergünstigeren Kanton abgewandert», sagte Nägeli. Die Bank Vontobel sei nun das zweite. Sie betone dabei aber selbst, dass die Steuerbelastung nicht der Grund für den Wegzug sei.

Laut der Stadt Zürich sind die Unternehmenssteuereinnahmen in den letzten fünf Jahren um über 25 Prozent gestiegen. Die Anzahl der juristischen Personen im Kanton Zürich habe in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zugenommen.