Start 2026: Disziplin als Renditequelle bei KMU-Private Debt
Zum Jahreswechsel geht es mir weniger um Neujahrsrhetorik als um einen ruhigen Moment, um mir die richtigen Fragen zu stellen. Ich sortiere das vergangene Jahr: Was war Zufall, was war Prozessqualität, und wo hat sich Risiko schleichend aufgebaut?
Ich starte nicht mit grossen Thesen, sondern mit dem, was sich in der Praxis zuerst zeigt: Nachfrage, Zahlungsmoral, Rückflüsse.
Wir sind in einem Nischensegment von Private Debt tätig: Mikro- und Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in ausgewählten Märkten in Europa und Zentralasien. Auf dieser Basis lassen sich Entscheidungen treffen, ohne sich von kurzfristigen Markterzählungen treiben zu lassen. Gerade in diesem Segment entscheidet sich vieles weniger an Prognosen als daran, wie schnell sich Risiken in der Praxis abzeichnen und wie konsequent man darauf reagiert.
Makrotreiber 2026: Refinanzierungskonditionen und Planbarkeit entscheiden über Kreditqualität
Auch wenn globale Narrative 2026 schnell wechseln können, zählen für KMU vor allem handfeste Grössen. Zinsniveau und Währungskurse wirken im Kreditgeschäft direkt. Sie beeinflussen Refinanzierungskonditionen und Preisgestaltung und bestimmen damit, ob Rückzahlungen auch unter Druck leistbar bleiben. Inflation bleibt dort relevant, wo Input- und Lebenshaltungskosten steigen und die Liquiditätspuffer kleiner Unternehmen schrumpfen. Politische und geopolitische Risiken wirken häufig indirekt und können Investitionen verzögern. Für die Kreditqualität zählt, ob Planbarkeit erhalten bleibt oder ob Betriebe kurzfristig auf defensive Liquiditätssteuerung umstellen müssen.
Zinsdruck und Förder-/Garantierahmen: Beispiele aus Kernmärkten
Der Zinsdruck bleibt 2026 hoch: in Moldau und Rumänien rund 5 Prozent, in Armenien 6,5 Prozent, in Kirgisistan und Tadschikistan 7,0 Prozent und in Usbekistan 11,0 Prozent. In Kirgisistan und Tadschikistan dienen die hohen Zinsen der Inflationsbegrenzung, und belastet die Liquidität lokaler Unternehmen. In Usbekistan ist der Kreditmarkt noch im Aufbau: Die Nachfrage steigt, zugleich kann der Markt zusätzliche Kredite nur begrenzt aufnehmen. Für Investoren können daraus Chancen entstehen, vorausgesetzt, die lokalen Volkswirtschaften wachsen und Kreditrisiken werden konsequent geprüft.
In einigen Märkten wird der Druck zudem durch Förderprogramme und Garantien abgefedert. In Moldau haben EBRD und EU zuletzt 22,5 Millionen Euro über lokale Mikrofinanzpartner bereitgestellt, um KMU mit vergünstigten Krediten und Anreizen für grüne Investitionen zu unterstützen. Das soll den Zugang zur Finanzierung für rund 98 Prozent der Unternehmen erleichtern. In Rumänien wurden KMU-Kredite mit Garantien von bis zu 70 Prozent abgesichert, um den Zugang zu Krediten zu verbessern und Kosten zu senken.
Positionierung 2026: Selektivität, solide Besicherung und laufendes Monitoring statt Tempo
Unsere Positionierung für 2026 ist auf Disziplin ausgerichtet. Wir setzen nicht auf Tempo, sondern auf Steuerbarkeit. Wir investieren dort, wo die Rückzahlungsfähigkeit belastbar ist, und halten uns zurück, wenn die Qualität nicht passt. In der Praxis heisst das: plausible Cashflows, tragfähige Raten, Sicherheiten, die im Stressfall durchsetzbar bleiben, und ein Monitoring, das Veränderungen früh sichtbar macht.
Was wir 2026 aktiv vermeiden: Wachstum um jeden Preis und verwässerte Kreditstandards
Wir vermeiden Wachstum um jeden Preis und jede Form von «weicher» Kreditpolitik. Unsere Standards bei Cashflow-Beurteilung, Besicherung und laufender Überwachung lockern wir nicht, selbst wenn das Umfeld vermeintlich „Chance“ ruft.
Entscheidend ist 2026 die operative Disziplin: Nicht nur Zinsen beobachten, sondern prüfen, wie Unternehmen Liquidität steuern, Kosten anpassen und auf externe Schocks reagieren. In Moldau ist ein BIP-Wachstum von rund 2,5 Prozent ermutigend. In Rumänien kann eine stabile Zinslage ein Zeitfenster öffnen. In Armenien verschaffen Zinssenkungen Luft, zugleich müssen die Kreditstandards konsequent bleiben.
Ausblick: Mikro- und KMU-Private Debt wird 2026 selektiver
Für Mikro- und KMU-Private Debt erwarten wir 2026 ein Umfeld, in dem sich Qualität noch deutlicher auszahlt als in Phasen, in denen Kapital leicht verfügbar ist und Risiko weniger differenziert bepreist wird. Wenn Zinsen, Währungskurse und politische Rahmenbedingungen stärker schwanken, werden rigorose Kreditprüfung, resiliente Sicherheiten und laufendes Monitoring noch wichtiger.
Mein Jahresstart-Fazit ist pragmatisch: Nicht die grosse These entscheidet, sondern die Fähigkeit, Risiken operativ zu kontrollieren und Cashflows verlässlich zu machen. Dann ist der Kurs für 2026 klar.
Michele Mattioda, Investor Relations Manager und Mitglied des Management Boards, MK Global Kapital.












