Start 2026: Der Sprung ins eiskalte Wasser hilft auch Anlegern

In Norwegen gibt es zum Jahreswechsel eine Tradition, die ich jedes Mal mit einer Mischung aus Bewunderung und leisem Kopfschütteln beobachte: das sogenannte Julebad, ein Sprung ins eiskalte Wasser, der angeblich Körper und Geist für das neue Jahr klärt.

Ich selbst überlasse diesen heroischen Start gern den besonders Mutigen – aber ich mag die Idee dahinter. Denn dieser Moment, in dem alles Überflüssige abfällt und nur das Wesentliche bleibt, fühlt sich sinnbildlich richtig an für den Jahresbeginn. Auch ohne ins Fjordwasser zu steigen, nehme ich mir bewusst diese gedankliche Klarheit mit: ein frischer Blick, ein offener Kopf und die Bereitschaft, die Chancen eines neuen Jahres mit Ruhe und nordischem Pragmatismus anzugehen.

Neue Abhängigkeiten schaffen neue Chancen

Unsere Einschätzung zum globalen Wirtschaftsumfeld für 2026 fällt unverändert positiv aus. Die Weltwirtschaft startet mit spürbarem Rückenwind ins neue Jahr: geldpolitische Lockerungen, fiskalische Impulse und ein breit angelegter Investitionszyklus – allen voran durch künstliche Intelligenz – schaffen ein konstruktives Fundament

Geopolitisch bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Der strukturelle Wettbewerb zwischen den grossen Blöcken USA, China und Europa verschärft sich, was langfristig neue Abhängigkeiten, aber ebenso neue Chancen schafft. Gerade für Regionen wie die Nordics und für jene europäischen Industrien, die global wettbewerbsfähig sind, ergeben sich interessante Perspektiven.

AI-Superzyklus und Gesundheit

Vor diesem Hintergrund richten wir unsere strategische Positionierung auf jene Kräfte aus, die den Zyklus prägen. Besonders der Gesundheitssektor steht für strukturelles Wachstum: eine alternde, wohlhabendere Bevölkerung, medizinische Innovationen und der zunehmende Einsatz von KI in Forschung, Diagnostik und klinischen Prozessen sorgen für langfristige Nachfrage und attraktive Bewertungen.

Ebenso bleibt der AI-Superzyklus ein zentraler Wachstumsmotor. Die weltweiten Investitionen in Rechenzentren schaffen einen breiten industriellen Effekt – von Hyperscalern über Halbleiter bis hin zu Energie- und Bauunternehmen. Auch in unserer eigenen Investmentpraxis spielt KI eine immer grössere Rolle, sei es in der Modellierung, im Research oder bei der Auswertung grosser Datenmengen.

Kompetenzzentren sind entscheidend

Europa und die Nordics bieten in dieser Gemengelage stabile Gegengewichte zu den beiden dominierenden Wirtschaftsräumen USA und China. Unternehmen aus Bereichen wie Industrieeffizienz, Automation, Elektrifizierung, Telekommunikationsinfrastruktur, Life Sciences, Halbleitertechnologie sowie Logistik- und Softwarelösungen zeigen weiterhin globale Führungsrollen. Auch im Bereich Verteidigung und Sicherheit verfügen sie über starke Positionen und solide Nachfrage. Diese Kompetenzzentren sind nicht nur resilient, sondern entscheidend für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit auf globaler Ebene.

Der AI-Boom wirft naturgemäss die Frage nach Bewertungen auf. Zwar sind die Multiplikatoren einiger Mega-Caps hoch, doch spiegeln sie robuste Geschäftsmodelle, starke Margen und solide Cashflows wider. Eine Korrektur wäre nicht ungewöhnlich, doch strukturell sehen wir weniger die Gefahr einer Blase als vielmehr die kontinuierliche Ausweitung eines vielschichtigen Ökosystems.

Umfeld ist stabiler als vielfach wahrgenommen

Auch die Perspektiven für erneuerbare Energien bleiben positiv, trotz gelegentlicher Finanzierungsschwankungen. Der rapide steigende Strombedarf – nicht zuletzt durch die AI-Infrastruktur – sorgt für nachhaltigen Investitionsdruck. Regulatorisch zeigt sich das Umfeld stabiler als vielfach wahrgenommen, und die Wettbewerbsfähigkeit der Technologien ist weiterhin hoch.

2026 beginnt damit unter durchaus günstigen Vorzeichen: fallende Inflation, fiskalische Unterstützung, abnehmende Handelshemmnisse und ein kraftvoller technologischer Investitionszyklus prägen den Rahmen.

Für uns als norwegischen Asset Manager ist dies ein Umfeld, das wir mit Zuversicht, aber zugleich mit der Bodenhaftung und dem Pragmatismus angehen, der im Norden tief verwurzelt ist.

Die Welt steht vor weitreichenden technologischen und ökonomischen Veränderungen – und genau darin sehen wir die besten Gelegenheiten für langfristig orientierte Anleger.


Knut Hellandsvik ist Chief Investement Officer bei DNB Asset Management.