Natixis IM-CEO warnt vor radikalem Umbruch im Asset Management
Die Asset-Management-Industrie befindet sich nach Einschätzung von Natixis IM-CEO Philippe Setbon in einer Phase fundamentaler Neuordnung. Auslöser seien vor allem die zunehmende Konzentration im Asset Management sowie der nachhaltige Abschied vom Nullzinsregime. Beide Faktoren wirkten strukturell und würden die Wettbewerbslandschaft über Jahre prägen, sagte er am Natixis Investment Forum am Dienstag in Zürich. Ausnahme sei noch die Schweiz: «Die Schweiz ist in dieser Hinsicht eine Art Insel im neuen Zinsumfeld.»
Entscheidend ist laut Setbon jedoch, was in den USA ablaufe: «Für die Finanzmärkte weltweit ist entscheidend, was die Fed tut, was mit dem Dollar geschieht und was die US-Zinskurve macht.»
Europa steht erst am Anfang
Während Konzentration in den USA bereits Realität sei, stehe Europa erst am Anfang des Zyklus. Fusionen fänden dabei nicht mehr nur innerhalb der Asset-Management-Branche statt, sondern zunehmend auch über Sektorgrenzen hinweg – etwa zwischen Versicherern und Asset Managern. Die Treiber seien klar: höhere regulatorische Anforderungen, steigender Kapitalbedarf und veränderte Kundenerwartungen führten zu einem Umfeld, in dem Skalierung zum entscheidenden Erfolgsfaktor werde. Asset-Management-Gesellschaften, die heute nicht massiv in Technologie und Infrastruktur investieren, würden «in wenigen Jahren vom Markt verschwinden».
Auch das Zinsregime verändere die Prioritäten der Branche grundlegend. Dabei gehe es nicht nur um die Inflation bei Gütern und Dienstleistungen. Es würden neue Formen struktureller Inflation innerhalb der Industrie entstehen: etwa im IT-Bereich oder beim Kapitalbedarf privater Anlagen. «Man muss das Geschäftsmodell digitalisieren. Jede Asset-Management-Gesellschaft, die jetzt nicht enorme Summen investiert, wird in naher Zukunft aus dem Markt verschwinden», betonte er.
Nicht auf schwächeren Dollar setzen
Für Europa sieht Setbon trotz eines möglichen relativen Abschwungs der USA keine automatischen Vorteile: «Europa darf seine Zukunft nicht auf einen schwächeren Dollar setzen», sagte er. Währungsentwicklungen seien notorisch unberechenbar, zudem gebe es derzeit keine glaubwürdige Alternative zur Leitwährung.
Europa müsse vielmehr das eigene wirtschaftliche Ökosystem reformieren: Anlegerkapital im Binnenmarkt halten, Innovation finanzieren und einen produktiven Kreislauf zwischen Sparern und Unternehmen herstellen. Solange Europa primär Konsumenten- statt Produktionsinteressen reguliere, blieben die Voraussetzungen für Kapitalmarktstärke unzureichend. Setbon verhehlte nicht seinen Unmut über die Situation in Europa: «Im Moment wird in Europa nur geredet und nicht gehandelt.»
Reformen statt Steuererhöhungen
Zur wachsenden Staatsverschuldung in den Industrieländern zeigte sich der Manager zurückhaltend. Solange alle grossen Volkswirtschaften die Verschuldung parallel ausbauten, sei keine kurzfristige Vertrauenskrise zu erwarten. Langfristig sei jedoch ein Abbremsen des Wachstumspfads unvermeidbar. Reformen statt Steuererhöhungen seien dafür die einzige realistische Antwort, so der Natixis-Chef.
Besonders aufmerksam verfolgt Setbon die Entwicklungen in den USA. Sollten politische Eingriffe die Unabhängigkeit der Federal Reserve beeinträchtigen, würde dies «die Spielregeln im globalen Finanzsystem fundamental verändern». Die Rolle des US-Kapitalmarkts als Referenzgrösse basiere letztlich auf Vertrauen und institutioneller Verlässlichkeit. Eine Infragestellung dieser Parameter könnte ein neues Kapitel in der internationalen Kapitalallokation einleiten.















