Start 2026: Starke Impulse für Gesundheitsanlagen

Das neue Jahr beginnt für mich am Schreibtisch in Zürich. Doch bereits in den ersten Januartagen richtet sich der Blick nach San Francisco. Die Vorbereitung auf die JP Morgan Healthcare Conference läuft früh an, denn sie bleibt einer der zentralen Gradmesser für den Sektor. Neue Studiendaten, strategische Ankündigungen und erste Weichenstellungen geben Mitte Januar oft bereits die Richtung für das laufende Jahr vor.

Der Gesundheitssektor geht mit deutlich verbesserter Ausgangslage ins 2026. Nach einer längeren Phase erhöhter Unsicherheit haben sich zentrale Rahmenbedingungen stabilisiert, während gleichzeitig mehrere strukturelle Wachstumstreiber an Dynamik gewinnen. Für Investoren entsteht damit ein Umfeld, das wieder stärker von Fundamentaldaten, Innovationskraft und Ertragsvisibilität geprägt ist.

Politische Klarheit als Katalysator für Kapitalflüsse

Ein wichtiger Wendepunkt war die zunehmende politische Klarheit in den USA. Die im Herbst 2025 erzielten Preisvereinbarungen zwischen Regierung und führenden Pharmaunternehmen haben erstmals ein kalkulierbares Fundament für die zukünftige Preis und Erstattungspolitik geschaffen. Dies hat rasch Wirkung gezeigt: Kapitalflüsse in den Sektor nahmen spürbar zu, Healthcare gehörte zuletzt zu den stärksten Segmenten der globalen Aktienmärkte. Professionelle Investoren, die zuvor an der Seitenlinie standen, beginnen wieder Positionen aufzubauen.

Bewertungen holen auf – das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Parallel dazu hat eine Neubewertung eingesetzt. Zwar haben sich die Bewertungen von den historischen Tiefs wieder in Richtung ihrer langfristigen Durchschnitte bewegt, doch der Healthcare-Sektor wird weiterhin mit einem Abschlag von rund 13 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt gehandelt. Das steht im Kontrast zu den Gewinnerwartungen: Für Biopharma- und Life-Science-Unternehmen wird für die Jahre 2024 bis 2027 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 15 Prozent pro Jahr erwartet – mehr als doppelt so hoch wie der langfristige Trend von etwa 7 Prozent. Diese Kombination aus strukturellem Wachstum und weiterhin moderaten Bewertungen schafft ein attraktives Zeitfenster für Investoren, ihre Allokationen auszubauen.

Besonders Biopharma profitiert von mehreren Wachstumstreibern. Neue Wirkstoffklassen in der Onkologie, Fortschritte bei der Behandlung von Adipositas und Diabetes sowie Innovationen im kardiovaskulären Bereich erschliessen zusätzliche Absatzmärkte. Gleichzeitig steigt die Nachfrage im Bioprocessing, getrieben durch Onshoring-Effekte und neue Produktionsplattformen. 

Hinzu kommt eine aussergewöhnlich starke M&AKapazität: Mit umfangreichen Liquiditätsreserven sind viele Unternehmen gut positioniert, um PipelineLücken zu schliessen und Patentabläufe aktiv zu managen.

Medizintechnik: Etablierte Märkte und neue Wachstumsfelder

Auch die Medizintechnik bleibt ein zentraler Wachstumspfeiler. Etablierte Segmente wie robotergestützte Chirurgie oder kontinuierliche Glukosemessung wachsen weiterhin zweistellig, während neue Technologien rasch den Weg in die klinische Praxis finden. Der adressierbare Markt für kontinuierliche Glukoseüberwachung dürfte sich in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln. Gleichzeitig gewinnen Anwendungen wie Pulsfeldablation oder KIgestützte Smartglasses zunehmend an Bedeutung. Trotz dieser Dynamik werden grosse MedtechUnternehmen weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber dem breiten Aktienmarkt gehandelt.

Emerging Markets: Vom Produktionsstandort zum Innovationsmotor

Ein weiterer struktureller Faktor ist die wachsende Bedeutung der Schwellenländer. China entwickelt sich zunehmend vom reinen Produktions und Lizenzpartner zum eigenständigen Innovationszentrum, zum Beispiel im Bereich Onkologie. In Indien wiederum treiben demografische Trends, eine wachsende Mittelschicht und Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur die Nachfrage nach hochwertigen Therapien und spezialisierten Dienstleistungen. 

Ein Sektor im Aufbruch

Healthcare steht zu Beginn von 2026 wieder dort, wo der Sektor historisch regelmässig Wert geschaffen hat: bei Innovation, strukturellem Wachstum und zunehmender operativer Visibilität. Die kommenden Wochen – und insbesondere die intensive Vorbereitung auf die Konferenz in San Francisco – schärfen den Blick dafür, welche Themen, Technologien und Geschäftsmodelle den Takt im Healthcare-Sektor 2026 vorgeben werden.


Marcel Fritsch, Leiter Healthcare Fonds & Mandate, Bellevue Asset Management.